Der Entwurf von RIL Studio gewann den ersten Preis im Wettbewerb für den „Ort der lokalen und bibliothekarischen Aktivitäten“ (MALiB) in Piaseczno und überzeugte die Jury durch seine Analyse des historischen Kontexts, seine klare funktionale Struktur sowie eine Architektur, die Zurückhaltung mit Zeitlosigkeit verbindet. Das Siegerprojekt erhielt bereits in der ersten Bewertungsphase die volle Punktzahl aller sieben Jurymitglieder und erzielte in der Endabstimmung fünf von sieben Punkten.
Ausgangspunkt für das Konzept von RIL Studio war die historische Molkerei, deren architektonische und kompositorische Vorzüge als Grundlage für das gesamte Projekt herangezogen wurden. Die Architekten erkannten die Symmetrie des historischen Baukörpers und der Fassaden und nutzten diese als Ordnungsprinzip für den Neubau. Der Anbau wurde axial zum bestehenden Gebäude ausgerichtet, wodurch ein kohärenter, klarer Grundriss entstand, in dem die Beziehung zwischen dem historischen und dem modernen Element natürlich und logisch ist.
Der neue Baukörper knüpft nicht nur in seiner Komposition, sondern auch in der Höhe und der horizontalen Gliederung der Fassade an die Molkerei an. Dadurch behält das Gesamtensemble eine dem Ort angemessene Maßstäblichkeit bei und erfüllt gleichzeitig die Anforderungen des Funktionsprogramms, ohne das historische Gebäude zu dominieren.
Ein zur Stadt hin offener Raum
Das entworfene Gebäude nimmt den östlichen Teil des Grundstücks ein und bildet die Straßenfront der Dworcowa-Straße, während es sich im Westen zu einem großen grünen Platz hin öffnet, der mit den Flächen des Bildungs- und Multimediazentrums (CEM) verbunden ist. Gerade die Beziehung zum CEM war entscheidend für die räumliche Gestaltung – die Grünfläche vor dem MALiB wurde als natürliche Erweiterung der öffentlichen Freiflächen konzipiert und stärkt so die Integration beider Objekte.
Zentrales Element der Komposition ist eine zweistöckige Glasbrücke, die den alten und den neuen Teil des Gebäudes miteinander verbindet. Sie beherbergt die Rezeption, eine von beiden Seiten zugängliche Passage sowie die Bibliothek – das symbolische Herzstück des MALiB. Die transparente Struktur integriert nicht nur das gesamte Objekt räumlich, sondern unterstreicht auch die Eigenständigkeit der historischen Molkerei und hebt deren Vorzüge hervor.

Klare Funktionsaufteilung
Das Nutzungskonzept des Gebäudes wurde in zwei Hauptblöcke unterteilt. Im neuen Teil sowie in der südlichen Hälfte der Molkerei wurden öffentliche Funktionen untergebracht: eine Galerie, eine Bibliothek, ein Fab Lab und ein Mehrzweckraum. Der nördliche Teil des historischen Gebäudes ist für Verwaltungsfunktionen vorgesehen, mit einem separaten Eingang und einer Erschließung über die ursprüngliche Treppe.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Mehrzwecksaal mit amphitheaterartigem Zuschauerraum, dessen oberes und unteres Niveau jeweils mit dem Erdgeschoss und dem Untergeschoss verbunden sind. Die durch bewegliche Trennwände abgetrennten Seitengalerien dienen gemäß dem Programm des MALiB als Ausstellungsräume, und ihre Lage an den verglasten Fassaden sorgt für eine visuelle Verbindung zum Außenbereich. Der Saal verfügt zudem über einen separaten Eingang auf der Südseite, wodurch er bei Veranstaltungen eigenständig genutzt werden kann.

Im Obergeschoss ist ein Fab Lab geplant, dessen Anordnung dank der Konstruktion mit großer Spannweite – derselben, die auch im Mehrzwecksaal zum Einsatz kommt – flexibel verändert werden kann. Diese Lösung entspricht dem Bedürfnis, Räume zu schaffen, die sich an zukünftige, heute noch unbekannte Aktivitäten anpassen lassen.
Begründung des Urteils
Die Jury vergab den ersten Preis für die treffende Erkennung des Potenzials des historischen Gebäudes und die Schaffung einer funktionalen und architektonischen Anordnung, die es Alt und Neu ermöglicht, ihre Vorzüge gegenseitig zu verstärken. Hervorgehoben wurden der zurückhaltende, schlichte Stil der entworfenen Architektur, der gegenüber vergänglichen Moden beständig ist, sowie die bescheidene Größe des Gebäudes, die trotz des umfangreichen Programms beibehalten wurde.
Anerkannt wurden zudem der rationale funktionale Grundriss, die durchdachte Anordnung der einzelnen Funktionen sowie die Flexibilität der Räume, die als Kulisse für vielfältige lokale Aktivitäten dienen können.
Empfehlungen für die weitere Arbeit
Die Wettbewerbsjury wies zudem auf Bereiche hin, die noch verfeinert werden müssen. Zu den Empfehlungen gehörten: die Prüfung der Möglichkeit, die Verglasungsflächen zu reduzieren, um die Energieeffizienz zu verbessern, die Optimierung der Organisation der Technikräume, eine bessere Verkehrsanbindung der unteren Ebene des Mehrzwecksaals an das Erdgeschoss, die Überprüfung der Übereinstimmung des Entwurfs mit den Vorschriften zum Katastrophenschutz sowie die Erwägung der Realisierung eines Eingangsportals zur Molkerei unter Berücksichtigung ihrer historischen Form.
Entwurf: RIL STUDIO Architekturbüro
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