Polnische Architekten unter den Top 5 des Wettbewerbs für den Entwurf einer Toilette am Gropius House

Das Projekt von Monika Puchała und Tomasz Sachanowicz vom Architekturbüro s.lab architektura in Stettin hat es ins Finale des Wettbewerbs „A Bauhaus Bathroom: Design Competition for a Public Restroom at Gropius House“ in den Vereinigten Staaten geschafft. Die Jury wählte ihr Konzept als eines der fünf besten unter mehr als 280 Einsendungen aus über 40 Ländern und sechs Kontinenten aus. Dies ist ein bedeutender Erfolg für die polnischen Architekten, die sich einer Aufgabe stellten, die sowohl Sensibilität für den historischen Kontext als auch die Fähigkeit zur Umsetzung der Bauhaus-Ideen erforderte.

Der Wettbewerb betraf die Gestaltung einer öffentlichen Toilette auf dem Gelände des Gropius House in Lincoln bei Boston – dem modernistischen Wohnhaus von Walter Gropius, dem Gründer des Bauhauses, das in Zusammenarbeit mit Marcel Breuer entworfen wurde. Das Gebäude, das heute als Museum dient, wird von Touristen aus aller Welt besucht, doch auf dem Gelände fehlen nach wie vor feste Sanitäranlagen. Als provisorische Lösung dient eine mobile Toilettenkabine, die neben der Garage aufgestellt ist, in der sich die Rezeption und der Shop befinden. Der Veranstalter des Wettbewerbs, die Institution Historic New England, suchte nach einer dauerhaften, funktionalen und dem modernistischen Erbe des Ortes entsprechenden Lösung.

Das Haus von Walter Gropius, Foto: Konstantin Berdichevsky, wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Hintergrund statt Blickfang

Das Konzept von Monika Puchała und Tomasz Sachanowicz basiert auf der Idee der „harmonischen Integration“. Die Architekten schlugen ein Gebäude vor, das nicht mit der historischen Bebauung konkurriert, sondern diese auf natürliche Weise ergänzt. Von der Vorderseite des Grundstücks aus bleibt es fast unsichtbar, wodurch die Beziehungen zwischen dem Gropius-Haus, der Garage und der umgebenden Landschaft ungestört bleiben.

Als zentraler Bezugspunkt diente ein charakteristisches Element der Landschaft von Massachusetts – Trockenmauern aus Stein, die in der Region seit dem späten 18. Jahrhundert zu finden sind. Sie sind ein materielles Zeugnis der landwirtschaftlichen Vergangenheit und zugleich ein geschütztes Element der lokalen Identität. Auch die Mauer, die das Anwesen von Gropius umgibt, wurde aus lokalem Stein errichtet. Der Entwurf der polnischen Architekten greift dieses Motiv auf: Das neue Objekt wächst aus der bestehenden niedrigen Begrenzungsmauer heraus, steigt allmählich an und bildet eine steinerne Einfassung für die geplanten Toiletten. Durch die Verwendung von lokalem Material und traditioneller Bautechnik wird die Verbindung zum Ort verstärkt.

Das Dach wurde als mit Erde bedeckte Fläche konzipiert, die mit lokalen Grasarten bepflanzt ist, was das Objekt zusätzlich in die Umgebung einfügt und seine visuelle Präsenz mindert.

Funktionalität im Geiste des Bauhaus

Das Projekt erfüllt alle Wettbewerbsanforderungen: Es sind zwei Toiletten vorgesehen, darunter eine, die für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Jeder Raum ist mit einer Toilettenschüssel und einem Waschbecken ausgestattet, und in der kleineren Toilette ist zusätzlich ein Urinal vorgesehen. Entlang der äußeren Steinmauer haben die Architekten eine lange Holzbank platziert, von der aus man einen Blick auf das Gropius-Haus hat – ein praktisches Element, das den Raum strukturiert und einen Ort der Erholung für die Besucher schafft.

Die Innenräume werden durch den für die Wände verwendeten Stein und das durch die Dachfenster einfallende natürliche Licht geprägt. Die Trennwand zwischen den beiden Toiletten besteht aus Edelstahlpaneelen, in denen die Installationen verborgen sind, wodurch die klare Formgebung erhalten bleibt und die Anzahl der sichtbaren Elemente reduziert wird.

Bislang nutzen die Besucher eine mobile Toilette neben dem Souvenirladen in der ehemaligen Garage:

Foto: Magicpiano, wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Internationale Jury und Finalprojekte

Gewinnerin des Wettbewerbs wurde Isabel Strauss, Architektin und Dozentin am Smith College in Northampton. Zu den fünf Finalisten gehörten neben dem Team von s.lab architektura auch: Auyon Bachar aus Los Angeles, Mohsen Laei aus Teheran sowie das Büro Payette aus Boston. Die Ausstellung der Finalprojekte findet im Sommer 2026 im Gropius House statt.

Entwurf: Monika Puchała, Tomasz Sachanowicz / s.lab architektura

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