„Palimpsest des Wassers“: ein neuer Brunnen auf dem Krakauer Marktplatz

Der Hauptmarkt in Krakau wird durch einen neuen Brunnen verschönert. Am 9. Juni 2026 wurde der Architekturwettbewerb entschieden, bei dem das Konzept „Palimpsest des Wassers“ den Zuschlag erhielt. Es wurde von Michał Gdak in Zusammenarbeit mit Ewelina Gdak entworfen. Ihr Entwurf wird den bisherigen Brunnen „Kryształ“ ersetzen.

Wettbewerb für den Krakauer Brunnen

Den Architekturwettbewerb gewann der Entwurf von Michał Gdak in Zusammenarbeit mit Ewelina Gdak, die das Gdak Studio aus Kielce vertreten. Den zweiten Preis erhielt das Büro DDL Architekci, den dritten Dominik Przygodzki. Die Jury bewertete drei Finalentwürfe, die aus 28 Einsendungen ausgewählt worden waren. In der Begründung wurde die Art und Weise hervorgehoben, wie die Geschichte der Stadt durch die Erzählung der hydrologischen Schichten der Karten interpretiert wird, sowie der Versuch, die Kartografie in ein räumliches Erlebnis zu verwandeln, das den Nutzern des Krakauer Marktplatzes zugänglich ist.

„Palimpsest des Wassers“ – ein neuer Brunnen auf dem Krakauer Marktplatz

Das Siegerkonzept präsentiert eine skulpturale Plattform mit den Maßen 10 × 10 Meter, deren zentraler Teil aus patiniertem Bronze mit einer Fläche von 5 × 5 Metern besteht und in eine Umgebung aus Granitstein eingebettet ist. Das Wasser bildet hier keine klassischen Ströme, sondern ergießt sich über eine unregelmäßige, wellige Oberfläche und fließt in dünnen Schichten und kleinen Kaskaden in ein flaches Becken. Das Projekt von Michał Gdak greift die Idee des Palimpsests auf, also eines mehrfach beschrifteten und abgetragenen Textes, dessen frühere Schichten teilweise sichtbar bleiben. In dieser Sichtweise ist Krakau eine Aufzeichnung der aufeinanderfolgenden Veränderungen in der Hydrologie des Weichsel-Systems und der ehemaligen Wasserläufe. Anschließend wurde dies auf ein Relief aus Bronze übertragen, das aus der Überlagerung historischer Karten entstand.

Der Brunnen heute und in Zukunft. Foto: Milosz B., CC BY 3.0, via Wikimedia Commons und Gdak Studio

Form, Material und Realisierungskosten

Die Autoren wollten kein weiteres langweiliges Objekt entwerfen. In ihrem Konzept entschieden sie sich für eine horizontale Komposition, die an einen Teil des Geländes erinnert. Das Spektakel soll hier die Bewegung des Wassers auf der wellenförmigen Fläche und das Geräusch sein, das durch seinen Fluss entsteht. „Palimpsest des Wassers“ wird den derzeitigen Brunnen „Kryształ“ ersetzen, der sich zwischen den Tuchhallen und der Marienkirche befindet. Dies ist einer der am stärksten geschützten städtischen Räume in Polen. Die Kosten des Projekts werden auf 4,5 Mio. PLN brutto geschätzt, wobei die Vergütung für die Projektdokumentation und die Bauaufsicht 500.000 PLN brutto nicht überschreiten soll. Die Fertigstellung der Bauarbeiten ist für Ende 2027 geplant.

Von der „Zin-Bank“ zum „Palimpsest des Wassers“

Die Geschichte des Springbrunnens vor der Marienkirche reicht bis in die 1960er Jahre zurück. Damals entstand an dieser Stelle der modernistische Brunnen von Prof. Wiktor Zin, im Volksmund „Zins Sofa“ genannt. Es handelte sich um eine niedrige Komposition aus Granitbecken, die bis 2005 auf dem Marktplatz stand, bis sie im Zusammenhang mit dem Umbau und den Arbeiten an der unterirdischen Museumsroute demontiert wurde. Nach der Restaurierung wurde sie in den Anna-und-Erazm-Jerzmanowski-Park verlegt. Im Jahr 2010 ersetzte sie der „Kristall“, eine mit LED-Beleuchtung ausgestattete Glas-Stahl-Konstruktion, die im Rahmen eines Wettbewerbs aus dem Jahr 2008 entworfen wurde. Die Installation ermöglichte zudem einen visuellen Kontakt zur Ausstellung im Untergrund des Marktplatzes. Mit der Zeit traten jedoch Probleme hinsichtlich der Instandhaltung und Leistungsfähigkeit auf, weshalb die Anlage 2023 außer Betrieb genommen wurde und man über einen Nachfolger für „Kryształ“ nachdachte. „Palimpsest des Wassers“ wird das nächste Kapitel in der 60-jährigen Geschichte dieses Teils von Krakau sein.

Entwurf: michalgdak.com

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