Das vom HAK Studio entworfene UMA-Geschirr ist ein Projekt, das über das traditionelle Verständnis von Design hinausgeht. Sein Ziel ist nicht nur Ästhetik oder Funktionalität, sondern eine echte Unterstützung bei der Wiedererlangung und Verbesserung des Geschmackserlebnisses. Es ist eine Antwort auf das wachsende Problem des Verlusts oder der Beeinträchtigung des Geschmackssinns, das sowohl ältere Menschen als auch COVID-19-Patienten betrifft. Untersuchungen zufolge sind bis zu drei von zehn Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus in ihrer Geschmackswahrnehmung beeinträchtigt, und unter den Senioren kämpft ein Drittel mit einer Verschlechterung der sensorischen Funktion.
Das UMA-Projekt ist aus der Gastrophysik hervorgegangen, der Wissenschaft, die die Beziehung zwischen dem Gehirn und dem Essen untersucht. Die Forschung von Professor Charles Spence zeigt, dass Geschmack nicht nur das Ergebnis der Geschmacksknospen ist, sondern das Ergebnis eines komplexen Prozesses, an dem alle Sinne beteiligt sind. Farbe, Form, Klang, Temperatur oder das Material der Speise können den Geschmack verstärken oder sogar eine Illusion erzeugen. Das Gehirn bildet Erwartungen, noch bevor das Essen in den Mund gelangt, was bedeutet, dass ein Gericht mit reduziertem Zuckergehalt durch entsprechend gestaltete Hilfsmittel süßer oder ein Gericht mit reduziertem Salzgehalt ausgeprägter erscheinen kann.
Auf der Grundlage dieses Wissens hat das HAK Studio zwei Teller entworfen, die die Wahrnehmung von süßen und salzigen Aromen verstärken sollen. Ihre Form und Beschaffenheit wurden entwickelt, um bestimmte Empfindungen visuell und taktil zu verstärken. Inspiriert wurden sie von den in Midjourney erzeugten Bildern, die in einer Studie mit zwanzig Personen die Geschmacksillusion bei Teilnehmern ohne Nahrung hervorriefen. Diese visuelle Erfahrung war der Ausgangspunkt für die Gestaltung der Gerichte.

Das Studio arbeitet derzeit an weiteren Elementen des Geschirrs, um den Umami- und Säuregeschmack zu intensivieren, und zwar ohne Verwendung von Mononatriumglutamat oder Zitronensäure. Dies ist ein Schritt in Richtung einer gesünderen Ernährung, bei der Salz, Zucker und künstliche Zusatzstoffe reduziert werden, ohne dass das kulinarische Erlebnis darunter leidet.
UMA ist nicht nur ein Designprojekt, sondern auch ein Manifest für einen neuen Umgang mit Lebensmitteln. Es zeigt, dass Geschmack durch eine multisensorische Erfahrung geformt werden kann und dass richtig gestaltetes Geschirr gleichzeitig ein therapeutisches und ästhetisches Werkzeug ist. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen mit dem Verlust des Geschmacks zu kämpfen haben, gibt UMA Hoffnung auf dessen Wiederherstellung – nicht durch Pharmakologie, sondern durch den bewussten Einsatz von Wissenschaft und Design.
Das UMA-Projekt wurde im Rahmen des Wettbewerbs make me! 2025 ausgezeichnet, das in Verbindung mit dem Łódź Design Festival organisiert wurde.
gestaltung: HAK Studio (Żanetta Korsak, Paweł Lasota)
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