Diego Delso, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Mitoraj in Pompeji. Die Skulptur „Centauro” steht inmitten der Ruinen der Stadt.

Im Forum von Pompeji kann man die Skulptur „Centauro” unseres Landsmanns Igor Mitoraj bewundern. Die bronzerne Figur des Zentauren wurde vor 10 Jahren als Teil einer größeren Ausstellung des Künstlers an diesem Ort aufgestellt. Nach Ende der Ausstellung wurden die anderen Skulpturen entfernt, während „Centauro” und „Dedal” als fester Bestandteil der Ausstellung inmitten der fast 2000 Jahre alten Ruinen verblieben. 

„Centauro” in Pompeji

„Centauro” stellt eine aus der griechischen Mythologie bekannte Figur dar, die einen menschlichen Oberkörper hat, der aus dem Rumpf eines Pferdes wächst. Mitoraj hat sie hier in einer Skulptur mit deutlich monumentalen Proportionen dargestellt. Der untere Teil der Figur ruht auf drei Pferdebeinen, während die allgemeine Anatomie des Tieres vereinfacht wurde. Der obere Teil des Körpers hat die Form eines fragmentarischen Torsos und Kopfes, in denen absichtliche Lücken und Deformationen sichtbar sind. Die Oberfläche der Bronze ist uneben, mit ausgeprägter Textur und Patina, wodurch die Skulptur den Eindruck einer alten, aus den Ruinen von Pompeji ausgegrabenen Skulptur vermittelt.

Eine Skulptur, die aus den Ruinen erwächst

Ein nicht weniger wichtiges Element von „Centauro” ist sein aufwendiger Sockel, der als eigenständiger Teil der Komposition entworfen wurde. Er hat die Form eines massiven Bronzeblocks in Form eines Sarkophags, dessen Seitenwände mit Reliefs von menschlichen Büsten mit verdeckten Augen bedeckt sind. Ihre Darstellungen sind unvollständig und größtenteils ohne individuelle Merkmale. Die Anordnung der Reliefs bildet keine historische Erzählung, sondern erinnert an die allgemeine Präsenz und Erinnerung des Menschen. Der Kontrast zwischen dem statischen Gewicht des Sockels und der Silhouette des Zentauren verstärkt den Eindruck, dass die Figur aus den Ruinen der Stadt emporwächst.

Diego Delso, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Schichtkonstruktion von „Centauro”

Unter dem Bauch des Zentauren befindet sich ein weiterer menschlicher Torso, diesmal ohne Kopf und Gliedmaßen. Das Objekt liegt horizontal, als würde es vom Gewicht der darüber liegenden Figur erdrückt. Es wird von zwei kleinen Gesichtern begleitet, darunter eines mit Flügeln. Die Anatomie des Torsos ist skizziert, aber bewusst nicht idealisiert, und die unebene Oberfläche erinnert an einen aus der Erde ausgegrabenen Gegenstand. In Pompeji wird dieses Motiv mit der plötzlichen Unterbrechung der menschlichen Präsenz und dem Schicksal Tausender antiker Skulpturen assoziiert, die heute hauptsächlich in Fragmenten bekannt sind. Über dem gesamten Werk „Centauro” thront eine Art Speer, der in den Boden gerammt ist.

Igor Mitoraj und sein geliebtes Italien

Die Verbindung von Igor Mitoraj (1944-2014) zu Italien war für sein Schaffen von großer Bedeutung. Der Künstler arbeitete und lebte viele Jahre in Pietrasanta in der Toskana, in unmittelbarer Nähe von Steinbrüchen und Gießereien, die seit Jahrhunderten Bildhauer anzogen. Seine Faszination für die Antike, griechische und römische Skulpturen und die Ästhetik von Ruinen fand Ausdruck in seiner ausgereiften Sprache der Schöpfung. Die Ausstellung „Mitoraj in Pompeji” wurde in den Jahren 2016-2017 gezeigt und umfasste 30 Objekte, die an verschiedenen Stellen der antiken Stadt aufgestellt waren. Durch das Belassen des „Zentaur” wurde dieser zu einem festen Bestandteil der hiesigen Landschaft und erinnert an die dauerhafte Beziehung des Künstlers zur italienischen Kultur und zum antiken Erbe. Die Skulptur steht auf dem Forum, dem Hauptplatz der Stadt. Dieser war vor dem Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. das Herzstück des öffentlichen, politischen und religiösen Lebens in Pompeji.

Quelle: pompeiisites.org

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