fot. Norbert Essl, wikimedia, CC 4.0

symbolische Hülle“ in der alten Jakobuskirche in Thal

Unweit der österreichischen Stadt Graz befindet sich in der Kleinstadt Thal die spektakulär bunte St. Jakobskirche. Hinter den expressiven Farben und der Anhäufung von Symbolen steht der Künstler Ernst Fuchs, ein bekannter Mitbegründer der Wiener Schule des Phantasierealismus. Der kühne neue Entwurf wurde der bestehenden Kapelle hinzugefügt, und das Ganze befindet sich auf den Ruinen der Burg. Interessanterweise wurde Arnold Schwarzenegger in der alten Kirche in Thal getauft.

Die beiden Fuchs

Historische Dokumente weisen darauf hin, dass die Pfarrei in Thal bereits im 14. Jahrhundert existierte. Die auf einer kleinen Anhöhe gelegene Kirche war ursprünglich Teil des Schlosses, doch brannten beide Gebäude Anfang des 18. Gleichzeitig wurde die kleine Friedhofskapelle zu einer einschiffigen Kirche mit einem hohen Turm und einer Turmspitze ausgebaut.

Die Jakobskirche in Thal blieb in dieser schlichten Form bis in die 1970er Jahre bestehen, als die Gemeinde begann, Spenden für eine Erweiterung zu sammeln. Damals scheiterte dieser Plan, doch 1987 verpflichtete sich der Bischof der Diözese Graz-Seckau, den Wiederaufbau der kleinen Kapelle zu unterstützen.

Der Bischof hielt sein Wort und die Aufgabe der Erweiterung wurde Fuchs und dem Architekten Manfred Fuchsbichler anvertraut. Über den ersteren konnten Sie bereits HIER und HIER lesen, aber was den Architekten betrifft, so sollte erwähnt werden, dass Fuchsbichler zur gleichen Zeit mit einem anderen phantasievollen Künstler, Friedensreich Hundertwasser, zusammenarbeitete. Aus der Zusammenarbeit zweier so kreativer und ausdrucksstarker Künstler entstand eines der interessantesten Werke der Gesamtkunst.

photo by PaulT Gunther Tschuch, wikimedia, CC 4.0

Tempel der Pilger

Fuchs wollte, dass die Kirche schon von weitem auffällt. Aus diesem Grund wurden die trapezförmigen Dächer der neuen Kapelle an den alten, aber wieder aufgebauten Block angefügt. Die lackierten, patinierten Dächer bilden eine schräge, spitze Form, die an die Struktur von Kristallen oder Muscheln erinnert. Diese moderne Struktur wächst in das historische Kupferdach der alten Kapelle hinein. Die sanft blauen Wände der Kirche werden durch das Rot des historischen Turms unterbrochen. Aber das interessanteste Element der Fassade ist vielleicht der Kieselsteinstuck der Fenster und Wände. Es gibt keine klassischen barocken Fenstereinfassungen, sondern nur Kieselsteineinfassungen, die mit einem Kreuz versehen sind.

Zwischen den Kieselsteinmustern finden sich Christogramme (IHS, Chi Rho), ein Marienmonogramm (MA) und die griechischen Buchstaben Alpha und Omega (Anfang und Ende). Interessanterweise befindet sich auf der Rückseite ein doppelköpfiger Habsburger Adler, der in der gleichen Technik hergestellt wurde. Das Kies spielt auf die Pilger an, die vom Schutzpatron der Kirche, dem Heiligen Jakobus, bewacht werden sollen. Ein weiterer interessanter Hinweis sind die Hörner des Widders, die als Griff für die Kirchentür dienen. Das Lamm war schließlich Teil des reichhaltigen Opfers der Israeliten im Alten Testament.

Typisch für Fuchs ist jedoch die Pracht der Symbolik und der Farben im Inneren. Die Hauptkapelle auf trapezförmigem Grundriss wirkt wie eine Kulisse aus einem Traum. Die von außen bekannten Klinkerfurniere sind mit goldenen Muscheln mit bunten Bordüren verziert. Noch geheimnisvoller ist der grüne Eingang, der aus Jadeschattierungen und einem bunten Auge der Vorsehung besteht, das von einem hebräischen Tetragramm gekrönt wird. Aus diesem Jadesockel ragt ein Lebensbaum mit sieben Armen und mehreren farbigen Muscheln hervor. Die Vermischung von bereits verwandten jüdischen Symbolen mit späteren christlichen Symbolen (dem Christogramm) ist ein obligatorisches Merkmal der Kunst von Ernst Fuchs.

photo by PaulT Gunther Tschuch, wikimedia, CC 4.0

Es gibt keine Zufälle

Ebenso geheimnisvoll und farbenfroh sind die Balken des freigelegten Dachstuhls. Die bunten Balken bilden das Symbol des Regenbogens, ein Zeichen für den Bund mit Gott und seine Verheißung. Das faszinierende Dachskelett lenkt den Blick des Pilgers auf den Glasaltar. Das wichtigste Element des Altars ist natürlich das Kreuz aus italienischem Muranoglas und Swarovski-Kristallen. Dahinter befindet sich ein Buntglasfenster, das eine Interpretation eines Renaissance-Gemäldes der Muttergottes, der Helferin der Gläubigen, darstellt. Interessanterweise handelt es sich um ein monochromes Glasfenster, das mit der Grisaille-Technik (Grautöne) hergestellt wurde.

Auf der rechten Seite des Altarbildes hat Fuchs das Motiv der Berufung der Apostel Petrus und Andreas am See Genezareth dargestellt. Natürlich verwendete der Künstler intensive, fast psychedelische Farben, ein Markenzeichen der Schule des fantastischen Realismus. Auf der linken Seite des Altarbildes ist dagegen die Verklärung dargestellt. Interessanterweise ähnelt Jesus auf beiden Gemälden Moses, was das allgegenwärtige Motiv der Verknüpfung und Kontinuität alttestamentlicher Motive mit neutestamentlichen Ereignissen vervollständigt.

photo by PaulT Gunther Tschuch, wikimedia, CC 4.0

Hinter den Jakobsmuscheln

Nach einer so ausführlichen Beschreibung der symbolischen Anhäufungen kann man sich immer noch über die Bedeutung der Muscheln wundern. Sie finden sich in fast jedem Designelement, und selbst die Kunststoffsitze ähneln Muscheln. Dies ist das zweite wichtige Motiv, das mit St. James in Verbindung gebracht wird. Die Jakobsmuschel ist in erster Linie ein Symbol der Pilger und ähnelt in ihrer Form einer Jakobsmuschel. Es sind Muscheln wie diese, die auf den Jakobsweg hinweisen, der zum Grab des Apostels in Santiago de Compostela in Spanien führt.

Die 1994 eingeweihte neue Kirche zieht mit ihrer ungewöhnlichen Form und ihrem spektakulären Innenraum viele Touristen an, die den kühnen Anbau manchmal als architektonische Abscheulichkeit empfinden. Die Kunst von Fuchs und all die psychedelischen Merkwürdigkeiten, die sie mit sich bringt, sind nicht jedermanns Sache. Aber man muss zugeben, dass sie etwas noch nie Dagewesenes hat.

Quelle: Steiermark

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