Sie haben nicht nach Trends entworfen. Sie haben ein Haus geschaffen, das perfekt auf das Leben seiner Bewohner zugeschnitten ist

Im Stadtteil Nauryzbaj der kasachischen Stadt Almaty, auf dem Gelände der Wohnsiedlung Tau Samal, entstand ein Haus, das sich der Definition einer klassischen Familienresidenz entzieht. Es handelt sich um einen Raum, der nicht nach Trends oder einem bestimmten ästhetischen Stil gestaltet wurde, sondern ganz auf den Alltag seiner Bewohner ausgerichtet ist. Das Projekt des Studios NESSO INTERIORS zeigt, dass ein modernes Haus gleichzeitig funktional, emotional und zutiefst persönlich sein kann.

Das 400 m² große Haus entstand durch den Umbau eines bestehenden einstöckigen Gebäudes. Der Anbau eines zusätzlichen Stockwerks war jedoch nur der Ausgangspunkt. Entscheidend war die Schaffung einer neuen Raumlogik – fließend, intuitiv und dem Lebensrhythmus einer fünfköpfigen Familie sowie ihrer Haustiere entsprechend.

Verantwortlich für das Projekt sind die Designerinnen Tansholpan Kenessova und Indira Aidarbekova, die es sich zum Ziel gesetzt haben, ein Interieur zu schaffen, in dem unterschiedliche Bedürfnisse und individuelle Lebensszenarien konfliktfrei nebeneinander bestehen können.

„Bei diesem Projekt wollten wir uns nicht auf einen bestimmten Stil oder eine bestimmte visuelle Referenz stützen. Das Wichtigste war, der Familie zuzuhören – ihrem Alltag, ihren Gewohnheiten und ihrer Lebensweise. Wir wollten einen Raum schaffen, der weder statisch noch gestylte ist, sondern mit den Bewohnern lebt“, sagt Tansholpan Kenessova.

Schon am Eingang zieht die leuchtend rote Tür die Blicke auf sich und setzt einen starken kompositorischen Akzent. Diese Farbe kehrt auch in anderen Bereichen des Hauses subtil wieder und durchbricht die ruhige Basis aus Naturholz, hellen Wänden und weichen Stoffen. Die verglasten Schwingtüren im Eingangsbereich lassen Licht tief ins Haus hinein und schaffen ein Gefühl von Offenheit und Leichtigkeit.

Das Erdgeschoss als Begegnungsraum

Die Aufteilung des ersten Stockwerks basiert auf einem System miteinander verbundener Räume, die durch einen ringförmigen Flur verbunden sind. Dadurch können sich die Bewohner frei im Inneren bewegen, und die Grenzen zwischen den einzelnen Funktionsbereichen bleiben fließend.

Das Herzstück des Hauses bildet der offene Wohnbereich, der Küche, Esszimmer und Wohnzimmer umfasst. Die Küche wurde ganz nach den täglichen Gewohnheiten der Eigentümerin gestaltet – die Spüle wurde am Fenster platziert, und die meisten Stauraumlösungen wurden hinter minimalistischen Fronten versteckt. Hier befindet sich auch eine diskret versteckte Speisekammer.

Ein starkes Gestaltungselement ist die Dunstabzugshaube, die mit handgefertigten Fliesen verkleidet ist, die von kasachischen Keramikern aus dem Atelier Faski angefertigt wurden. Die Farbtöne von tiefem Burgunderrot und sattem Blau entstanden durch das Experimentieren mit den verfügbaren Glasuren, wodurch dieses Detail einen einzigartigen Charakter erhielt.

Die Kücheninsel bringt die Hausbewohner auf natürliche Weise zusammen und macht die Küche zum Mittelpunkt des täglichen Miteinanders. Offene Regale mit Keramik, Büchern und Pflanzen verleihen dem Raum Wärme und Authentizität.

Wohn- und Esszimmer wurden durch architektonische Portale voneinander getrennt, die den Raum strukturieren, ohne ihm seine Einheitlichkeit zu nehmen. Im Wohnbereich dominieren eine ruhige Farbpalette, sanftes Licht und natürliche Materialien.

Eine besondere Rolle spielt hier der monumentale Wandteppich der Brüder Liba, der sich harmonisch in die Farbgebung des Interieurs einfügt. Kunst dient in diesem Haus nicht der Dekoration – sie ist ein integraler Bestandteil des Alltags der Bewohner.

Ein Interieur, das aus Erinnerungen entsteht

Die Hausbesitzerin ist Künstlerin, daher fließen ihre Bilder ganz natürlich in das Interieur ein und treten in einen Dialog mit den von Reisen mitgebrachten Gegenständen und den restaurierten Vintage-Elementen. Das Haus wirkt nicht wie ein „fertiges Produkt“, sondern eher wie ein lebendiger Organismus, der gemeinsam mit der Familie heranreift.

