Im Museum der Stadt Kołobrzeg fand eine Pressekonferenz statt, die einer der wichtigsten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahre gewidmet war. Thema des Treffens, das am 13. Juni 2025 stattfand, war eine Steinfigur einer Frau aus der Jungsteinzeit, die im Stadtteil Podczele gefunden wurde. An der Veranstaltung nahmen Vertreter der Stadtverwaltung, Forscher und andere an dem Fund Interessierte teil. Die „Venus von Kołobrzeg“, wie das Artefakt genannt wurde, ist eines der ältesten Relikte Westpommerns
Ein einzigartiges Denkmal aus der Jungsteinzeit
Im Jahr 2022 wurde in der Nähe des Podczele von Kołobrzeg eine ungewöhnliche Steinfigur gefunden. Der Fund wurde Waldemar Sadowski, einem Mitglied der Parsęta-Forschungsgruppe der Gesellschaft der Freunde des Polnischen Waffenmuseums in Kołobrzeg, übergeben. Ein Jahr später übergab der Vorsitzende der Gruppe, Jan Orliński, die Figur dem Archäologen Marcin Krzepkowski von der Stiftung Relicta. Der Spezialist bestätigte den außergewöhnlichen Charakter des Objekts. Daraufhin wurden die Konservierungsdienste und die Leitung des Polnischen Waffenmuseums in Kołobrzeg über den Fund informiert.

Forschungsarbeiten und Zukunftspläne
Die Reliquie wurde einem von Marcin Krzepkowski koordinierten Forschungsteam übergeben. Die Figur soll in die Sammlung des Polnischen Waffenmuseums aufgenommen werden, und derzeit laufen die Vorbereitungen für eine Änderung der Dauerausstellung in einer Außenstelle des Museums der Stadt Kołobrzeg. Das Ziel der neuen Ausstellung ist es, Artefakte aus der ältesten Geschichte der Region zu präsentieren. Die Venus von Kołobrzeg, so der Name des Fundes, soll dabei als eines der ältesten Relikte Westpommerns einen zentralen Platz einnehmen.
DieVenus von Kolobrzeg – Merkmale derFigurine
Die aus beigem Kalkstein gefertigte Figur ist etwa 12 cm hoch und stammt aus dem Neolithikum. Ihre Oberfläche ist mit Fragmenten von Muscheln und Polychaetenröhren bedeckt. Der Fund zeigt eine vereinfachte Frauenfigur mit massigem Körper und deutlich ausgeprägten Geschlechtsmerkmalen. Der Oberkörper und der Kopf sind im Verhältnis zu den kurzen Beinen verkleinert. Der Autor der Figur hat die Schultern kaum umrissen, das Gesicht ist detaillos, die Brüste sind bedeckt und die Arme an den Ellbogen angewinkelt. Die Rückseite des Körpers weist Bearbeitungsspuren auf, die wahrscheinlich mit einem harten Werkzeug ausgeführt wurden. Die Oberfläche der Figur weist auch Spuren von Glättung auf, insbesondere um die Brüste und die Hüften, was auf ihre Verwendung hinweisen könnte. Der Rücken der Figur ist fast flach, was darauf hindeutet, dass das Objekt vertikal aufgestellt oder an einer Oberfläche befestigt wurde.

Archäologische Bedeutung
Stilisierte Darstellungen menschlicher Figuren dieser Art sind von neolithischen Fundstätten aus dem 6. und 5. Jahrtausend v. Chr. bekannt, vor allem in Gebieten in Südosteuropa und Anatolien. Die Figuren waren in der Regel aus Ton, seltener aus Stein gefertigt. Die Venus von Kołobrzeg ist ein einzigartiger Fund in Polen und hat derzeit keine direkten Entsprechungen in diesem Teil Europas. Diese Art von Artefakten wird als Symbol für Weiblichkeit und Fruchtbarkeit gedeutet, das oft mit rituellen Praktiken verbunden ist. Ihre Form zeugt von der hohen Kunstfertigkeit ihrer Hersteller. Die Figur aus Kołobrzeg weist trotz ihrer vereinfachten Form deutliche künstlerische Qualitäten auf.
Die Venus von Kołobrzeg und ihre weitereAnalyse
Das Objekt wird derzeit von einem interdisziplinären wissenschaftlichen Team untersucht. Daran beteiligt sind unter anderem Dr. Iwona Sobkowiak-Tabaka von der Fakultät für Archäologie der Adam-Mickiewicz-Universität, Dr. Grzegorz Szczurek von der Universität Kalisz, Dr. Barbara Studencka vom Erdmuseum der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Dr. Aldona Kurzawska von der Adam-Mickiewicz-Universität und Dr. Agata Hałuszko von der Maria-Curie-Skłodowska-Universität. Das Team führt derzeit detaillierte Analysen des Rohmaterials und der Technologie durch, die zur Herstellung des Denkmals verwendet wurden. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden bald bekannt sein.
Quelle: Museum der polnischen Waffen in Kołobrzeg
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