Das neue Haus in der Nähe von Warschau ist ein Beispiel für die bewusste Fortführung früherer gestalterischer Entscheidungen. Die Eigentümer, die von einer 60 Quadratmeter großen Wohnung in einen 200 Quadratmeter großen Wohnraum umzogen, beauftragten erneut Hanna Pietras und Anna Petrova. Anstatt den Stil zu ändern, setzten sie auf die Weiterentwicklung bewährter Lösungen und passten diese an den größeren Maßstab und die neuen Gegebenheiten an.
Ausgangspunkt für die Gestaltung dieses Interieurs war kein Inspirationskatalog, sondern Erfahrung. Die Eigentümer zogen aus einer 60 Quadratmeter großen Wohnung um, die zwar klein, aber vorbildlich gestaltet war. Durchdacht, funktional, zeitlos. Der Umzug erfolgte aus dem Bedürfnis nach mehr Platz heraus, nicht aus dem Wunsch, den Stil zu ändern. Daher war es ein logischer Schritt, dieselbe Architektin erneut zur Zusammenarbeit einzuladen.
Die funktionale Anordnung der Küche wurde fast eins zu eins übernommen – weil sie einfach funktionierte. Anstatt mit Inspirationen von Pinterest zu beginnen, wurde die reale Erfahrung der Raumnutzung zum Ausgangspunkt. Was funktionierte, blieb. Was zuvor nicht vorhanden war, konnte endlich hinzukommen, sagt die Architektin Hanna Pietras.
Das neue Haus ist also keine „neue Geschichte“, sondern eine Weiterentwicklung früherer Entscheidungen. Der Maßstab, das Licht und die Proportionen ändern sich. Der Kern bleibt derselbe.
Licht schafft
Die größte Veränderung betrifft das Erdgeschoss, insbesondere die Küche und den Wohnbereich. Die ehemalige, geschlossene Küche ist einem offenen Raum gewichen, der durch bodentiefe Fenster vergrößert und heller geworden ist. Diese Entscheidung verändert die Funktionsweise des Hauses grundlegend. Die Küche ist nicht mehr nur ein Nebenraum, sondern wird zum Mittelpunkt des Lebens. Die Kücheninsel strukturiert die Bewegungsabläufe, und das Licht, das durch die breite Front hereinströmt, verleiht dem Raum eine weiche Atmosphäre.
Neben der Funktion kommt noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu – die Beziehung zur Umgebung. Große Verglasungen „ziehen“ den Garten ins Innere. Das Grün ist nicht mehr nur ein Blick aus dem Fenster, sondern ein realer Bestandteil des Innenraums. Das Licht verändert sich im Laufe des Tages, gestaltet den Raum, schafft Stimmung – fügt Hanna Pietras hinzu.

Das hohe Wohnzimmer, das bis zum Dachfirst offen ist, verstärkt dieses Erlebnis. Die bis zur Decke reichenden Regale sind keine Dekoration – sie erfüllen einen realen Bedarf und verwirklichen gleichzeitig einen Traum, für den zuvor der Platz fehlte. Dieser Innenraum besticht nicht durch Effekthascherei. Seine Stärke liegt in der Präzision.
Farbe als Werkzeug
Obwohl neutrale Wände und Holz die Basis bilden, spielt Farbe hier eine ordnende Rolle. Die senffarbenen Küchenmöbel verleihen dem Raum Wärme, ohne ihn zu dominieren. Grün taucht in den Türen und Details auf und schafft subtile Verbindungen zum Stein am Kamin. Ein Detail ist das Rot, das die Komposition belebt. Der markanteste Akzent ist die blaue Lampe der Marke LEXAVALA über der Kücheninsel. Schlicht, linear, entschlossen. Es ist ein Element, das das Ganze zusammenhält und ihm Ausdruck verleiht. In der Küche wurde eine gewölbte Nische mit einem Sideboard und einer Tapete mit verspielten Affen integriert – ein Muster, das ursprünglich für die Mailänder Konditorei Dulciora entworfen wurde. Dieses Element durchbricht die moderne Ästhetik und verleiht dem Interieur einen persönlichen Charakter.
Die gleiche Tapete findet sich auch im Badezimmer wieder und schafft so eine ästhetische Kontinuität. Es geht nicht um wörtliche Kohärenz, sondern um die Atmosphäre – darum, dass der Innenraum eine eigene Identität hat und nicht nur eine Ansammlung zufälliger Attraktionen ist. Das Projekt scheut auch die Ungenauigkeit nicht. Es ist nicht aufgeblasen, es versucht nicht, „perfekt“ zu sein. Dadurch bleibt es glaubwürdig. Das Interieur dieses Hauses ist keine Demonstration von Möglichkeiten. Es ist ein Beispiel für Design, das aus Beziehungen, Vertrauen und dem Verständnis für Bedürfnisse entsteht.
Entwurf: Hanna Pietras, Anna Petrova
Fotos: Hanna Połczyńska/Kroniki
Styling: Anna Hynek
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