Im Erdgeschoss befindet sich auch das private Atelier der Eigentümerin. Der Raum für Arbeit und Kreativität wurde an einem großen Fenster platziert, das für natürliches Licht sorgt. Staffelei, Bilder, Rahmen und Malutensilien sind Teil der Einrichtung geworden und schaffen die Atmosphäre eines kreativen Ateliers.

Das Interieur erzählt auf subtile Weise auch die Geschichte des Hausbesitzers – eines begeisterten Radsportlers. Die Sammlung von Medaillen aus Wettkämpfen wurde auf natürliche und ungezwungene Weise in Szene gesetzt und ist so zu einem persönlichen Detail geworden, das sich in die Architektur des Hauses einfügt.

Der private Bereich des Erdgeschosses wurde als ruhige Master-Zone gestaltet. Er besteht aus einem Schlafzimmer, einem begehbaren Kleiderschrank und einem privaten Badezimmer. Gedeckte Farben, weiche Stoffe und die zarte Geometrie der Wände schaffen eine Atmosphäre der Ruhe und des Komforts.

Das Obergeschoss – geschaffen für die Kinder

Die zweite Etage ist ganz den Kindern gewidmet. Jedes der Zimmer spiegelt die Persönlichkeit seines Bewohners wider und fügt sich gleichzeitig harmonisch in den Rest des Hauses ein.

Das Zimmer des ältesten Sohnes spiegelt seine vielfältigen Interessen wider – vom Sammeln von Sneakers und Figuren über die Entwicklung einer eigenen Bekleidungsmarke bis hin zum Gitarrenspiel. Die Einrichtung hat einen markanteren Charakter mit dunkleren Akzenten und offenen Ausstellungsmodulen.

Das Zimmer der älteren Tochter ist von der Welt der Mode und Schönheit inspiriert. Hier wurden ein eigener Make-up-Bereich sowie umfangreiche Aufbewahrungssysteme entworfen. Die neutrale Farbgebung mit grünen Akzenten schafft einen ruhigen Hintergrund für die täglichen Rituale und das Experimentieren mit dem Stil.

Am künstlerischsten ist der Raum der jüngsten Tochter. Helles Holz, warme Beigetöne und ein handgemaltes Aquarellporträt über dem Bett schaffen eine äußerst persönliche Atmosphäre. Neben dem großen Schreibtisch voller Buntstifte, Pinsel und Skizzenbücher befindet sich ein hängender Kokon-Sessel – ein Ort zum Ausruhen, Musikhören und Mundharmonika spielen.

Ein Haus, das auch für Haustiere entworfen wurde

Von Anfang an sah das Projekt vor, einen Raum zu schaffen, der für alle Hausbewohner freundlich ist – auch für die Tiere. Lösungen für Katze, Hund und Papagei wurden fast unsichtbar in die Architektur integriert.

Für die Katze wurde ein System aus Laufstegen, Regalen und versteckten Ruheplätzen entworfen, die in die Wände und Möbel eingebaut sind. Der Schlafplatz des Hundes wurde in der Nähe des gemeinsamen Wohnbereichs platziert, sodass das Tier Teil des Familienlebens bleibt.

Besondere Aufmerksamkeit wurde auch dem Platz für den Papagei gewidmet. Der Käfig wurde in der Nähe von natürlichem Licht aufgestellt und gleichzeitig vor Zugluft und übermäßigem Lärm geschützt. Das Ganze wurde als integraler Bestandteil der Einrichtung betrachtet.

Wichtig war auch die Wahrung der optischen Ordnung – Näpfe, Zubehör und Futtervorräte wurden in den Einbaumöbeln versteckt, wodurch der Innenraum harmonisch und ruhig blieb.

Funktionalität, die sich in den Details verbirgt

Eine der praktischsten Lösungen im Haus ist der integrierte Wäscheabwurfschacht. Er wurde in den Einbauschränken im Obergeschoss versteckt und direkt mit der Waschküche im Erdgeschoss verbunden, was den Familienalltag erheblich erleichtert.

Die Planer haben auch für eine unauffällige Integration der Klimaanlage in den Gemeinschaftsbereichen gesorgt. Trotz baulicher Einschränkungen ist es gelungen, die Leitungen zu verbergen, ohne die Deckenhöhe verringern zu müssen.

Dieses Projekt zeigt, dass ein modernes Haus nicht nur ein ästhetisches Objekt sein muss. Es kann zu einem Raum werden, der den täglichen Bedürfnissen gerecht wird, Erinnerungen bewahrt und sich gemeinsam mit seinen Bewohnern weiterentwickelt. Im Entwurf des Studios NESSO INTERIORS dominiert die Architektur nicht das Leben – sie wird zu dessen natürlicher Erweiterung.

Projekt: Tansholpan Kenessova Indira Aidarbekova – NESSO INTERIORS

Fotos: Roman Yakunin, Sofiya Klyonova 

Stil: Aizhan Abdullina

Siehe auch: Architektur | Küche | Badezimmer | Innenräume | Kasachstan