Lichtinstallation in Posen anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Königlich-Kaiserlichen Weges

Der Königlich-Kaiserliche Weg, eines der bedeutendsten Projekte zur Vermittlung des Kulturerbes in Polen, feiert im Jahr 2026 sein zwanzigjähriges Bestehen. Er entstand als ein System von Routen, die durch die wichtigsten Orte von Posen führen: Ostrów Tumski, die Altstadt, die Innenstadt und das Kaiserviertel. Im Laufe der Zeit wurde er nicht nur zu einem markierten Wanderweg, sondern auch zu einem Instrument zur Stärkung der städtischen Identität. Zwei Jahrzehnte seines Bestehens haben gezeigt, dass der Trakt als Ort der Begegnung, der Bildung und der gemeinsamen Entdeckung der Geschichte dienen kann.

Verantwortlich für seine Entwicklung ist das Posener Zentrum für Kulturerbe – eine Einrichtung, die seit Jahren die Idee der Interpretation des Kulturerbes fördert. Dieser Ansatz geht davon aus, dass Geschichte erst dann Bedeutung erlangt, wenn der Rezipient sie mit seiner eigenen Erfahrung in Verbindung bringen kann. Der Trakt führt als narrative Achse der Stadt durch über tausend Jahre Geschichte und vierzig Generationen von Einwohnern. Das Jubiläum bot Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie sich die Art und Weise verändert, wie in der heutigen Stadt über die Vergangenheit erzählt wird.

Eine Lichtlinie über der Cybina

Anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums an der Cybina, in der Nähe des Posener Tors, entstand eine Lichtinstallation, die den Trakt eröffnet. Es handelt sich um eine horizontale, lineare Komposition, die von der Ästhetik von Stadtplan-Karten inspiriert ist. Das Projekt fasst die charakteristischen Punkte des Trakts zusammen und reduziert die komplexe Struktur der Stadt auf eine einzige, durchgehende Linie. Vereinfachte architektonische Konturen und symbolische Zeichen bilden eine visuelle Aufzeichnung des Weges, die intuitiv lesbar ist.

Die Installation bildet die Architektur nicht wörtlich nach. Sie konzentriert sich auf die Idee der Bewegung – die Linie beschleunigt, verlangsamt sich, ändert die Richtung, und ihre geschlungene Form suggeriert Kontinuität sowie das Fehlen eines eindeutigen Anfangs oder Endes. Es ist eine Metapher für die Reise, die sowohl der Spaziergang auf dem Trakt als auch das Leben in der Stadt darstellt. Nach Einbruch der Dunkelheit spiegelt sich die Lichtkomposition im Wasser der Cybina wider, verstärkt den Eindruck von Zeitlosigkeit und schafft einen neuen Bezugspunkt in der Landschaft dieses Teils von Posen.

Die Jubiläums-Neoninstallation erfüllt eine doppelte Funktion: Sie ist sowohl ein Element des öffentlichen Raums als auch ein zeitgenössisches Instrument zur Interpretation des Kulturerbes. Sie erinnert daran, dass die Geschichte der Stadt ein fortlaufender Prozess ist, der sich dank der Einwohner und ihrer täglichen Entscheidungen weiterentwickelt.

Kontextbezogenes Design

Entworfen wurde die Installation vom Posener Studio WE MAKE THINGS, gegründet von Michał Kościuk – einem Architekten und Designer, der an der Schnittstelle von Architektur, Innenarchitektur und Kunst im öffentlichen Raum tätig ist. Das Studio spezialisiert sich auf Projekte, die klare Form mit einem ausgeprägten ideellen Hintergrund verbinden, wobei der Kontext des Ortes stets den Ausgangspunkt bildet.

Michał Kościuk, Absolvent der Kunstuniversität in Posen, entwickelt eine Designpraxis, die auf der Überzeugung basiert, dass ein guter Raum funktional, emotional und verantwortungsbewusst sein sollte. In seinen Arbeiten untersucht er das Verhältnis von Licht, Bewegung und räumlicher Erzählung. Die Installation an der Cybina ist eine Weiterentwicklung dieser Suche – eine synthetische und zugleich suggestive Form, die die Geschichte der Stadt durch eine zeitgenössische Bildsprache interpretiert.

Symbol für einen neuen Ansatz im Umgang mit dem Kulturerbe

Die Lichtinstallation, die den Königlich-Kaiserlichen Weg eröffnet, ist Ausdruck eines modernen Denkens über das Kulturerbe. Es ist ein Projekt, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet und gleichzeitig dazu einlädt, die Stadt weiter zu entdecken. Im Jubiläumsjahr erhält der Trakt ein neues Zeichen – subtil, aber bedeutungsvoll, das unterstreicht, dass sich die Geschichte von Posen ständig weiterentwickelt.

Entwurf: WE MAKE THINGS

Fotos: Łukasz Gdak/PCD

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