Museum der Weltkulturen in Posen. So haben sie die Ausstellung gestaltet

Die Dauerausstellung des Museums der Weltkulturen, einer Abteilung des Nationalmuseums in Posen, ist ein Beispiel für eine durchdachte und konsequente Projektarbeit, bei der die Architekten von Koza Nostra Studio das Potenzial des Museumsgebäudes selbst, einer Freimaurerloge aus dem 19. Jahrhundert, nutzten, ohne dessen Charakter zu verändern, und ihm gleichzeitig eine zeitgemäße Funktion verliehen. Das Ganze wurde so konzipiert, dass es den Besucher durch unterschiedliche Erzählungen und Materialien führt und dennoch eine einheitliche, verständliche Geschichte über die Vielfalt der Kulturen erzählt.

Ende Oktober 2025 hat das Nationalmuseum in Posen offiziell das Museum der Weltkulturen eröffnet. Die Besucher können dort zwei Dauerausstellungen sehen: „Kreationen. Maßgeschneiderte Trachten” und „EXotica?”. Das sind über 600 Artefakte und unzählige Geschichten, die sich zwischen Großpolen, Europa und fernen Regionen wie Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien erstrecken.

Der Eingangsbereich dient als erster Kontaktpunkt mit dem Museum und signalisiert sofort dessen globalen Charakter. Das zentrale Element ist eine multimediale Weltkarte, die einen dynamischen Hintergrund für die weitere Besichtigung bildet. Die Architekten haben hier Blech, Plexiglas mit opalisierender Folie, Strukturputz und LED-Beleuchtung zu einer Installation unter der Decke kombiniert. Diese Materialien schaffen eine moderne, leicht futuristische Atmosphäre, die im Kontrast zur historischen Architektur des Gebäudes steht.

In der Rezeption befindet sich auch ein funktionaler Laden, der so gestaltet ist, dass er den Raum nicht dominiert, sondern harmonisch ergänzt. Das Ganze fungiert als Vorraum zu zwei unterschiedlichen Dauerausstellungen, die das Thema des Museums weiterentwickeln.

Volkskunst

Die erste Dauerausstellung erstreckt sich über zwei Räume, von denen jeder seinen eigenen Charakter und seine eigene visuelle Erzählung hat. Der erste Raum wurde als Schneideratelier gestaltet. Der Besucher findet hier einen Tisch mit zahlreichen Schubladen, eine Schneiderpuppe und ein Zeichenbrett vor. Der Raum erinnert an den Arbeitsplatz eines Designers, an dem Skizzen und Prototypen entstehen. Dies ist ein bewusster Verweis auf den kreativen Prozess, der der Entstehung eines Trachtenkleides vorausgeht. Der zweite Raum präsentiert fertige Kreationen. Die Architekten haben hier einen sogenannten Catwalk und über dem Boden schwebende Mannequins eingeführt, was der Ausstellung Leichtigkeit und Theatralik verleiht. Den Hintergrund bildet die Frühlingsnatur – Rosenblätter und Blumen, die eine zarte, fast poetische Kulisse bilden. Die Ausstellung zeigt nicht nur die Trachten, sondern betont auch ihre Symbolik und ihre Verbindung zur Natur.

EXotica?

Auf der nächsten Etage befindet sich die Ausstellung EXotica?, die eine reichhaltige Sammlung von Exponaten aus verschiedenen Teilen der Welt präsentiert. Jedes Objekt wurde in den Kontext seines Herkunftsortes gestellt, um Vereinfachungen und Stereotypen zu vermeiden.

Die Raumgestaltung ist abstrakter als im vorherigen Teil. Grüne Stäbe, die im Raum aufgehängt sind, suggerieren das Dickicht des Dschungels, und die dynamische Anordnung der Exponate – wie Speere, die auf den Besucher gerichtet sind – verstärkt den Eindruck von Intensität und Bewegung. Dies soll den Betrachter dazu anregen, über seine Sichtweise auf andere Kulturen und die Geschichte des Sammelns nachzudenken.

Kohärenz in der Vielfalt

Obwohl jeder Teil der Ausstellung andere Materialien, Farben und künstlerische Bezüge verwendet, bleibt das Gesamtbild stimmig. Die Architekten von Koza Nostra Studio nutzten Kontraste – zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen Subtilität und Ausdruck –, um ein Interieur zu schaffen, das nicht nur Objekte präsentiert, sondern auch ein Erlebnis schafft.

Entwurf: Koza NostraStudio

Fotos: ONI

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