Mit einer Scheibe Brot an der Wand. Wir werfen einen Blick in eine Wohnung in Breslau

Die Wohnung „BreslauRed“ in einem Mietshaus aus den 1930er Jahren in Breslau ist ein Beispiel für ein Projekt, bei dem die Gegenwart auf das modernistische Erbe des Ortes trifft. Die Architekten Szymon Hanczar und Kinga Dżugan nutzten die vorgefundene architektonische Substanz als Ausgangspunkt für die Schaffung eines Raums mit ausgeprägtem Charakter, der sowohl durch die Materialien als auch durch die Kunst lokaler Künstler geprägt ist.

Das Projekt entstand auf der Grundlage einer sorgfältigen Analyse des Gebäudes. Die Architekten haben sich intensiv mit seiner Geschichte, seinen Proportionen und den Details auseinandergesetzt, die fast ein Jahrhundert überdauert haben. Genau diese Elemente bildeten die Grundlage für eine zeitgenössische Interpretation des Modernismus – ein Ansatz, der es ermöglichte, die Kontinuität des Ortes zu bewahren und ihm zugleich eine zeitgemäße Dimension zu verleihen.

Der modernistische Bodenbelag

Die wichtigste Entdeckung während der Arbeiten war der originale Betonboden in einem intensiven Rotton. Diese Art der Oberflächenbehandlung war charakteristisch für modernistische Bauwerke der 1930er Jahre, und ihre Freilegung wurde zur zentralen Inspiration für das gesamte Projekt. Aus dieser Farbe sowie aus dem historischen Namen der Stadt – Breslau – leitet sich der Name der Wohnung „BreslauRed“ ab.

Die Designer beschlossen, alle erhaltenen Elemente der Bausubstanz hervorzuheben. Die Türrahmen wurden restauriert, und die gusseisernen Heizkörper wurden renoviert und in tiefe, satte Farbtöne gestrichen, die an die Entstehungszeit des Mietshauses anknüpfen. Dadurch gewannen die Details an Ausdruckskraft, und der Innenraum steht nun im Einklang mit der modernistischen Tradition des Ortes.

Neue funktionale Aufteilung

Obwohl die Geschichte des Gebäudes für die Planer ein wichtiger Bezugspunkt war, erwies sich die Anpassung der Räume an die heutigen Bedürfnisse der Bewohner als ebenso wichtig. Es wurde eine Neuordnung der funktionalen Aufteilung vorgenommen – die Lage der Küchenzeile wurde verändert, wodurch ein vollwertiges Schlafzimmer abgetrennt und gleichzeitig die Geräumigkeit des Wohnbereichs bewahrt werden konnte. Dies ist ein Beispiel für bewusste Gestaltung, bei der Vergangenheit und Gegenwart ein harmonisches Ganzes bilden.

Die neuen Elemente dominieren die historischen nicht, sondern bilden mit ihnen ein komplementäres Ganzes. Moderne technische Lösungen, langlebige Materialien und eine durchdachte Raumaufteilung sorgen für Komfort im Alltag und stehen dabei im Dialog mit dem architektonischen Erbe des Mietshauses.

Ein Interieur mit Kunst

Das Interieur von BreslauRed zeichnet sich durch die Präsenz von Kunst aus, die ihm einen individuellen und lokalen Kontext verleiht. Im Raum finden sich farbenprächtige Objekte von Roland Grabkowski, Gemälde von Jarosław Grulkowski und Antek Wajda, Fotografien von Adam Markowski sowie Drucke von Marianna Stuhr und Wojciech Fangor. Unter den Gebrauchsgegenständen finden sich Keramiken von Karina Marusińska und Monika Jangrot sowie Möbel, die von mit Breslau verbundenen Designern entworfen wurden.

Besondere Aufmerksamkeit erregt eine monumentale Brotscheibe, die an der Wand hängt – eine Skulptur des Breslauer Künstlers Antek Wajda. Dieses ungewöhnliche Objekt bringt einen Hauch von Humor und verspielter Leichtigkeit in den Raum und unterstreicht zugleich die Rolle der Kunst als vollwertiger Bestandteil der Raumgestaltung.

Eine zeitgenössische Interpretation der Geschichte

Das Ergebnis der Arbeit der Designer ist ein Raum, der die Verwurzelung in der Geschichte des Ortes mit der Freiheit des zeitgenössischen Lebensstils verbindet. Die Wohnung „BreslauRed“ zeigt, dass das modernistische Erbe neu interpretiert werden kann – durch Materialien, Proportionen, Kunst und bewusste gestalterische Entscheidungen. Dies ist ein weiteres Kapitel der Geschichte, die in den Mauern des Breslauer Mietshauses geschrieben steht – verfasst mit Respekt vor der Vergangenheit und mit Blick auf den Alltag seiner Bewohner.

Entwurf: Szymon Hanczar, Kinga Dżugan (pandom.in)

Fotos: Archiv des Studios

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