Es gibt Innenräume, deren Atmosphäre durch eine einzige markante Geste geprägt wird. Und es gibt solche, die man nach und nach entdeckt – mit jedem weiteren Möbelstück, jedem Material und jedem Detail. Die Wohnung im Wohnkomplex „Smolna Sopot“ gehört zur zweiten Kategorie. Hier hat praktisch jeder Teil des Raums seinen eigenen Charakter, und die Kombination scheinbar unvereinbarer Elemente ergibt ein überraschend harmonisches Ganzes.
Verantwortlich für den Entwurf sind Edyta Krawczyk und Tomasz Tronina vom Architekturbüro Innovattio Architecture. Ihre Idee basiert auf einer bewussten Abkehr von einem Interieur, das einer einzigen Ästhetik untergeordnet ist. Stattdessen entsteht eine Mischung aus Texturen, Farben und Formen, in der Beton neben Onyxstein, Stahl neben recyceltem Kunststoff und zeitgenössisches polnisches Design neben Kunstwerken stehen kann.
Dies ist im Kontext der Lage besonders interessant. Smolna Sopot entstand am Dreistädte-Landschaftspark, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wald an der Ostseeküste. Die Wohnung versucht jedoch nicht, wörtlich vom Meer zu erzählen. Die Küstenatmosphäre entsteht vielmehr durch Assoziationen – organische Formen, Sandfarben, Stein oder Materialstrukturen. Dadurch bewahrt der Innenraum seine eigene Identität, unabhängig vom Ort.

Polnisches Design ohne dekorative Zurückhaltung
Eines der stärksten Elemente des Entwurfs ist die Auswahl der Einrichtung. Im Wohnzimmer treffen Objekte aufeinander, die verschiedene Strömungen des zeitgenössischen polnischen Designs repräsentieren: die Vase „Barva“ von Pani Jurek, der Stuhl „Poodle“ von Mati Sipiora, Elemente der Kollektion „The Good Living“ sowie die Sofas „Daaz“ der Marke Noti. Sie bilden jedoch keine Katalogausstellung. Jedes der Objekte wurde mit anderen Materialien und Formen kombiniert, sodass das Gesamtbild eher den Charakter einer Sammlung als den einer Einrichtung hat.
Eine wichtige Rolle spielen auch Entwürfe, die speziell für diesen Raum angefertigt wurden. Der zentrale Tisch ist ein Beispiel für diesen Ansatz. Seine Konstruktion vereint handgeformte Betonbeine, Stahl und eine ungewöhnliche Tischplatte, die poliert und geätzt wurde. Abgerundet wird das Ganze durch transparentes Glas, das von der Dreistadt-Designerin Edyta Barańska entworfen wurde.
Auch der Teppich und der Couchtisch mit Onyx-Tischplatte wurden individuell entworfen. Ihre unregelmäßigen, weichen Formen wecken Assoziationen mit von den Wellen geglätteten Steinen. In Kombination mit den hellen Sofas erinnern sie an die sandigen Landschaften der Küste, ohne dabei jedoch wörtliche maritime Bezüge herzustellen.
Material statt Dekoration
Die Designer haben sich nicht auf die Auswahl von Fertigmöbeln beschränkt. Ein Großteil der Einrichtung wurde speziell für die Wohnung entworfen – nach individuellen Zeichnungen. Dies betrifft unter anderem die Küche, das Regal, das Schiebetürsystem sowie kleinere Einbauelemente. Dadurch verschmilzt die Grenze zwischen Architektur und Einrichtung praktisch.
Gleichzeitig bleibt das Projekt experimentell. Besonders gut wird dies in dem Bereich deutlich, in dem die Stahlkonstruktion mit Platten aus recyceltem PLA kombiniert wurde. Für deren Herstellung wurden etwa 50 Kilogramm Abfall verwendet. Bei Beleuchtung erhält das Material einen Effekt, der an glühende Lava erinnert.
Daneben fand ein Werk von Grzegorz Worpus in intensivem Kobaltblau seinen Platz. Dies ist einer jener Bereiche der Wohnung, in denen Design und Kunst gleichberechtigt miteinander verschmelzen. Die Farbe des Bildes, die Rohheit des Stahls und die ungewöhnliche Textur des recycelten Kunststoffs bilden eine Komposition, die eher an eine Kunstinstallation als an einen klassischen Aufbewahrungsbereich erinnert.
Jeder Raum hat seine eigene Geschichte
Der Innenraum wurde nicht als einheitliches Bühnenbild behandelt. Die einzelnen Räume unterscheiden sich in ihrem Charakter, und manche von ihnen verändern die Atmosphäre der gesamten Wohnung erheblich.
Das beste Beispiel dafür ist das Hauptbadezimmer, das von einem tiefen Verde-Guatemala-Farbton dominiert wird. Der Marmor verleiht ihm einen fast schmuckartigen Charakter und bildet einen starken Kontrapunkt zu den ruhigeren Bereichen der Wohnung.
Im Schlafzimmer wiederum ist das Relief von Aleksandra Józefów ein wichtiger Akzent. Seine Form wurde von den Spuren inspiriert, die der Wind im Sand hinterlässt. Es ist eine subtile, aber deutliche Anspielung auf die Küstenumgebung.
Neben der Kunst finden sich hier auch Gegenstände, die in erster Linie dem Alltag dienen sollen. Der Sessel „Fulu“ von Nobonobo oder die Konsole „Bruni VOCO“ aus Pappel-Maserknollen fungieren hier nicht als Museumsstücke. Sie sind Teil des normalen Lebens – genau wie Bücher oder der Plattenspieler.
Ein Zuhause statt eines Showrooms
Gerade diese Ausgewogenheit scheint am interessantesten zu sein. Bei einer so großen Anzahl charakteristischer Möbel, Eigenentwürfe und Kunstwerke wäre es ein Leichtes gewesen, ein beeindruckendes, aber wenig wohnliches Interieur zu schaffen. Hier ist es gelungen, den wohnlichen Charakter zu bewahren.
Die Designer lassen sich von der modernistischen Idee inspirieren, den Raum als Ganzes zu gestalten, gehen dabei jedoch nicht dogmatisch vor. Im „Smolna Sopot“ treffen zeitgenössische Materialien, Recycling, Kunst und polnisches Design auf maßgeschneiderte Lösungen. Dadurch wirkt die Wohnung nicht wie eine Ansammlung zufällig ausgewählter Designikonen, sondern wie eine konsequent aufgebaute Kollektion.
Es ist ein Interieur für Menschen, die nicht darauf bedacht sind, dass alles zueinander passt. Im Gegenteil – seine Stärke liegt in den Unterschieden. Aus der Verbindung von Beton und Stein, weichen Stoffen und Stahl, kräftigen Farben und natürlichen Assoziationen. Aus der Überzeugung, dass ein gut gestalteter Raum weder ruhig noch zurückhaltend sein muss.
Im „Smolna Sopot“ wird Design Teil des Alltags. Es steht nicht auf einem Sockel, verschwindet aber auch nicht im Hintergrund. Es ist fast überall präsent – als Möbelstück, Material, Bild, Licht oder Detail. Und genau deshalb kann man dieses Apartment weniger als fertige Einrichtung betrachten, sondern vielmehr als private Sammlung, die jeden Tag um neue Kapitel reicher wird.
Entwurf: Innovattio Architecture
Fotos: PION Studio
Bauherr: Invest Komfort
Siehe auch: Wohnung | Architektur | Küche | Badezimmer | Wohnsiedlung




