An der Südwestküste Balis, im ruhigen Seseh, entstand ein Haus, das die Vorstellung von tropischem Innendesign neu definiert. Olga Kurek, Architektin und Gründerin von Amok Architecture, entwarf 200 Quadratmeter Wohnfläche für eine Yogalehrerin und ihre Familie und wandte sich dabei bewusst von der mit der Insel assoziierten Ästhetik ab. Anstelle von Flechtwerk und dekorativem Boho-Stil setzt hier „Tropical Modern“ ein – architektonisch, zurückhaltend und basierend auf der Beziehung zwischen Material und Natur. Rohbeton, edle Steine, italienische Stoffe und maßgefertigte Möbel bilden eine stimmige Komposition, die durch einen üppigen Garten ergänzt wird, der bis ins Innere hineinreicht.
Zwischen Mexiko und Bali
Inspiration für das Projekt waren zeitgenössische Bauprojekte in Mexiko, wo Beton, Holz und Stein mit üppiger Vegetation koexistieren. Ein ähnliches Prinzip wurde in Seseh angewendet. Im Erdgeschoss wurden die freiliegende Betondecke und die tragenden Balken beibehalten, deren Rohheit mit weichen Stoffen und organischen Formen kontrastiert. In verschiedenen Bereichen des Hauses finden sich Bögen, die den Raum strukturieren und die Bewohner durch die einzelnen Bereiche führen.
Den zentralen Teil des Hauses bilden Wohnzimmer, Esszimmer und Küche, die so gestaltet sind, dass Licht und Grün zu integralen Bestandteilen der Komposition werden. Der tropische Garten ist nicht nur eine Kulisse, die man hinter einer Glasscheibe betrachtet – er dringt ins Innere vor und verändert den Charakter des Innenraums je nach Tageszeit. In der Küche erwies sich die Entscheidung, das Fenster zu versetzen, als entscheidend. Dadurch umgibt die Einbauküche die Verglasung, und der Garten erscheint genau auf der Achse der Arbeitsplatte. Auf derselben Achse wurde der Esstisch aufgestellt, hinter dem sich eine Reihe von Strelitzien erstreckt. Die Grenze zwischen Haus und Garten wird zu einer konventionellen, ganz im Sinne der zeitgenössischen Architektur, die die Landschaft als Gestaltungsmaterial betrachtet.
Onyx, Bordeauxrot und eine rosafarbene Badewanne
Die Farbpalette des Hauses leitet sich von Natursteinen ab. In der Küche wurde grüner Onyx für die Kücheninsel und die Arbeitsplatte verwendet, dessen Maserung mit der Vegetation vor dem Fenster harmoniert. Im privaten Badezimmer der Eigentümer bildete eine Marmorplatte, die im Bogen hinter der Badewanne angebracht ist, den Ausgangspunkt. Aus ihrer Farbgebung wurden das tiefe Bordeauxrot der Wände sowie das Puderrosa der freistehenden Badewanne abgeleitet. Der Stein findet sich auch in den maßgefertigten Waschbecken wieder. Das Ergebnis ist sinnlich, farbenintensiv, fügt sich jedoch harmonisch in die Architektur ein.

Vor Ort entworfen
Im gesamten Haus wiederholt sich eine Kombination von Materialien: Terrazzo auf den Fußböden, Kalkputz, Holz, Stein und Beton. Ihre Strukturen kommen im tropischen Licht besonders gut zur Geltung und erzeugen Reflexe und subtile Unvollkommenheiten. Der Großteil der Möbel wurde speziell für dieses Projekt angefertigt – von der Küche über den Tisch und die Stühle bis hin zu den Betten. Ausnahmen wurden bewusst ausgewählt. Im Hauptschlafzimmer kommen italienische Stoffe von Dedar zum Einsatz, die für das gepolsterte Kopfteil und die Sitzfläche verwendet wurden. Derselbe Stoff findet sich auch im Esszimmer wieder und schafft so eine subtile Verbindung zwischen dem privaten und dem Wohnbereich. Über dem Bett hängt ein Werk des balinesischen Künstlers Rizzi Riza, das auf Augenhöhe mit europäischem Design behandelt wird.

Das Treppenhaus fungiert in diesem Interieur als visueller Kontrapunkt zum ruhigeren Wohnbereich. Der salbeifarbene Wandton wird mit Terrazzo in einem grafischen „Salz-und-Pfeffer“-Muster kombiniert. Auf dem Treppenabsatz steht eine lokale Skulptur, und das Gesamtbild wird durch Leuchten aus dem Showroom von Piment Rouge abgerundet. Ein ähnliches Prinzip wurde im Arbeitszimmer angewendet, das hinter einer Tür aus dekorativem Glas verborgen ist. Der Raum öffnet sich zur Terrasse, zum Pool und zum Garten, sodass die Natur auch während der Arbeit immer im Blickfeld bleibt.
Privat und mit Charakter
Im Obergeschoss befindet sich das Hauptschlafzimmer, das mit einem Ankleidezimmer und einem Badezimmer verbunden ist. In den privaten Räumen finden sich kräftigere Akzente. Am spektakulärsten ist das Badezimmer, in dem ein Bogen den Rahmen für die Badewanne und den Marmor bildet und auf der gegenüberliegenden Seite die Dusche und die Toilette dezent verbirgt. Die Waschbecken aus Stein sind das Hauptelement, das vom Eingang aus sichtbar ist. Auch die übrigen Badezimmer haben ihre eigene Identität: Im Gästebad wurden ein grünes Waschbecken und eine Dusche mit Fenster zum Garten verbaut, während das kleine Badezimmer unter der Treppe mit grünen Fliesen ausgestattet wurde, deren Farbton auf den Naturstein abgestimmt ist.
Entwurf: Amok Architecture
Fotos: visualstories.jpg
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