2021

Polnische Ästhetik in der Praxis. So wurde das Gebäude in Puławy „geschmückt“

Die Galeria Nova in Puławy wurde 2012 nach einem Entwurf von Vertigo Architekci erbaut. Heute wirkt das recht große Gebäude völlig unscheinbar, charakterlos und unterscheidet sich in seiner Ästhetik nicht von anderen Orten dieser Art im Land. Fast jeder Zentimeter der Fassade ist mit grellen Werbebannern bedeckt, mit denen auch die Geländer „geschmückt“ oder die Fenster zugeklebt wurden, und darüber hinaus wurde wahrscheinlich auch der Arkadenbereich verbaut. Einfach ein typisches polnisches visuelles Durcheinander. Wenn man sich jedoch Fotos aus der Zeit der Fertigstellung ansieht, kann man ernsthaft überrascht sein. Unter dieser Masse chaotischer Werbung verbirgt sich eleganter Neomodernismus aus dem zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts.

Galeria Nova in Puławy

Die Galeria Nova in Puławy entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Militäreinheit, in der Nachbarschaft größerer Einkaufszentren an den Straßen Zielona und Fieldorfa „Nila“. Ursprünglich war hier der Bau eines ähnlichen Objekts geplant, doch letztendlich entschied man sich für ein kleineres, dreistöckiges Gebäude von viel intimerer Größe. Die Immobilie beherbergt mehrere Dienstleistungs- und Einzelhandelsgeschäfte. Das weitgehend verglaste Erdgeschoss ist der Hauptanlaufpunkt für Kunden, während die oberen Stockwerke von kleineren Dienstleistungsbetrieben und Gastronomiebetrieben genutzt werden. Das Erscheinungsbild der Galerie wurde durch die spezifische Geländebeschaffenheit vor Ort beeinflusst. Die Architekten haben sie in den Hang integriert, was die Gestaltung von zwei Eingängen auf unterschiedlichen Ebenen ermöglichte. Das Objekt ist somit von zwei Seiten parallel zugänglich, ohne dass ein langer Korridor im Inneren gebaut werden musste. Als Bauunternehmer fungierte die Firma Pin-Bud aus Janowiec.

Das Einkaufszentrum in den Jahren 2012 und 2024

Neomodernismus des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts

Der Baukörper der Galerie weist eine horizontale Anordnung auf und besteht aus recht einfachen, geometrischen Segmenten. Von besonderer Bedeutung für den Charakter des Gebäudes ist das zurückgesetzte oberste Stockwerk, das an die modernistische Idee einer Dachterrasse erinnert und dessen Maßstab zur Straßenseite hin optisch verringert. Die Fassaden wurden mit einer schlichten Material- und Farbpalette gestaltet. Es dominieren Weiß und Grau, kombiniert mit einer holzähnlichen, wärmeren Verkleidung. Große Verglasungen öffnen den Innenraum zur Umgebung hin. Die Komposition der Nova-Galerie basiert auf dem Kontrast der Richtungen. Lange, horizontale Linien werden mit vertikalen Unterteilungen in Form von schmalen Schlitzen und hohen Öffnungen kombiniert. Der Eingang wurde hingegen durch einen tiefen Arkadengang betont. Objektiv betrachtet handelt es sich nicht um herausragende Architektur, doch im Vergleich zu anderen Einkaufszentren, die in unserem Land entstehen, macht sie einen sehr anständigen Eindruck. Oder besser gesagt: machte.

Die Galeria Nova und das Werbchaos

Unmittelbar nach der Inbetriebnahme des Gebäudes, die Ende 2012/Anfang 2013 stattfand, begannen die Mieter, es mit Werbung zu überziehen. Infolgedessen lässt sich der heutige Zustand der Galerie kaum anders bewerten als als eine Verrohung des ursprünglichen Konzepts. Die Werbebanner berücksichtigen in keiner Weise die Gliederung der Fassade, ignorieren Proportionen und Kompositionsregeln. Sie überlagern sich, konkurrieren aggressiv um Aufmerksamkeit und bringen willkürliche Farben und Typografie ins Spiel. Der Effekt ist eindeutig: Die Architektur ist nicht mehr lesbar, und die Idee der Designer geht in diesem unkontrollierten Chaos unter.

2024

Es sei darauf hingewiesen, dass es nicht um das bloße Vorhandensein von Werbung geht, sondern um deren Umfang und die Art der Präsentation. Das Gebäude dient als Einkaufszentrum, und es ist klar, dass die Mieter der einzelnen Ladenlokale sich irgendwie bewerben wollen. Aber hätte man das nicht anders organisieren können? Alle Banner an einem Ort platzieren, ohne eine verdeckende Schicht zu schaffen? Heutzutage wird viel über die Qualität der Architektur geklagt, aber der Löwenanteil dieses Problems besteht darin, dass Gebäude wie Werbeträger behandelt werden. Unsere Städte, Kleinstädte und Dörfer sind derzeit eine visuelle Hölle. Viele der Werbetafeln hängen illegal und verstoßen gegen das Gesetz, doch die Behörden behandeln dies nicht als Priorität. Landschaftsschutzverordnungen versuchen, die allgegenwärtige Werbeflut zu bekämpfen und den Straßenraum zu ordnen, doch das reicht immer noch nicht aus, um das Land von aufdringlichen Bannern zu befreien.

Fotos: Google Maps

Lesen Sie auch:Metamorphose | Architektur in Polen | Wissenswertes | Modernismus | Minimalismus