Im tschechischen Dorf Brtev haben die Architekten des Büros Facha architekti ein Projekt realisiert, das den Begriff der Umnutzung neu definiert. In einer alten Scheune haben sie ein kleines Haus mit einer Nutzfläche von 42,5 m² untergebracht und dabei die bestehende Konstruktion als Rahmen für einen modernen, eigenständigen Baukörper genutzt. „The Box in the Barn“ ist ein Beispiel für einen bewussten Umgang mit der bestehenden Struktur, bei dem das neue Objekt nicht mit dem historischen Kontext konkurriert, sondern eine durchdachte Beziehung zu ihm eingeht. Wie sieht dieser ungewöhnliche Raum also aus?
Das Projekt entstand als Antwort auf den Wunsch, einen saisonalen Rückzugsort auf dem Gelände des Familienanwesens zu schaffen. Ursprünglich wurde eine Modernisierung des Wohnbereichs des Hofes in Betracht gezogen, doch im Laufe der Zeit entwickelte sich das Konzept zu der Idee eines eigenständigen Hauses, das in die Scheune integriert wurde. Dadurch war es möglich, den authentischen Charakter der Gebäude zu bewahren und gleichzeitig eine neue Funktion einzuführen, ohne deren Struktur zu beeinträchtigen.
Ein zeitgenössischer Baukörper in einem historischen Raum
Die Architekten entwarfen einen schlichten, mit schwarzer Verkleidung versehenen Holzbau. Seine Form leitet sich aus der Geometrie der Scheune ab, bleibt jedoch eindeutig zeitgenössisch, was eine klare Lesbarkeit der Beziehung zwischen dem alten und dem neuen Teil des Ensembles ermöglicht. Das neue Objekt ist baulich nicht mit dem Wirtschaftsgebäude verbunden – es fungiert als eigenständige Struktur, die das bestehende Gefüge respektiert und nicht vorgibt, dessen Fortsetzung zu sein.

Sichtachse und fließende Übergänge zwischen den Bereichen
Zu einem der Schlüsselelemente des Entwurfs wurde die Sichtachse, die durch den ehemaligen Dreschplatz verläuft und den Blick auf den Garten mit den Apfelbäumen und weiter in die offene Landschaft lenkt. Diese Konzeption beeinflusste die Aufteilung des Innenraums sowie die Position des Panoramafensters und des Esstisches. Die eingebaute Konstruktion wurde leicht über das Niveau des ursprünglichen Fußbodens angehoben, der darunter durchgehend verläuft. Vor dem Eingang wurde eine Betonfläche angelegt, die einen fließenden Übergang zwischen dem Innenhof, dem offenen Raum der Scheune und dem Innenraum des Hauses bildet.

Natürliche Materialien und eine leichte Konstruktion
Das Interieur wurde zurückhaltend gestaltet, wobei der Schwerpunkt auf Natürlichkeit und Materialharmonie liegt. Das dominierende Material ist Birkensperrholz, dessen warmer Farbton einen Kontrast zu den durchgefärbten schwarzen MDF-Platten bildet. Aus diesen entstand ein kompakter Block, der Küche, Bad und Stauräume beherbergt.
Die Konstruktion des Hauses besteht aus einem leichten Skelett aus KVH-Balken mit Trennwänden in offener Schichtanordnung. Obwohl das Projekt für eine saisonale Nutzung konzipiert wurde, ermöglichen die Dämmung und die Fußbodenheizung eine komfortable Nutzung das ganze Jahr über. Die Scheune selbst wirkt wie ein natürlicher Klimaschutz – sie schützt den neuen Baukörper vor Überhitzung und widrigen Witterungsbedingungen.

Anpassung der bestehenden Struktur
Die Architekten betonen, dass es sich bei dem Projekt in erster Linie um eine Umnutzung und nicht um einen Neubau handelt. Die Nutzung des bestehenden Raums verringert den ökologischen Fußabdruck und ermöglicht es, das materielle Erbe des Ortes zu bewahren. „The Box in the Barn“ zeigt, dass ein modernes Haus entstehen kann, indem man bewusst eine neue Funktion in den Rahmen des Bestehenden einfügt. Das Ergebnis ist ein etwas ungewöhnliches, aber zugleich gemütliches Projekt, das durchdacht und fest im Kontext des Ortes verankert ist.
Entwurf: Facha architekti
Fotos: Peter Fabo
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