Friedhöfe sind Orte, an denen Geschichte, Erinnerung und Kunst auf äußerst subtile Weise nebeneinander bestehen. Ist es möglich, sich in ihnen zu „verlieren“? Ein innovatives Informationssystem, das von traditionellen Formen inspiriert ist, gibt eine Antwort, die Raum zum Nachdenken lässt – man kann sich hier nur in tiefen Erinnerungen verlieren, nicht in einem Labyrinth von Markierungen.
Das vom Designduo Eduard Herrmann und Josef Tomšej entworfene Projekt ist Teil einer umfassenderen Initiative, die von der Organisation HPS (Hřbitovy a pohřební služby – die städtische Einheit von Prag) geleitet wird. Die HPS, die für 33 Friedhöfe in Prag zuständig ist, hat sich zum Ziel gesetzt, nicht nur die Orientierung der Besucher zu verbessern, sondern auch den ästhetischen Wert des Friedhofs zu steigern. Die ersten Prototypen des neuen Systems wurden bereits auf einem der Friedhöfe installiert, und es wird voraussichtlich an weiteren Standorten eingeführt werden.
Gestaltung mit Respekt vor der Geschichte
Moderne Lösungen gehen hier Hand in Hand mit einem tiefen Respekt vor der Tradition. Die Designer ließen sich von den ursprünglichen Informationselementen aus der Zeit der Habsburger Monarchie inspirieren, die sich auch nach Jahren noch harmonisch in die Landschaft der Friedhöfe einfügen. Eine wichtige technologische Lösung ist die Verwendung von Metallguss in Formen – ein Verfahren, das in Prag eine lange Tradition hat und die Schaffung dauerhafter, ästhetischer Formen ermöglicht. Die konischen Säulen und die minimalistischen Tafeln wurden so gestaltet, dass sie sich auf subtile und moderne Weise in die historische Umgebung einfügen. Auf diese Weise fügen sich die neuen Elemente auf natürliche Weise in den Ort ein und bieten gleichzeitig eine präzise Orientierung im Raum.
Funktionalität und Flexibilität der Lösungen
Das Informationssystem besteht nicht nur aus Schildern und Tafeln – es ist ein umfassendes System, das auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten ist. Das Projekt umfasst unter anderem: Informationstafeln und Wegweiser (die den Besuchern helfen, sich in den Gassen des Friedhofs zurechtzufinden), Schaukästen und unkonventionelle Beschriftungen (die dem Raum eine künstlerische Dimension verleihen) oder Wasserbehälter.
Ein wichtiges Element ist die so genannte Adopt-A-Grave-Initiative, die darauf abzielt, die Pflege von verlassenen oder historischen Gräbern zu ermöglichen. Diese Initiative wurde kürzlich vom tschechischen Kulturministerium anerkannt. Auf diese Weise sorgt das Projekt nicht nur für Ordnung auf dem Gelände, sondern bezieht auch die Gemeinschaft in die Erhaltung des kulturellen Erbes ein.

Ein Ort der Begegnung, des Nachdenkens und der Erinnerung
Die Planer betonen, dass das neue Informationssystem eine neue Perspektive auf die Funktionsweise von Friedhöfen eröffnen soll. Es sorgt dafür, dass diese Orte nicht mehr nur Orte der Trauer sind, sondern lebendige Orte der Begegnung, der Ruhe und des stillen Nachdenkens werden. Die Probeinstallation auf dem Friedhof Bubeneč stößt bei den Anwohnern bereits auf Interesse, und es wird erwartet, dass weitere Installationen das Image der Friedhöfe als zugängliche, ästhetisch ansprechende und sinnvolle Orte stärken werden.
entwurf: Eduard Herrmann Josef Tomšej(https://www.eduardherrmann.com)
fotos: Vojtěch Veškrna
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