Das Studio ADEPT hat einen internationalen Wettbewerb zur Umgestaltung des ehemaligen Karstadt-Kaufhauses in Braunschweig gewonnen. Das im historischen Stadtzentrum gelegene Gebäude soll zum Haus der Musik umgestaltet werden. Das Projekt umfasst die Schaffung eines 18.000 m² großen multifunktionalen Raums mit einem Konzertsaal, einer öffentlichen Musikschule und öffentlich zugänglichen Räumen für die Bewohner.
Anpassung statt Abriss
Das Karstadt Gewandhaus ist ein Kaufhaus in der Poststraße 4-5 in Braunschweig. Es wurde auf den Trümmern historischer Häuser errichtet, die während des Zweiten Weltkriegs im Bombenhagel untergingen. Entworfen wurde das Gebäude von dem Architekten Gottfried Böhm und seiner Frau Elisabeth. Das 1978 eröffnete Gebäude wurde 2021 aufgrund von Insolvenz geschlossen. Seitdem steht es leer. Anstatt es abzureißen, schlugen die Architekten vor, die Struktur des Gebäudes wieder zu verwenden und dabei die Kaskadenform der Schindelfassade beizubehalten. Auf dem bestehenden Gebäude wurde ein Konzertsaal eingerichtet, und die Musikschule wird direkt von der Straße aus zugänglich sein. Ein Ort, der von den Bewohnern mit Kommerz assoziiert wird, wird in einen kulturellen Raum mit urbaner Kontinuität umgewandelt.
„Das Haus der Musik ist ein Traumprojekt – nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch, weil es uns erlaubt, alles zu verbinden, was uns wichtig ist: Transformation, Nachhaltigkeit und sozialen und urbanen Wert“, sagt Martin Krogh, Mitbegründer des Projekts – sagt Martin Krogh, Mitbegründer von ADEPT. „Dies ist das größte Projekt in der Geschichte unseres Büros und zweifellos eines der bedeutendsten.“

Neue Räume im Haus der Musik
Das Herzstück des Projekts ist der so genannte Dritte Ort. Er ist ein offener und flexibler Raum, der zu einem neuen Ort der sozialen Integration und Aktivität werden soll. Er wird eine Aufführungs-, Lern- und Begegnungszone umfassen, die einen Eingangsbereich, eine Musikschule und einen Konzertsaal vereint. Das Bildungsprogramm wird in die Struktur des Gebäudes integriert, um einen Rhythmus der täglichen Aktivitäten zu gewährleisten, vom Lernen bis zu informellen Treffen. Im Untergeschoss ist der Klangkeller geplant, ein Raum für experimentelle Klänge und alternative Musikveranstaltungen. Der Konzertsaal wird in den oberen Stockwerken untergebracht, um den Eingriff in die bestehenden Fundamente zu begrenzen. Er ist als klassischer Schuhkarton konzipiert, wobei der Schwerpunkt auf Akustik und Intimität liegt und schallreflektierende Wand- und Deckenpaneele verwendet werden. Durch verstellbare Elemente können die akustischen Bedingungen an die Art der Veranstaltung angepasst werden. Das Auditorium wird sich über das Erdgeschoss und die Balkone erstrecken, wobei sich die Proberäume und technischen Einrichtungen neben dem Auditorium befinden. Das Foyer wird von einer Panoramaterrasse mit Blick auf die Stadt umgeben sein.
Ein Kulturzentrum im Herzen der Stadt
Das Haus der Musik wird ein neues kulturelles Zentrum in der Braunschweiger Innenstadt werden. Das Gebäude liegt an einer der Hauptfußgängerstraßen und verbindet zwei wichtige Plätze der Stadt, den Altstadtmarkt und den Kohlmarkt. Das verglaste Erdgeschoss, die offenen Terrassen und Lobbys sollen die Integration in den öffentlichen Raum ermöglichen. Der Entwurf respektiert den Maßstab und den Rhythmus des historischen Gebäudes und bringt gleichzeitig neue Energie und Funktion ein. Die abgestufte Gebäudeform und die rhythmische Fassade sollen sich in den städtischen Kontext einfügen und gleichzeitig die neue Rolle des Gebäudes markieren. Ein wichtiges Element des Entwurfs ist die neue Fassade, die den ursprünglichen Rhythmus der Karstadt-Warenhausfassade aufgreift, ihr aber einen skulpturalen, modernen Charakter verleiht. Die kaskadenförmig angeordneten Elemente sollen ein Spiel von Licht und Schatten erzeugen und einen visuellen Kontakt mit dem Innenraum herstellen. Das verglaste Erdgeschoss bringt den öffentlichen Raum näher an das Innere heran. Das warme Holz und die strukturelle Form der Fassaden nehmen Bezug auf die lokale Architektur, einschließlich der traditionellen Dächer von Braunschweig. Das neue Volumen überschreitet die historischen Brüstungslinien nicht, so dass es die Stadtsilhouette nicht stört.
Karstadt-Warenhaus heute und in Zukunft
Das Haus der Musik – das neue Leben von Karstadt
Der Entwurf sieht vor, die vorhandene Gebäudestruktur voll auszunutzen. Das Hauptraster und der Kommunikationskern werden beibehalten, wodurch die mit einem Abriss verbundenen Emissionen vermieden werden. Der neue Konzertsaal wird in Stahl- und Holzleichtbauweise errichtet. Durch den Einbau von vorgefertigten CLT-Elementen soll die Bauzeit verkürzt und auch die Emissionen reduziert werden. Das Gebäude wird außerdem von Fernwärme, Photovoltaikanlagen, passiven Kühlstrategien und intelligenter Belüftung profitieren. Wassersparende Systeme und eine dezentrale Heizung sollen den Energieverbrauch senken.
Nach Ansicht der Wettbewerbsjury verbindet der siegreiche Vorschlag des Studios ADEPT erfolgreich die Bewahrung der Idee eines bestehenden Blocks mit dessen Umgestaltung und innovativer Interpretation. Obwohl das Konzept nicht offensichtlich erscheint, wurde es für treffend und überzeugend befunden. Das Haus der Musik hat das Potenzial, eine neue Ikone Braunschweigs zu werden.
Entwurf: ADEPT
Visualisierungen: Aesthetica Studio
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