Syrien schlägt ein neues Kapitel in seiner Geschichte auf, nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch monetär. Ab dem 1. Januar 2026 sind brandneue syrische Banknoten im Umlauf – ohne Bilder von Bashar al-Assad und seinem Vater, dafür aber mit floralen Motiven, die eine andere Geschichte des Landes erzählen als bisher. Die Währungsreform, die auf einer Pressekonferenz am Sitz der syrischen Zentralbank angekündigt wurde, ist eine der symbolträchtigsten Gesten der neuen Behörden nach dem Sturz des Regimes. Es handelt sich nicht nur um eine Finanzoperation, sondern auch um einen Versuch, die nationale Identität neu zu definieren. Im Rahmen der Reform sind zwei Nullen von den Banknoten verschwunden.
Der Gouverneur der Bank, Abdulkader Husrieh, betonte, dass die Währungsumstellung Teil einer breit angelegten Strategie zur Wiederherstellung des Vertrauens in die Institutionen des Staates sei. Die Umstellung, bei der zwei Nullen aus den bestehenden Banknoten gestrichen wurden, soll den täglichen Zahlungsverkehr vereinfachen und die Notwendigkeit verringern, Taschen voller Bargeld mit sich zu führen, was nach Jahren der Hyperinflation zur traurigen Regel geworden ist. 90 Tage lang werden die alte und die neue Währung parallel laufen, und alle Bankguthaben werden automatisch in das neue Syrische Arabische Pfund umgerechnet.
Obwohl die Reform auch eine technische Dimension hat, ist es das Aussehen der neuen Banknoten, das die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht. Statt politischer Porträts zeigen sie florale und landwirtschaftliche Motive – Symbole, die das tägliche Leben und die Wirtschaft Syriens seit Jahrhunderten prägen. Auf den Banknoten sind Rosen, Weizen, Oliven, Orangen und Maulbeeren abgebildet. Jedes dieser Elemente hat seine eigene Geschichte. Ein Beispiel ist der 10-Pfund-Schein mit einer Damastrose und einem Schmetterling. Im Jahr 2019 wurde die Damaszener Rose als Element des syrischen Kulturerbes in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die 500-Pfund-Banknote ist mit Weizen verziert, der an die Rolle Syriens als eines der ältesten landwirtschaftlichen Zentren erinnert; Oliven und Orangen verweisen auf das mediterrane Klima und die Anbautraditionen, die selbst die härtesten Jahre überdauert haben; und Maulbeeren erinnern an die Geschichte der Seidenzucht, die einst für die Region wichtig war.
Die neuen Geldscheine sollen nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch sicher sein. Bereits im Mai 2025 gaben die Behörden bekannt, dass die neuen Banknoten in Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten gedruckt werden sollen. Bislang wurden die syrischen Banknoten in Russland gedruckt.

Ahmed al-Sharaa, der die Banknoten bei einer Zeremonie in Damaskus vorstellte, sprach vom „Ende einer Ära“ und dem Beginn einer neuen Phase, in der die Währung die Gemeinschaft und nicht das Individuum widerspiegeln soll. Er betonte, dass die Stückelung allein die Wirtschaft nicht heilen werde, aber sie könne das tägliche Leben erleichtern und die Voraussetzungen für weitere Reformen schaffen. In seinen Worten schwang ein Hauch von Vorsicht mit – das Bewusstsein, dass das Land noch immer mit den Folgen von Krieg, Sanktionen und jahrelangem institutionellen Verfall zu kämpfen hat.
Die Einführung der neuen Geldscheine hat auch eine psychologische Dimension. Nach Jahren, in denen das syrische Pfund in schwindelerregender Geschwindigkeit an Wert verlor – von 47 Pfund pro Dollar im Jahr 2011 auf bis zu 25.000 Pfund auf dem Höhepunkt der Krise im Jahr 2024 – hat sich die Öffentlichkeit an einen stetigen Kaufkraftverlust gewöhnt. Heute, da der Wechselkurs bei 11.000 liegt, soll die neue Währung dazu beitragen, ein Gefühl der Normalität wiederherzustellen, auch wenn sie den realen Wert des Geldes nicht verändert. Die neuen Behörden setzen jedoch auf die Sanierung des Finanzsystems, die Stärkung der Institutionen und die Transparenz des Devisenmarktes, um die Grundlage für künftige Stabilität zu schaffen.
In Damaskus heißt es, dass dies die erste Reform seit Jahren ist, die Neugier statt Angst weckt. In einem Land, in dem Geld jahrzehntelang mit dem politischen Personenkult in Verbindung gebracht wurde, ist das Auftauchen von mit Pflanzen verzierten Banknoten – so gewöhnlich und doch so tief in der lokalen Kultur verwurzelt – eine erfrischende Abwechslung.
quelle: Zentralbank von Syrien
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