Der Kirdiej-Palast aus dem 17. Jahrhundert in Vilnius soll in den Sitz eines städtischen Museums umgewandelt werden. Das Projekt zur Umgestaltung des Denkmals für eine völlig neue Funktion wurde vom Architekturbüro 2XJ Architects in Zusammenarbeit mit Senamiesčio projektai erarbeitet. Das Projekt betrifft eine der wertvollsten historischen Anlagen Vilnius‘, und die ersten Besucher sollen 2028 die Schwelle überschreiten. Das Projekt wird aus dem Stadtbudget finanziert und soll rund 7 Millionen Euro kosten.
Der Kirdiej-Palast in Vilnius erwacht zu neuem Leben
Der Komplex an der Barboros-Radvilaitės-Straße entstand zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Winterresidenz des litauischen Adels. In späteren Jahren geriet das Anwesen in den Bereich des Botanischen Gartens der Universität Vilnius und verlor nach und nach an Bedeutung, wodurch es verfiel und verödete. Im Jahr 2005 wurden der Palast, das Nebengebäude und die ehemalige Remise in die Liste der staatlich geschützten Objekte aufgenommen. Die damals begonnenen Bauarbeiten wurden nach dem Widerruf der Genehmigung unterbrochen. Infolgedessen stehen die Gebäude seit vielen Jahren in diesem unvollendeten Zustand.
Eine Familie aus dem Großfürstentum Litauen
Der Name des Schlosses geht auf das Geschlecht der Kirdiej zurück, das zu den bedeutendsten Bojarenfamilien des Großfürstentums Litauen gehörte. Seine Anfänge reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück, als Stammvater gilt der Bojar Kirdiej, von dessen Namen sich der Familienname ableitet. Die Kirdiejs bekleideten hohe staatliche und militärische Ämter, und ihre Ländereien erstreckten sich über das Gebiet des heutigen Litauens, Weißrusslands und der Ukraine. Interessanterweise gingen aus dieser Familie später bekannte Fürstenhäuser der Republik Polen hervor, darunter die Sanguszkos, Wiśniowieccy und Czetwertyńscy. Obwohl der heutige Palast erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts erbaut wurde, erinnert der Name der Residenz an den Einfluss und die Bedeutung des Geschlechts.

2XJ Architects setzten auf Geschichte
Die Neugestaltung des historischen Gebäudekomplexes mit dem Namen „Layers“ wurde vom Vilniuser Architekturbüro 2XJ Architects entworfen, das im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählt wurde. Die Architekten schlugen vor, die authentische Substanz des Denkmals so weit wie möglich zu respektieren, ohne große Eingriffe oder ein Facelifting. Die Hauptidee bestand darin, den gesamten Gebäudekomplex wie ein Museumsstück zu behandeln. 2XJ Architects wollen mit möglichst bescheidenen Mitteln weitere Schichten der Geschichte freilegen.
Arkaden, Innenhof und Neueröffnung
Im Zuge der Arbeiten werden die zugemauerten Arkadenöffnungen an der Nord- und Westfassade des Palastes wiederhergestellt. Auch die baufällige Ziegelmauer wird verschwinden und durch einen durchbrochenen Metallzaun ersetzt. Dadurch entsteht ein freier Blick auf den Innenhof. Der Innenhof selbst wird zu einem Ausstellungsort für größere Objekte mit Bezug zur Geschichte Vilnius’ und wird mit historischen Pflanzenarten bepflanzt, die aus dem botanischen Garten der Universität Vilnius aus dem 19. Jahrhundert bekannt sind. In den wärmeren Monaten werden dort Veranstaltungen im Freien und kulturelle Begegnungen stattfinden.

Der Kirdiej-Palast wird zum Museum von Vilnius
Der wichtigste Teil der Ausstellung wird im Hauptgebäude untergebracht. Im Erdgeschoss entstehen ein Besucherzentrum, ein Lesesaal, eine Buchhandlung und ein Bildungsbereich. Der zweite Stock ist für eine Dauerausstellung zur Stadtgeschichte vorgesehen, während der Dachboden für Wechselausstellungen genutzt werden soll. Im ehemaligen Nebengebäude soll ein Café entstehen, und in der historischen Remise werden Konferenzräume, Sammlungslager sowie die Verwaltungsräume des Museums untergebracht. Der neue Sitz im Kirdiej-Palast wird die zentrale Zweigstelle des Museums von Vilnius sein, das derzeit an mehreren verstreuten Standorten tätig ist.
Eröffnung im Jahr 2028
Nach Angaben der städtischen Gesellschaft Vilniaus vystymas sollen die Bauarbeiten in der ersten Hälfte des Jahres 2028 abgeschlossen sein. Anschließend werden über mehrere Monate hinweg die Ausstellungen vorbereitet. Die Stadt rechnet damit, dass die ersten Besucher die neue Einrichtung im dritten Quartal desselben Jahres besuchen werden. Die Kosten des gesamten Projekts könnten sich auf 7 Millionen Euro belaufen, wobei der endgültige Betrag erst nach Abschluss der Ausschreibungen bekannt sein wird.
Entwurf: 2XJ Architects
Fotos: Norbert Tukaj
Visualisierungen: 2XJ Architects
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