Lubon-Fabrik. Ein Student hat eine Idee, wie man den Ort wiederbeleben kann

Ist es möglich, ein Bürogebäude zu entwerfen, das nach Feierabend nicht leer steht, sondern die Menschen mit seiner Atmosphäre anzieht? Mit dieser Frage beschäftigte sich Natalia Janowska bei der Arbeit an ihrem Diplomprojekt „Luboń Factory“ – ein Büro- und Kulturzentrum in der Armii Poznańska Straße in Luboń, auf dem Gelände der ehemaligen Wielkopolski Przedsiębiorstwa Przemysłu Ziemniaczanego. Ziel war es, einen Stadtteil mit industrieller Vergangenheit wiederzubeleben und ihn in das soziale Gefüge zu integrieren.

Der Großpolnische Förderverein Przemysłu Ziemniaczanego blickt auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück. Seine Ursprünge gehen auf das Jahr 1904 zurück, als die erste Kartoffelverarbeitungsfabrik in Luboń gegründet wurde, die ursprünglich in deutschem Besitz war. Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Werk unter die Kontrolle des polnischen Staatsschatzes und begann eine dynamische Entwicklung, die in den 1920er Jahren zu einem der größten Werke seiner Art in Europa führte. Die Gebäude, die überlebt haben, konnten wieder zu einem lebendigen Teil der Stadt werden.

Die Idee eines offenen Raums

In ihrem Projekt stellt Natalia Janowska die Funktionen Arbeit, Kultur und Erholung bewusst nebeneinander und schafft einen urbanen Raum, der den ganzen Tag über lebendig ist. Ehemalige Industriegebäude werden in einen modernen Komplex umgewandelt, der sich nicht von der Geschichte abkapselt, sondern in einen Dialog mit ihr tritt.

Im Erdgeschoss befinden sich ein Café und eine Bibliothek – Räume, die zu Begegnung, Gespräch und Entspannung einladen. Der Eingang zum Gebäude führt durch einen großzügigen, hellen Innenraum, der einladend gestaltet ist. Der erste Stock dient als flexibler Coworking Space, der sowohl für Teams als auch für Einzelnutzer zur Verfügung steht. Die zweite Etage ist den festen Mieterbüros gewidmet – einschließlich Büros und Freiflächen, die mit Blick auf Ergonomie und modernen Komfort gestaltet wurden.

Architektur im Kontext

Das Design dominiert nicht die Umgebung. Es werden Materialien verwendet, die in der lokalen Geschichte verwurzelt sind: Backstein, rhythmische Fassaden, Strenge, die durch Licht und Grün durchbrochen wird. Die neue Architektur verbindet den industriellen Charakter mit der Gastfreundschaft des Ortes.

So sieht das Gebäude heute aus:

„Die Lubon-Fabrik ist nicht nur ein Gebäude, sondern ein Konzept für die Entwicklung eines größeren Gebiets. Das Projekt soll das Gebiet aktivieren und es wieder in den städtischen Blutkreislauf bringen. Janowska schlägt einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Raum vor – unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Bewohner und des Gedächtnisses des Ortes. Das geplante Café und die Bibliothek integrieren die Bewohner, das Coworking bietet Zugang zu modernen Arbeitsbedingungen und die Büroräume haben eine nachhaltige wirtschaftliche Funktion. Das Ganze schafft ein kohärentes Bild eines Ortes, der den Menschen dient und Verbindungen schafft.

„Ist es möglich, einen Industriestandort wiederzubeleben und ihm einen modernen Geist einzuhauchen, ohne seine Identität zu verwischen?“ – fragt sich Janowska. Ihre Antwort: Ja, wenn Design zu einem Gespräch mit der Geschichte und den Bedürfnissen der Menschen hier und jetzt wird.

Hochschule: Akademie für angewandte Wissenschaften Sopot
Projektträger: Dr. hab. inż. arch. Grzegorz Bukal
Art der Arbeit: Ingenieurarbeit

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