Der Ještěd Tower and Hotel ragt über Liberec auf und sieht aus wie ein außerirdisches Schiff. Die Idee der tschechischen Architekten hat jedoch wenig mit dem Weltraum zu tun, und das Projekt wurde aus der futuristischen Faszination der 1960er Jahre geboren. Das 94 m hohe Gebäude ist auch ein seltenes Beispiel für die Kombination von technischer Infrastruktur mit einer Hotelfunktion, und seine Lage auf dem Gipfel des Ještěd-Bergs garantiert eine unglaubliche Aussicht. Interessanterweise ist der Turm eines der beliebtesten Gebäude in der Tschechischen Republik und ein Zeichen für die 1960er Jahre.
Visionär
Ursprünglich befanden sich auf dem Jeszted die Gebäude einer Hütte aus dem 19. Jahrhundert, doch 1960 brannten die Holz- und Steinbauten ab. Die Besitzer der ausgebrannten Hütte erklärten sich zur Zusammenarbeit mit dem Rundfunkrat in Prag bereit, der den Bau eines Fernsehturms mit Hotel und Restaurant in Auftrag gab. Ursprünglich sollte sich das Bauwerk nicht wesentlich von anderen Infrastrukturbauten dieser Art unterscheiden, doch der Architekt Karel Hubáček hatte eine etwas andere Idee. Hubáček nutzte die politische Liberalisierung der Tschechoslowakei in den frühen 1960er Jahren, um andere Architekten von dem Projekt zu verdrängen und seine Vision zu verwirklichen.
Der visionäre Architekt wollte etwas Neues, eine neue, auf modernen Technologien basierende Architektur, die die Funktion, aber auch die Ästhetik der Gebäude der Zukunft verbessern sollte. Obwohl der Hightech-Stil erst ein Jahrzehnt später aufkam, hatte Hubáček den Kern dieser Ästhetik bereits Anfang der 1960er Jahre entwickelt, weshalb der Jeszted-Turm ein unglaubliches Hightech-Gebäude ist, das noch heute seinen Zweck erfüllt.
Der Gipfel der Ästhetik
Auf einer Höhe von ca. 1012 m gelegen, gleicht das Bauwerk einer natürlichen Verlängerung des Gipfels. Die Form ist ein einteiliges Hyperboloid, das den rauen Wetterbedingungen auf dem Gipfel des Berges perfekt standhält. Die konische Struktur steht auf einem großen zylindrischen Sockel, in dem sich der Eingang und das Restaurant befinden. Der 94 m hohe Kegel wiederum ist mit eloxiertem Aluminium verkleidet, aber es ist nicht das Metall, das für die Stärke der Struktur verantwortlich ist. Interessanterweise sind die oberen Stockwerke mit laminierten Paneelen und Glasfaserstäben verkleidet, die das Signal des Turms nicht beeinträchtigen.
Das gesamte Gebäude basiert auf einem starken Stahlbetonkern. Dieser ist nicht nur ein strukturelles Element, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil der Ästhetik des Gebäudes. Die Wände der ersten Stockwerke sind mit faltigem, gewelltem und wirbelndem Beton verkleidet. Darüber hinaus sind in die Wände gläserne Halbkugeln der bekannten Bildhauer Stanislav Libensky und Jaroslava Brychtova eingelassen. Die Skulpturen sollen in den Fels eingelassene Meteoriten symbolisieren. Dieses Element korrespondiert gut mit der Steinwand im Außenbereich.
Eine um den Kern herumgeführte Treppe führt zu den weiteren Etagen. Die gefliesten Gänge dieses Abschnitts unterstreichen die Eleganz des etwas privateren Bereichs des Gebäudes. Ein wichtiges Element ist auch das von Jaroslav Klápštěgo geschaffene Trenngitter, das wie ein modernistisches Gemälde wirkt. In den oberen Stockwerken befinden sich das Restaurant, die Diensträume des Fernsehturms und der Hotelbereich. Die Zimmer im vierten Stock hingegen bieten Platz für bis zu 56 Personen.

Hightech
Es ist erwähnenswert, dass weder die Form selbst noch der Stahlbetonkern das Gebäude unter solch extremen Bedingungen halten würde. Normalerweise erreichen die Winde auf dem Gipfel Geschwindigkeiten von 20 bis 40 km/h, aber sehr starke Böen könnten ein so hohes Bauwerk umstürzen. Aus diesem Grund konstruierte der Ingenieur Zdeněk Patrman ein großes Pendel, das dem Kippen des Gebäudes entgegenwirkt. Diese Technik ist nichts anderes als ein abgestimmter Massendämpfer, ein Mechanismus, der von den höchsten Gebäuden der Welt bekannt ist. Interessanterweise kamen moderne Großdämpfer erst in den 1970er Jahren zum Einsatz, während die Tschechen das Pendel bereits in den 1960er Jahren zur Stabilisierung des Gebäudes verwendeten.
Trotz des schwierigen Endes des Jahrzehnts für die Tschechoslowakei wurde der Bau fertiggestellt, auch wenn die Eröffnung des Turms bis 1973 auf sich warten ließ. Hubáčeks Traum von Hightech-Architektur wurde im folgenden Jahrzehnt wahr, und sein Turm wurde zu einem unsterblichen Beispiel für die Ambitionen des tschechoslowakischen Designs. Den Architekten, Ingenieuren und Künstlern ist es gelungen, den Futurismus mit der natürlichen Umgebung zu verbinden. Darüber hinaus ist der Turm durch seine konische Form in die tschechische Kultur eingedrungen, die sich beispielsweise in der Flagge der Region Liberec wiederfindet.
Quelle: UNESCO
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