Drzwi Bazyliki Mariackiej
Autor zdjęcia: Marek W/fotopolska.eu

Sie sind über 500 Jahre alt. Die Türen der Marienkirche in Danzig werden renoviert

Die Türen der Marienkirche in Danzig werden in Kürze restauriert. Es handelt sich um eines der wertvollsten mittelalterlichen Denkmäler dieser Art in Europa. Die zur Mariacka-Straße hin gelegenen Türen stammen aus dem frühen 16. Jahrhundert und sind somit bereits über 500 Jahre alt! Im Rahmen der geplanten Arbeiten werden sie ihre historische Farbgebung zurückerhalten. Untersuchungen von Dr. habil. Katarzyna Darecka haben viele bisher unbekannte Details zu ihrer Konstruktion und ihrem Aussehen ans Licht gebracht.

Die Türen der Marienbasilika – ein Unikat mittelalterlicher Tischlerei

Originalmittelalterliche Türen in den Danziger Kirchen sind heute leider eine große Seltenheit. In der ganzen Stadt sind nur noch 10 Exemplare gotischer Tischlerkunst erhalten. Andere wurden im Zuge von Umbauten oder durch die Kriege, die Danzig im Laufe der Jahrhunderte heimgesucht haben, zerstört. Die wertvollsten der erhaltenen Türen befinden sich in der Marienkirche. Laut Dr. habil. Katarzyna Darecka vom Museum Danzig gibt es in anderen Teilen Europas keine vergleichbaren Exemplare. Die Forscherin beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte alter Tore und sakraler Tischlerarbeiten, und das Ergebnis ihrer langjährigen Analysen ist die fast 450 Seiten umfassende Publikation „Türen und Tore in Danzig. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart“, die 2024 erschienen ist.

Die Mariacka-Straße im Jahr 1900. Quelle: Deutsche Fotothek

Nach Ansicht von Katarzyna Darecka wurden die Türen, die von der Basilika zur Mariacka-Straße führen, um das Jahr 1511 angefertigt. Ihre Einzigartigkeit liegt in ihrer Konstruktion begründet. Auf breiten, senkrecht angeordneten Brettern wurde ein hölzernes Fachwerk befestigt, das sich zu Rauten formt. Im mittleren Teil jedes Feldes befindet sich ein dekoratives vierblättriges Motiv, während das Ganze durch Ziernägel mit Köpfen zusammengehalten wird, die an Blumenrosetten erinnern. Eine solche Lösung findet sich ausschließlich in Danzig. Ähnliche mittelalterliche Türen sind noch in den Kirchen der Heiligen Dreifaltigkeit, des Heiligen Johannes und des Heiligen Nikolaus erhalten. Die ältesten gotischen Türen der Stadt befinden sich hingegen im Rathaus der Hauptstadt.

Ein farbenfrohes Mittelalter

Konservatorische Untersuchungen haben die gängige Vorstellung widerlegt, dass die früheren Kirchentüren dunkel und streng waren. Analysen der Malschichten zeigten das Vorhandensein intensiver Pigmente, die im Mittelalter verwendet wurden. An den Danziger Türen tauchten regelmäßig Rot, Grün und Ocker in Farbtönen von Goldgelb bis Gelbbraun auf, ergänzt durch schwarze Details. Bei den Türen der Marienkirche wurde an der Außenseite eine Kombination aus Rot und Olivgrün verwendet, während die Innenseite vollständig mit einem kräftigen Rot überzogen war. Gerade Türen dieser Farbe gehörten im mittelalterlichen Europa zu den sehr beliebten Ausstattungselementen von Kirchen.

Die Türen der Marienbasilika waren früher höher als heute

Eine detaillierte Bestandsaufnahme brachte zudem eine Erkenntnis über die früheren Abmessungen der Türen zutage. Heute sind sie 4,4 Meter hoch, ursprünglich waren sie jedoch über 6,5 Meter hoch. Spuren der ehemaligen Scharniere sind auf der Innenseite der Kirche erhalten geblieben. Heute hängen dort Wandleuchten, doch einst befanden sich an dieser Stelle Haken, die den oberen Teil der Türflügel stützten. Alles deutet darauf hin, dass um die Mitte des 19. Jahrhunderts die oberen Teile der Türen abgeschnitten wurden, wahrscheinlich aufgrund von Verformungen des Holzes.

Foto: Piotr Wittman/ www.gdansk.pl

Auch das Oberlicht im Eingangsbogen wurde verändert. Ältere Quellen weisen darauf hin, dass dort im 19. Jahrhundert ein verglastes Element mit Maßwerkformen angebracht wurde. Die Konstruktion überstand jedoch den Zweiten Weltkrieg nicht. Das heutige Oberlicht wurde 1952 angefertigt. Von Eingriffen in das historische Tor zeugen durchgesägte Holzstifte sowie eine glatt abgeschliffene Oberkante, die keine Spuren der früheren Polychromie aufweist. An den übrigen Holzfragmenten sind hingegen Farbreste erhalten geblieben, die über Jahrhunderte hinweg die weniger dem Licht und der Feuchtigkeit ausgesetzten Stellen geschützt haben.

Die Konservierung wird die ursprüngliche Farbgebung wiederherstellen

Die geplante Konservierung des historischen Tors konzentriert sich auf die Reinigung des Holzes, die Imprägnierung und den Schutz der historischen Substanz. Die Restauratoren beabsichtigen, einen Teil der Alterungsspuren und der jahrhundertealten Patina zu belassen, wodurch das Denkmal sein authentisches Aussehen bewahren wird. Die Rekonstruktion der Farbgebung soll mit einer sehr subtilen Methode erfolgen, die an zarte Striche erinnert. Die Fachleute wollen den Effekt einer frisch gestrichenen Oberfläche vermeiden und gleichzeitig die historischen Rot- und Grüntöne deutlich hervorheben.

Foto: Marienkirche in Danzig

Die Idee, die ursprünglichen Farben wiederherzustellen, wurde bereits dem pommerschen Denkmalschutzbeauftragten Dariusz Chmielewski vorgelegt. Nach ersten Beratungen stieß die Initiative auf positive Resonanz. Die letzte größere Konservierung der Türen fand vor etwa 10 Jahren statt. Damals wurden die sekundären dunkelbraunen Übermalungen auf der Innenseite entfernt, wodurch das ursprüngliche gotische Rot zum Vorschein kam. Die bevorstehenden Arbeiten sollen dem Denkmal seine frühere Wirkung zurückgeben und daran erinnern, dass mittelalterliche Kirchen in einer Pracht intensiver Farben erstrahlten, die weitaus ausdrucksstärker waren als unsere heutigen Vorstellungen von düsterer Gotik.

Quelle: gdansk.pl

Lesen Sie auch:Architektur in Polen|Sakrale Architektur|Denkmal|Geschichte|Danzig

Die Mariacka-Straße vor und nach dem Krieg. Quelle: Museum von Danzig

Die Mariacka-Straße und das historische Tor im Jahr 1928 und 2024. Quelle: Polona und Google Maps