Der Kraffer-Garten befindet sich in der Stadt Jindřichův Hradec in der Tschechischen Republik in der Nähe des ehemaligen Barockschlosses. Vor kurzem wurden hier neue Grünflächen angelegt und Räume geschaffen, in denen sich alle Bewohner entspannen können. Dies ist ein interessantes Beispiel für die Bereitstellung öffentlicher Räume für die Bewohner mit einer Infrastruktur, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet. Das Gelände steht jetzt auch für kulturelle Aktivitäten zur Verfügung.
Der Kraffer-Garten in Jindřichův Hradec geht auf das 18. Jahrhundert zurück, als er als barocker Schlossgarten diente. Nachdem das nahe gelegene Schloss abgebrannt war, wurde der Garten vom Schloss abgetrennt und zum Verkauf angeboten. Mehr als ein Jahrhundert lang residierte hier die berühmte Familie Kraffer, die bis zur Verstaatlichung in den 1950er Jahren eine renommierte Gärtnerei betrieb.
Nach der Übernahme durch den Staat wurde der Standort modernisiert, und im Laufe der Jahrzehnte verfiel das Gebäude. Um die Jahrtausendwende wurde ein Teil des Fundaments vom Schutt befreit, doch erst 2021 begann die vollständige Revitalisierung des historischen Komplexes.
Revitalisierung und neues Leben für den Garten
Im Jahr 2021 übernahm eine Gruppe von Landschaftsarchitekten des Büros Ateliér Za Mák die verlassene Gärtnerei. Ihre Vision basierte auf der Wiederherstellung der ursprünglichen barocken Topografie, die bei Feldbegehungen vor über zweihundert Jahren entdeckt wurde. Die Designer kombinierten die historische Struktur mit modernen Elementen, um einen flexiblen Raum für Blumenzucht, Freizeit und kulturelle Veranstaltungen zu schaffen.
Grundlage des Konzepts ist eine strenge Geometrie, die sich aus der antiken Formensprache ableitet. In diesen klaren Rahmen wurden jedoch vollständig nachhaltige Lösungen eingebettet – Recycling von Materialien, Regenwassermanagementsysteme und Unterstützung der lokalen Artenvielfalt. Eine wilde Pflanzenpracht fügt sich in die strengen Linien ein und bildet einen auffälligen Kontrast.

Zeitgenössischer Gemeinschaftsgarten
Der größte Teil des Komplexes ist ein offener Demonstrationsgarten, in dem saisonale Pflanzen angebaut und verkauft werden. Anwohner und Touristen können den Anbauprozess beobachten und sich in die Geheimnisse der lokalen Blumenproduktion einweihen lassen. Hier finden regelmäßig Workshops zu den Themen Blumenzucht, Kräuterkunde und Ökologie sowie Kultur- und Bildungsveranstaltungen statt.
Die barocken Terrassen sind von einer Steinmauer umgeben, die sich wie ein Bühnenvorhang um das Gelände zieht. Auf der Südseite wurden Gewächshäuser und Anbausäle eingerichtet, entlang derer sich für Besucher zugängliche Gassen befinden. Auf diese Weise ist der Komplex zu einer wahren Oase der Entspannung im Herzen der Stadt geworden.
Sanfte Veränderungen
Am nordöstlichen Rand des Gartens wurde vom Architekturbüro Matěj Šebek architekti eine wichtige Anpassung vorgenommen. Die bestehenden Lagerhallen und Gewächshäuser wurden abgetragen und eine neue Rampe geschaffen, die direkt in den Garten führt. Das neue Gebäude, das die Funktionen eines Blumenladens und eines Gartenbauateliers vereint, grenzt an die ursprüngliche Barockmauer, deren Fragmente in das Innere des Gebäudes eindringen.

Das Gebäude befindet sich auf einer leichten Betonerhöhung, und die Rampe besteht aus demselben Material. Über dem Gebäude befindet sich ein begrüntes Dach mit einer großen, nach Süden ausgerichteten Traufe zum Schutz vor der Sonne. Im Inneren wurde die strenge Ästhetik von Keramikblöcken und freiliegenden Deckenbalken beibehalten, und die Wände wurden unverputzt gelassen und nur mit Kalk verputzt.
Form und Natur
Das Haus und der Garten entstanden in einem ständigen Dialog: Einerseits prägte die Natur die Architektur, andererseits beeinflusste das Gebäude die Gestaltung der Grünanlage. Der monolithische Sturzrisalit betont die symbolische und strukturelle Verbindung zur Barockmauer, während die leichte Sperrholz-Flechtwand eine flexible Raumaufteilung ermöglicht.

In diesem Raum trifft die Präzision des geometrischen Grundrisses auf die Lebendigkeit der Pflanzen, die den Garten zu einem lebendigen Ort für tägliche Zusammenkünfte und Workshops machen und Gelegenheit zu angenehmer Ruhe bieten.
Die Wiederbelebung des Gartens ist zu einer Plattform für die Zusammenarbeit zwischen Landschaftsarchitekten und Bauarchitekten geworden, die nicht nur zu einem Ort voller Freude, sondern auch zu dauerhaften beruflichen und sozialen Beziehungen geführt hat. Die Umgestaltung des Kraffer-Gartens ist noch nicht abgeschlossen – die nächsten Schritte sind die Ausweitung des Bildungsangebots und die weitere Einbeziehung der örtlichen Gemeinschaft in das Leben des Gartens.
Der Kraffer-Garten ist heute viel mehr als eine wiederbelebte historische Einrichtung. Er ist ein Ort, der Geschichten aus der Vergangenheit birgt, ein Geschenk für das Handeln in der Gegenwart und eine Inspiration für künftige Generationen.
architekturentwurf: matěj šebek architekti
gestaltung der Grünanlagen: Ateliér Za Mák
fotografie: Radek Úlehla
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