fot. Unukorno, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Unterwassergondel in Zingst: Die Ostsee erkunden, ohne zu tauchen

Am Ende der 270 Meter langen Seebrücke im deutschen Zingst steht eine Konstruktion, die an ein Raumschiff erinnert. Tatsächlich handelt es sich um eine Unterwassergondel, die seit 2013 Touristen einige Meter unter die Oberfläche der Ostsee hinabführt. Man muss nur hineingehen, um das Meer aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen – und das ganz ohne Tauchen.

Die Unterwassergondel in Zingst

Die Unterwassergondel (dt. Tauchgondel) befindet sich ganz am Ende der Seebrücke in Zingst, einem beliebten Badeort auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Die Anlage wurde im Juni 2013 als vierte Gondel dieser Art in Deutschland in Betrieb genommen. Die Fahrt dauert etwa 30 bis 40 Minuten, und es können maximal 30 Personen an Bord gehen. Beim Eintauchen sinkt die Kabine etwa vier Meter unter die Wasseroberfläche und bleibt dabei etwa einen Meter über dem Grund. Die Gondel bewegt sich senkrecht entlang einer Führungsschiene, sodass die Fahrgäste kein Schwanken befürchten müssen, wie es bei kleinen Booten üblich ist. Von innen lassen sich Robben, Fische, Quallen, Krabben, Muscheln und Unterwasserpflanzen beobachten.

60 Tonnen Stahl und 17 dicke Scheiben

Hinter dieser scheinbar einfachen Attraktion verbirgt sich eine komplexe, mit modernster Technik ausgestattete Konstruktion. Die Gondel wiegt etwa 60 Tonnen und ist mit 17 Fenstern aus dickem Glas ausgestattet, durch die die Passagiere den Meeresboden der Ostsee beobachten können. Die schwere Gondel muss beim Abtauchen den Auftrieb überwinden, weshalb der gesamte Mechanismus mit einem elektrischen Antrieb betrieben wird. Die Konstruktion ist vollständig für den Einsatz in der rauen Meeresumgebung ausgelegt, in der die Anlagen ständig Wasser, Wellen und Korrosion ausgesetzt sind. Auch die Form der Gondel selbst ist interessant. Die abgerundete Kapsel am Ende eines langen, schmalen Piers erinnert ein wenig an ein Fahrzeug aus einem Science-Fiction-Film.

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Foto: Gerd Fahrenhorst, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Unterwassergondel in Zingst – Geschichte

Zingst war nicht der erste deutsche Badeort, der eine Unterwassergondel erhielt. Die bahnbrechende Konstruktion entstand 2006 in Zinnowitz auf der Insel Usedom. Später entstanden ähnliche Anlagen in Sellin auf Rügen und in Grömitz. Die Gondel in Zingst wurde 2013 als vierte Attraktion dieser Art an der deutschen Ostseeküste in Betrieb genommen. Die Geschichte der Mole selbst reicht jedoch viel weiter zurück. Die erste Holzkonstruktion in Zingst wurde 1882 errichtet. Das durch Stürme zerstörte Bauwerk wurde 1947 abgerissen, und die heutige Seebrücke wurde 1993 in Betrieb genommen. Sie ist 270 Meter lang und 2,5 Meter breit.

Die Ostsee hinter Glas – ein Unterwasserkino

Das Eintauchen in die Kapsel beschränkt sich nicht nur auf das passive Betrachten durch die Fenster. Das Personal erzählt vom Ökosystem der Ostsee, ihren Bewohnern und dem Schutz der Meeresumwelt. In der Gondel kommt zudem ein Unterwasser-3D-Kino zum Einsatz, dank dem man Lebewesen sehen kann, die man hinter den Scheiben gerade nicht entdecken konnte. Das ist besonders dann von Bedeutung, wenn das Wasser trüb ist und die Sichtverhältnisse schlecht sind. Die Unterwassergondel ist somit eine Kombination aus Touristenattraktion, Naturpädagogik und außergewöhnlicher Ingenieurskunst. Zingst liegt dabei relativ nahe an Polen. Von Świnoujście sind es etwa 140 km, von Stettin knapp 200 km. Für die Bewohner Westpommerns könnte dies also eine interessante Idee für einen Tagesausflug an die deutsche Küste sein – die genauso schön, vielleicht sogar noch schöner ist als die polnische.

Quelle: tauchgondel.de, zingst.de

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