Svencelė

Svencelė. Die Litauer bauen ihr kleines Amsterdam

Das kleine Dorf Svencelė an der Westküste Litauens unweit von Klaipėda hat in den letzten Jahren einen spektakulären Wandel erlebt. Die ehemalige Küstensiedlung wurde in ein ausgedehntes System aus Kanälen, Anlegestellen und Häusern umgewandelt. Auch heute wächst Svencelė weiter und erinnert in ihrem Erscheinungsbild an niederländische Siedlungen am Wasser.

Die Geschichte von Svencelė

Svencelė war lange Zeit eine unbekannte Siedlung, die irgendwo am östlichen Ufer des Kurischen Haffs lag. Auf ihrem Gelände befand sich eine große Entenfarm, die nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Litauens Anfang der 90er Jahre ihren Betrieb einstellte. Mit der Zeit zog der verlassene Ort Kitesurfer an. Die malerische Lage inmitten von Dünen sowie die besonderen Windverhältnisse sorgten dafür, dass Svencelė unter Sportlern schnell an Bekanntheit gewann. Fast zwei Jahrzehnte lang prägten vor allem Wohnmobile, Zelte und provisorische Infrastruktur das Bild der Küste. Anfang der 2010er Jahre kam es jedoch zu einer großen Veränderung, die diesen Teil Litauens für immer revolutionieren sollte. Damals begann der Unternehmer Dainius Šatkus gemeinsam mit dem Architekturbüro Do Architects mit den ersten Maßnahmen zur Neugestaltung der Küste. Umgebaute Transportcontainer wurden in Bars, Geschäfte, Kitesurfschulen und kleine Hostels verwandelt. Auf diese Weise entwickelte sich Svencelė innerhalb kürzester Zeit zu einer bekannten Tourismusmarke.

Die Entstehung einer Siedlung auf dem Wasser

Die erste Entwicklungsphase konzentrierte sich auf den Sport, doch mit der Zeit begann bei den Architekten von Do Architects ein umfassenderes Konzept für ein neues Svencelė zu keimen. Um das Jahr 2020 herum begann der visionäre Bau eines Systems aus Kanälen, künstlichen Inseln und Reihenhäusern, die direkt am Wasser errichtet wurden und über eigene, winzige Anlegestellen verfügten. Teile der entstehenden Bebauung begannen nach und nach, den Umfang und das Erscheinungsbild des gesamten Ortes zu verändern. Mit dem Ausbau der Infrastruktur kamen neue Nutzer hinzu. Zu den Kitesurfern gesellten sich Segler, Naturliebhaber und Menschen, die einen ruhigen Wohnort in engem Kontakt mit der Natur suchten. Die Entwicklung erstreckte sich auch auf große Gebiete in der Umgebung. In den letzten Jahren ziehen die Regionen um Svencelė zahlreiche Investoren an, und entlang der neuen Kanäle entstehen weitere Ferien- und Ganzjahreshäuser.

Svencelė

Die Wasserlandschaft von Svencelė – tief in der Geschichte verwurzelt

Wie die litauische Stadtplanerin Andrė Baldišiūtė betont, hat das Leben am Wasser in der Region Klaipėda eine lange Tradition. Seit über 400 Jahren bewirtschaften die Menschen hier die Überschwemmungsgebiete und meistern dabei schwierige und anspruchsvolle Bedingungen. Es wurden Deiche gebaut, Polder angelegt und Kanäle gegraben, die es ermöglichten, den Wasserstand zu kontrollieren und landwirtschaftliche Flächen zu nutzen. Das heutige Svencelė knüpft an diese Erfahrungen an und verleiht ihnen eine neue Funktion. Die Kanäle dienen heute als Erholungselemente und Raum für Wohnbebauung. Früher nutzten die Bewohner der Region das Wissen niederländischer Ingenieure, die sich mit der Bewirtschaftung von Feuchtgebieten befassten. Heute tauchen diese Inspirationen aus den Niederlanden erneut auf, in der Diskussion über Wasserwirtschaft und die Pflege der aus der Lagune zurückgewonnenen Flächen.

Weitere Pläne für das litauische Venedig

Die Präsenz des Wassers bestimmt die Richtung der weiteren Entwicklung des Ortes. Svencelė, mit eigenem Hafen und einem wachsenden Kanalnetz, markiert immer deutlicher seine Präsenz im Wassertourismus-System des Kurischen Haffs. Segelrouten führen von hier aus in Richtung Klaipėda, Neringa, die Insel Rusnė oder das Kap Ventė. Die regionalen Behörden arbeiten derzeit an einem umfassenden Konzept für die Entwicklung dieser Gegend. Das Dokument soll die künftige Bebauung und Infrastruktur regeln und Standorte für weitere Kanalabschnitte festlegen, um Chaos zu vermeiden. Auch der Ausbau des historischen König-Wilhelm-Kanals wird in Betracht gezogen. Jeder neue Abschnitt des Wasserstraßennetzes verwandelt das ehemalige Küstendorf nach und nach in eine weitläufige Siedlung, die mit der malerischen Landschaft des Kurischen Haffs verbunden ist.

Quelle:DoArchitects

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