Ein Reihenhaus im Prager Stadtteil Břevnov hat ein neues Aussehen erhalten. Die Neugestaltung wurde von Mimosa Architects vorbereitet. Die wertvollsten modernistischen Elemente, die dem Gebäude seinen Charakter verleihen, wurden beibehalten. Das eklektische Interieur zeichnet sich durch die weiße Farbgebung der Wände aus, die den Raum größer erscheinen lässt.
Das ursprünglich in den 1950er Jahren errichtete Gebäude hat bereits eine große Metamorphose hinter sich: Im Jahr 2000 wurde es nach einem Entwurf von ADR an die Bedürfnisse einer Familie mit drei Kindern angepasst. Die jetzige Umgestaltung ist das nächste Kapitel: Das Haus sollte ein komfortabler, zeitgemäßer Ort für ein Ehepaar werden, gleichzeitig aber auch ein Raum bleiben, der für geliebte Menschen offen ist, die immer wieder zurückkommen.
Von außen lässt sich das Ausmaß der Veränderungen nur schwer erahnen. Am augenfälligsten ist die neue Form des zweiten Stockwerks: Eine breite Gaube mit rahmenloser Verglasung hat zwei kleine Fenster ersetzt und öffnet den Innenraum zum Garten und zum Licht. Der Rest der Umgestaltung verbirgt sich hinter der ruhigen, gedämpften Fassade, deren Charakter durch eine subtile Farbpalette und die Gegenüberstellung von zwei Putzarten – einem feinkörnigen und einem groben mit einem Schauer aus Steinaggregat – gemildert wurde. Alle Fenster wurden ebenfalls ausgetauscht, wobei die historisierende Aufteilung zugunsten moderner, präziser Details aufgegeben wurde. Eichenholzrahmen mit Glasauflagen, rahmenlose Verglasungen und Fenster aus weiß gekalkter Fichte schaffen einen diskreten Dialog zwischen dem Neuen und dem Bewahrten.
Die größte Revolution hat jedoch im Inneren stattgefunden. Die untere Ebene, die bisher dunkel und beengt war, wurde durch einen vergrößerten Eingang, Glastüren und die Entfernung der abgehängten Decken geöffnet. Der Wechsel von Materialien und Farben hat den Raum hell, klar und einladend gemacht. Das Erdgeschoss, das direkt mit dem Garten verbunden ist, beherbergt nun das Hauptleben des Hauses: das Wohnzimmer, die Küche mit Essbereich und das Schlafzimmer der Eigentümer. Hier wurde dank einer präzisen Verschiebung und Verengung der Gartenöffnung Platz für ein eigenes Bad geschaffen.
Im ersten Stock, wo sich früher die Kinderzimmer befanden, wurde ein multifunktionales Wohnzimmer geschaffen – ein Raum für Familienfeiern, ein Heimkino und ein Gästezimmer in einem. Auch die Bäder und ein zusätzliches Zimmer wurden umgestaltet, und das Dachgeschoss wurde so eingerichtet, dass Gäste längere Zeit bleiben können, ohne die Intimität der Gastgeber zu verlieren. Der gesamte Grundriss dieser Etage, einschließlich des Badezimmers, wurde von Grund auf neu gestaltet.
Das Innere des Hauses wurde fast vollständig umgestaltet, wobei Elemente, die an frühere Jahrzehnte erinnerten, beibehalten wurden. Das Geländer aus verzinktem Stahl, das die Haupt- und Nebentreppe miteinander verbindet, erhielt einen unverwechselbaren, etwas „ungelobten“ Charakter. Die ursprünglichen Parkettböden und Metallsockelleisten wurden erneuert und aufgefrischt. Die Wände wurden in sanften Weiß- und Grautönen gehalten, um einen neutralen Hintergrund für die Kunst zu schaffen. In ausgewählten Bereichen wurde Sperrholz in Naturtönen verlegt, um Wärme und Rhythmus zu erzeugen. Die Bäder wurden von Grund auf neu gestaltet: monumentale 3×1 m große weiße Paneele wurden mit Terrazzo und Möbeln aus massiver Eiche kombiniert. Die ursprünglichen Türen mit Oberlichtern wurden renoviert und neue Türen mit einem verdeckten Rahmensystem angefertigt.

Das Wichtigste ist jedoch, dass das Haus keine Design-Show ist, sondern eine Geschichte über Menschen. Jedes Objekt hier hat einen Autor, eine Geschichte, ein emotionales Gewicht. Der Herd im Wohnzimmer wurde von einem Freund der Eigentümer, Jurgen Rajh, hergestellt. Die Massivholzmöbel wurden in der Werkstatt ihres Sohnes Jacob hergestellt. Auf dem Herd ruht eine Glasskulptur von Dana Vachtova, einer weiteren engen Freundin. Die Textilien wurden von der Besitzerin selbst genäht, und zwar aus Wolle, die sie aus Schottland mitgebracht hat. Die Lampen über dem Tisch wurden auf einem dänischen Flohmarkt gefunden. Selbst die Betonplatten auf der Terrasse stammen von einer Betonmischanlage in der Nähe der Schnapsbrennerei in Javornice, einem wichtigen Ort für die Gastgeber. Wie schon beim ersten Umbau wurden auch jetzt befreundete Architekten in den Prozess einbezogen. Jeder Zentimeter des Hauses ist aus Beziehungen, Erinnerungen, Impulsen und rationalen Entscheidungen gewoben.
Dieses Interieur hat nicht den Anspruch, ein Museum oder eine Zeitkapsel zu sein. Es ist ein lebendiges Archiv – nicht von Dingen, sondern von Menschen. Ein Haus, das mit seinen Bewohnern aufgewachsen ist, ist nicht in der Vergangenheit stehen geblieben. Es hat sich für die nächste Etappe geöffnet, in der Nähe, Licht und das tägliche Leben das Wichtigste sind. Und gerade deshalb ist es so angenehm zu bewohnen.
entwurf: Mimosa Architects, www.mimosa.cz
fotos: Petr Polák, petrpolakstudio.cz
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