In einer 68 m² großen Wohnung in Warschau beschloss die Designerin Vera Proharava, sich mit den typischen Einschränkungen von Gebäuden aus den 70er Jahren auseinanderzusetzen – niedrige Decken und ein Mangel an natürlichem Licht. Anstatt zu versuchen, diese zu kaschieren, nutzte sie sie als Ausgangspunkt für die Schaffung eines Raumes, der vor Farben und Energie nur so sprüht. Auf diese Weise hielt Mondrian Einzug in diesen kleinen Raum.
Die Kunden träumten von intensiven Farben, was – wie die Designerin betont – in Polen äußerst selten vorkommt. Gerade diese Offenheit für mutige Lösungen ermöglichte es ihr, sich von Piet Mondrians Werk inspirieren zu lassen und es in die Sprache der modernen Innenarchitektur zu übersetzen.
Das deutlichste Beispiel für diese Inspiration ist die Küche, wo eine der Wände wie eine Leinwand behandelt wurde. Die Designerin malte darauf abstrakte Kompositionen im Stil Mondrians, wobei sie mit einfachen Linien und Farbblöcken arbeitete. Die charakteristische Farbpalette (Gelb-, Rot-, Blau- und Schwarztöne) wurde durch Küchenschränke in einem lachsfarbenen Ton ergänzt. Die gleiche Farbe findet sich auch in den Schränken im Flur wieder, wodurch beide Bereiche optisch miteinander verbunden werden und die Wohnung einen einheitlichen visuellen Rhythmus erhält.
Mondrianistische Geometrie im Alltag
Die gemeinsame Grundlage für den gesamten Raum ist der Boden mit Schachbrettmuster. Dies ist eine Anspielung auf die Ästhetik der 70er Jahre, aber auch eine praktische Maßnahme – der geometrische Bodenbelag verstärkt den Effekt der „Aufteilung” des Raumes, wodurch die Wohnung nicht mehr wie eine enge Box wirkt. In Kombination mit den gestrichenen Wänden entsteht eine Komposition, die nicht nur dekorativ ist, sondern auch die Wahrnehmung des Innenraums prägt.
Private Farben und neutraler Hintergrund
In den privaten Bereichen setzt die Designerin ihre Arbeit mit Farbe fort, wenn auch in einer gedämpfteren Form. Das Schlafzimmer wurde in Olivtönen gehalten, die Ruhe und Weichheit vermitteln. Das Kinderzimmer hingegen erhielt gedämpfte korallenrote Wände – warm, aber nicht übertrieben, die sowohl zum Spielen als auch zur Entspannung einladen.

Das Wohnzimmer, das als Gemeinschaftsraum und Arbeitsbereich dient, erhielt einen neutralen, hellen Hintergrund. Dadurch kommen die Möbel mit blau-hellblauer Polsterung und die farbenfrohen dekorativen Akzente besser zur Geltung, und das Gesamtbild bleibt trotz der intensiven Farbpalette harmonisch. Gerade in dieser Ausgewogenheit liegt die größte Stärke des Entwurfs.
Obwohl das Budget gering und die Umsetzungszeit kurz war, schuf Proharava ein Interieur, das nicht nur den Bedürfnissen der Bewohner entspricht, sondern auch Mondrians modernistische Ideen mutig interpretiert. Dadurch wird die Wohnung weniger zu einer Ansammlung von Räumen als vielmehr zu einer farbenfrohen Komposition.
Entwurf: VeraProharava
Fotos: EgorPiaskovsky
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