Magdalena Lenartowicz‘ Arbeiten erforschen die komplexen Beziehungen zwischen Form, Farbe und Raum. Die organischen Farbverläufe und subtilen Texturen ihrer Bilder werden zu einem zeitgenössischen Medium, das zum Nachdenken über die Vergänglichkeit der Natur anregt. Die interdisziplinäre Künstlerin, die ihre Werke bereits in Warschau, New York, Paris und Monaco präsentiert hat, entwickelt ihre visuelle Sprache weiter und entfernt sich dabei von klassischer Dekorativität. Sie tritt in einen Dialog mit dem Betrachter und dem Raum und schafft Kompositionen, die gleichzeitig kontemplativ und einnehmend sind. Heute betrachten wir die Entwicklung ihres künstlerischen Weges, ihre Suche und die Emotionen, die das Schaffen begleiten.
Was war der erste Impuls, der dazu führte, dass Kunst für Sie nicht nur ein Zusatz, sondern ein Lebensweg wurde?
Magdalena Lenartowicz: Kunst begleitete mich lange Zeit als natürliche Sprache der Sensibilität, aber der Wendepunkt kam, als mir bewusst wurde, dass sie nicht mehr nur eine Ausdrucksform ist, sondern ein Werkzeug, mit dem man realen Einfluss auf den Raum und den Menschen nehmen kann. Ich habe verstanden, dass Bilder Orte mitgestalten, eine Atmosphäre schaffen, Emotionen und den Alltag regulieren können. Damals hörte die Kunst auf, „neben” meinem Leben zu existieren, und wurde zu dessen Struktur, zu einer bewussten Berufswahl und zu einer Verantwortung. Das war ein schöner Moment in meiner Entwicklung als Mensch, Frau, Ehefrau und Mutter.
Ist das Schaffen für dich heute ein Bedürfnis, eine Pflicht, ein Dialog mit der Welt oder eine Form der persönlichen Freiheit?
Auf jeden Fall ein Dialog zwischen Materie, Raum und Rezipient. Es ist auch eine Form verantwortungsvoller Freiheit: Ich kann mir Intuition erlauben, aber immer mit Blick auf den Kontext, in dem das Werk funktionieren wird. Zeitgenössische Kunst existiert nicht im Vakuum, sie ist Teil eines größeren Systems: Architektur, Design und Wirtschaft. Ich betrachte sie als ein Werkzeug zur bewussten Gestaltung von Emotionen im Raum.
Hat die Mutterschaft Ihre Sensibilität und Ihre Sichtweise auf die Kunst beeinflusst?
Die Mutterschaft hat meine Achtsamkeit noch weiter vertieft. Sie hat meine Wahrnehmung von Zeit, Prozess und Sinn des Schaffens verändert. Ich bin mir der Auswirkungen der Umgebung auf den Menschen, sein Gefühl von Sicherheit, Ruhe und Harmonie bewusster geworden. Diese Erfahrung hat mein Interesse an Kunst, die in alltäglichen Räumen wie Wohnungen, Büros und öffentlichen Orten funktioniert, noch verstärkt. Kunst, die unterstützt, statt dominiert. Es ist auch die Akzeptanz meiner Sensibilität und der Sensibilität meiner Kinder.
Wie vereinbarst du intensive kreative Arbeit mit dem Alltag und wo suchst du dein Gleichgewicht?
Ich schaffe Balance durch Struktur und Flexibilität zugleich. Ich arbeite projektbezogen, oft in Zusammenarbeit mit Architekten und Investoren, was Präzision und Termintreue erfordert. Gleichzeitig lasse ich Raum für den kreativen Prozess, der nicht immer planbar ist. Entscheidend für mich ist ein bewusstes Energiemanagement, sowohl bei der Arbeit als auch im Privatleben. So kann ich nicht nur das Tempo, sondern auch die Qualität aufrechterhalten.

Was fasziniert Sie am meisten am Dialog zwischen Architektur und Innenraum als Raum für Kunst?
Am meisten fasziniert mich der Moment, in dem Kunst nicht mehr nur ein Zusatz ist, sondern zu einem integralen Bestandteil des Projekts wird. Ich arbeite gerne mit Architekten zusammen, die Bilder wie ein Material behandeln – gleichwertig mit Holz, Stein oder Licht. Eine solche Zusammenarbeit ermöglicht es, stimmige, zeitlose Projekte zu schaffen, in denen die Kunst die Erzählung des Innenraums verstärkt und seinen emotionalen und ästhetischen Wert steigert.
Was sind Ihre künstlerischen Pläne für die nächsten Jahre?
In den nächsten Jahren möchte ich Projekte an der Schnittstelle von Kunst, Architektur und Design sowohl in Polen als auch im Ausland entwickeln. Ich interessiere mich für größere Formate, ortsspezifische Projekte und die Zusammenarbeit bei Investitionen, bei denen Kunst zu einem Element der Standortstrategie wird. Parallel dazu plane ich Bildungsmaßnahmen und Vorträge, die zeigen, dass Mut in der Kunst mit ihrem kommerziellen Potenzial einhergehen kann.
Weitere Informationen: https://mlenartowiczart.com
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