In einem der bekanntesten Häuser am Breslauer Marktplatz – dem Renaissance-Haus „Kamienica Pod Siedmioma Elektorami“, dessen Geschichte bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückreicht – wurde die zweite Filiale des Konzepts „Siekana“ eröffnet. Das bisher aus Łódź bekannte „Tatarownia“ feierte in Wrocław sein Debüt auf einer Fläche von 111 m² und schuf einen Ort, der kulinarische Präzision mit einer ausdrucksstarken, zeitgenössischen Interpretation des historischen Interieurs verbindet.
Die Architekten des Büros CUDO haben das Lokal als zweiteilige Komposition entworfen. Der erste Bereich ist ein Eingangs- und Durchgangssaal, der die Gäste durch eine Abfolge von hohen Tischen und gemütlichen Nischen führt. Der zweite, Hauptsaal lenkt die Aufmerksamkeit auf die offene Küche mit einer halbrunden Bar. Sie bildet sowohl funktional als auch visuell das Zentrum des gesamten Konzepts. Die symmetrische Anordnung harmoniert mit den Gewölben des historischen Innenraums, und die weiche Linie der Bar strukturiert den Raum und betont die architektonische Form der Decke.
Küche in feurigen Farben
Das Leitmotiv des Projekts – „eine kühle Küche in feurigen Farben“ – wurde zum Ausgangspunkt für die gesamte Materialpalette. Das blutrote Rot, das auf die Spezialität des Lokals, nämlich Tartar, anspielt, wurde mit kühlem Stahl, der Wärme des Holzparketts und der kupferfarbenen Barfront kombiniert. Die Tischplatten wurden mit roten Fliesen in Steinoptik verkleidet, während helle, beige Wände und Spiegelelemente die Farbintensität ausgleichen. Der Innenraum fungiert als Kulisse für ein kulinarisches Spektakel – er ist ausdrucksstark, dominiert aber nicht das, was auf den Tellern geschieht.
Die größte Herausforderung bestand darin, die volle gastronomische Funktion in ein denkmalgeschütztes Interieur zu integrieren. Um Eingriffe in die Gebäudestruktur zu begrenzen, wurde im gesamten Hauptsaal ein Podest entworfen, in dem die Installationen verlegt wurden. Der Spülbereich wurde in einem verspiegelten Kubus versteckt, wodurch er die Raumkomposition nicht stört. Der dunkle Innenraum mit begrenztem Tageslichteinfall wurde durch reflektiertes Licht aufgehellt – die auf die Gewölbe gerichteten Leuchten betonen deren Form und schaffen eine stimmungsvolle Atmosphäre.
Originelle Details
Das Projekt sieht eine zusätzliche Funktion als Buchhandlung vor – Bücherregale wurden in die Gestaltung integriert und schaffen so ein vielschichtiges Raumerlebnis. Originelle Kunstwerke und eine beleuchtete visuelle Identität stärken den Charakter der Marke, und die entworfene Schaufensterfront wird zu einem integralen Bestandteil der Kommunikation auf dem Marktplatz. Es ist ein Interieur, das nicht nur den Anforderungen der Gastronomie gerecht wird, sondern auch eine stimmige Geschichte über zeitgenössisches Handwerk und bewusstes Design erzählt.

Über den Magen zum Herzen
Das Konzept von Siekana basiert auf Einfachheit und Qualität. „Die Speisekarte wird sehr einfach sein. Im Mittelpunkt stehen hochwertiges Rinderfilet, Produkte von lokalen Lieferanten, Käse von Serotonina und Brot von Plon – einer Bäckerei aus Wrocław. Alles im Innenraum ist von der Speisekarte und dem, was wir dort anbieten, inspiriert, also vor allem von Tatar“, betonen die Investoren. Diese Aussage spiegelt sich in jedem Element der Gestaltung wider: von den Materialien bis hin zur Lichtführung.
Modernität, eingebettet in die Geschichte
„Siekany“ in Wrocław ist ein Beispiel für ein Projekt, das die historische Substanz respektiert und gleichzeitig eine zeitgenössische Formensprache und Materialwelt einführt. Die Architekten von CUDO: haben einen Raum geschaffen, in dem die Intensität des kulinarischen Konzepts auf die Präzision des Details trifft und das Renaissance-Mietshaus eine neue, ausdrucksstarke Funktion erhält.
Entwurf: CUDO:
Fotos: Pietruszka Fotografia
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