Die Speicherinsel in Danzig diente über Jahrhunderte hinweg als Hafenrückzugsgebiet der Stadt. Heute verwandelt sich die Insel in ein dynamisches, facettenreiches Stadtviertel, in dem Geschichte und Moderne miteinander verschmelzen. Genau hier, in der Chmielna-Straße 10, entstand das „Ulu“ – ein Restaurant, das vom ersten Schritt an deutlich macht, dass hier nichts dem Zufall überlassen wird.
Das Interieur des Lokals wurde von den Architektinnen des Büros CUDO entworfen. Auf einer Fläche von 227 m² wurde ein Raum geschaffen, der nicht nur von einem neuen Ansatz in Sachen Gastlichkeit erzählt, sondern auch bewusst den Kontext des Ortes nutzt, an dem er sich befindet. Dieser Effekt konnte dank der engen Zusammenarbeit mit dem Investor und dem Eigentümer des Konzepts Woosabi erreicht werden.
Die Vision des gesamten Teams war klar: ein Interieur zu schaffen, das nicht vortäuscht, nicht verschönert und nicht dem Trend hinterherläuft. Die Materialien sollten für sich selbst sprechen – Erde und Feuer wurden zur Inspiration für die gesamte Komposition. Holz mit spürbarer Textur, Stein mit natürlichem Gewicht, Putz mit organischer Rauheit, geflochtene Polster, Messing und Leinen schaffen einen Raum, der nicht um Effekthascherei bemüht ist, sondern diese durch die Ehrlichkeit der Formen aufbaut.
Diana Sadłowska, die Urheberin des Konzepts, betont, dass es ihr wichtig war, einen Ort zu schaffen, der nicht im Katalog-Sinne perfekt ist. Sie wollte, dass das Interieur Geschichte, Licht und Struktur hat, dass es ein wenig an einen alten Tempel, ein wenig an ein Museum erinnert, aber in einer leichten, zeitgenössischen Interpretation. Ulu soll ein Ort sein, an dem man entschleunigen, essen, Wein trinken und einfach zusammen sein kann.
Das Licht ist hier das wichtigste Mittel zur Stimmungsgestaltung. Es lenkt nicht nur den Blick, sondern schafft auch Bildausschnitte, die sich im Laufe des Tages verändern. Die Beleuchtung hüllt den Innenraum ein, verleiht ihm Intimität und hebt gleichzeitig die wichtigsten Bereiche hervor – von der Bar bis zur zentralen Loge. Die Gestaltung des Restaurants basiert auf unterschiedlichen Sitzgruppen, die von einer mythischen Feuerstelle inspiriert sind. Symmetrische Nischen mit bogenförmigen Sitzgelegenheiten, ein Holzpodest mit großem Tisch, eine in Licht getauchte Bar und eine Skulptur, die die Sichtachse abschließt, schaffen einen vielschichtigen Raum, in dem jeder Gast seinen Lieblingsplatz finden kann.

Eines der faszinierendsten Elemente ist eine aus Spanien importierte Statue aus dem 19. Jahrhundert. Auf der Achse des Eingangs platziert, verleiht sie dem Innenraum eine zusätzliche symbolische Ebene. Diana Sadłowska suchte lange nach einer Skulptur, die zur Verkörperung der Göttin Ulu werden könnte. Repliken kamen nicht in Frage – sie waren zu neu, zu glatt. Eine authentische Skulptur mit kleinen Beschädigungen und Spuren der Zeit erwies sich als ideal. Ihre Präsenz unterstreicht die Idee, dass der wahre Wert in der Authentizität liegt.
Ulu ist nicht nur ein Restaurant, sondern auch ein Manifest für eine bestimmte Herangehensweise an Design und Gastfreundschaft. Es ist ein Raum, der sich nicht aufdrängt, sondern einlädt. Er protzt nicht, sondern weckt Emotionen. Er fügt sich in die Transformation der Speicherinsel ein und verleiht ihr eine weitere Dimension – ruhig, warm und bewusst gestaltet.
Entwurf: CUDO:
Fotos: Pietruszka Fotografia
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