Die Burg in Koło ist heute größtenteils eine Ruine, doch früher war sie eine der bedeutendsten königlichen Festungen in Großpolen. Die Anlage wurde im 14. Jahrhundert auf Initiative von Kasimir dem Großen errichtet, um nach einigen Jahrhunderten aufgegeben zu werden und einem weitreichenden Verfall zu unterliegen. Das mutmaßliche Aussehen der Burg zu Zeiten ihrer größten Blütezeit hat der Architekt Michał Szymankiewicz anhand einer Reihe digitaler Visualisierungen rekonstruiert.
Die königliche Festung an der Warta
Die Burg entstand nach 1365 in Gozdów, unweit von Koło. Ihre Aufgabe bestand darin, die Furtstellen über die Warthe sowie den Weg von Großpolen in Richtung Łęczyca zu schützen. Historiker sind sich einig, dass mit dem Bau noch zu Lebzeiten von Kasimir dem Großen begonnen wurde, die Fertigstellung erfolgte jedoch erst nach dem Tod des Monarchen. Archäologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass hier zuvor ein eigenständiger Wehrturm existierte, der von Holz- und Erdbefestigungen umgeben war und später in den neuen Bauplan integriert wurde.
Die Burg in Koło – ein Anziehungspunkt für Könige
Die Blütezeit der Burg fiel auf das 15. Jahrhundert. Władysław Jagiełło und Kazimierz Jagiellończyk waren regelmäßig zu Gast innerhalb der Festungsmauern, und Koło wurde zum Treffpunkt des Adels von Großpolen. Im Jahr 1506 führte der Landrat Jarosław Sokołowski eine aufwendige Renovierung durch, doch bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts verließen die Beamten die Burg und zogen in das nahegelegene Kościelec. Von diesem Zeitpunkt an begann das Bauwerk rasch zu verfallen. Im 17. Jahrhundert wurde es bereits als zerstört beschrieben, und in den folgenden Jahrhunderten wurde ein Teil seiner Mauern abgerissen, wobei die Ziegel für den Bau anderer Gebäude in der Umgebung verwendet wurden. Auch die über die Ufer tretende Warta trug nicht zur Erhaltung bei und verursachte zusätzliche Schäden an der Bausubstanz.

Gotische Festung mit mächtigem Bergfried
Die Burg erhielt einen regelmäßigen, rechteckigen Grundriss mit Abmessungen von etwa 30 × 50 Metern und wurde von hohen Backsteinmauern sowie einem mit Wasser gefüllten Graben umgeben. Zwei Türme ragten über das gesamte Areal empor. In der südlichen Ecke befand sich ein über 16 Meter hoher Wehrturm (Bergfried), während der massive Bergfried als Hauptwohnsitz diente. Der repräsentative Wohnturm verfügte über mit Öfen beheizte und durch große Fenster beleuchtete Gemächer. Dank ihrer Lage inmitten der Auen der Warthe war die Festung außerordentlich schwer einzunehmen.
Archäologen lüften Geheimnisse
Die malerischen Ruinen an der Windung der Warthe ziehen seit langem die Aufmerksamkeit von Forschern auf sich. Die erste Bestandsaufnahme der Überreste der Festung in Koło erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts, während umfangreichere Konservierungsarbeiten erst nach der Eintragung des Objekts in das Denkmalregister, also nach 1953, begannen. In den letzten Jahren haben Archäologen auch die Ruinen der Burg untersucht. Dabei legten sie die Fundamente des Bergfrieds und Überreste der Keller frei und fanden mittelalterliche Keramik, Metallgegenstände sowie einen goldenen Ring aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Funde lieferten neue Erkenntnisse über den Grundriss der Festung und ihre verschiedenen Ausbauphasen.
Die Burg in Koło in Visualisierungen
Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse, historischer Quellen und der erhaltenen Ikonografie erstellte Michał Szymankiewicz eine eigene Rekonstruktion der Burg aus der Zeit ihrer Blüte. Das Modell entstand unter Verwendung der Programme SketchUp und Photoshop sowie von auf künstlicher Intelligenz basierenden Werkzeugen. Der Autor betont, dass es sich bei den Visualisierungen um eine Interpretation auf der Grundlage der verfügbaren Materialien handelt, weshalb er Ungenauigkeiten nicht ausschließt. Das Ergebnis ermöglicht es jedoch, die Ruinen aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten und sich die königliche Residenz vorzustellen, die über Jahrhunderte hinweg zu den bedeutendsten Festungen des mittelalterlichen Großpolens gehörte.
Quelle:zabytek.pl
Visualisierungen: Arch. Michał Szymankiewicz
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