Grzybowska 73
fot. WhiteMAD/Mateusz Markowski

Warschau: An der Grzybowska-Straße 73 sind die Gerüste verschwunden

Das Wohnhaus in der Grzybowska-Straße 73 ist nun aus dem Gerüst hervortreten und nach mehrjährigen Bauarbeiten fast bereit für neue Mieter. Dieses Vorkriegsgebäude ist ein Entwurf von Szymon Syrkus, der ihm ein funktionalistisches Äußeres verlieh, hinter dem sich luxuriöse Wohnungen verbergen. Nach Abschluss der gesamten Umbauarbeiten wird das Objekt 14 Wohnungen beherbergen und unter dem Namen „The Suite“ firmieren.

Das modernistische Aushängeschild der Grzybowska

Das Mietshaus entstand in den Jahren 1935–1937 im Auftrag der Firma Hurwicz i S-ka. Sein Schöpfer war der bereits erwähnte Szymon Syrkus, ein führender Vertreter der Avantgarde der Zwischenkriegszeit und Mitbegründer der Gruppen „Blok“ und „Praesens“. Zu einer Zeit, als die Umgebung der Grzybowska-Straße hauptsächlich von traditionellen Mietshäusern und Industriegebäuden geprägt war, weckte Syrkus’ Entwurf durch seine schlichte Form und seinen deutlich funktionalistischen Charakter Neugier. Zentrales Element der Fassade war eine vertikale Verglasung des Treppenhauses, die als „Thermometerfenster“ bezeichnet wurde. Dazu kamen horizontale Fensterbänder der Wohnungen zur Straßenseite sowie Balkone zum Innenhof, glatte, schmucklose Fassaden und eine Keramikverkleidung im Erdgeschoss. Mitte der 1930er Jahre bot das Gebäude einen beeindruckend hohen Standard. Den Bewohnern standen unter anderem Zentralheizung und ein Aufzug zur Verfügung, während im Erdgeschoss Gewerbe- und Dienstleistungsräume untergebracht waren.

Foto: Ghelamco

Die Grzybowska 73 hat den Kampf gegen die Zeit verloren

Die Grzybowska 73 gehörte zu den wenigen Gebäuden in diesem Teil Warschaus, die den Zweiten Weltkrieg überstanden haben. Auch ihr Nachbarhaus mit der Hausnummer 71, das heute leer steht, hatte viel Glück. Nach 1945 war das von Szymon Syrkus entworfene Mietshaus weiterhin bewohnt, doch im Laufe der Jahre verschlechterte sich sein Zustand erheblich. Dennoch ist die ursprüngliche Fassadengestaltung erhalten geblieben, die den eleganten Warschauer Modernismus der Zwischenkriegszeit widerspiegelt.

Ein gerettetes Relikt in Wola

Nachdem Ghelamco die Immobilie vor einigen Jahren übernommen hatte, begann unter der Aufsicht des Denkmalschutzbeauftragten eine umfassende Sanierung. Der Umfang der Arbeiten, die notwendig waren, um das Wohnhaus aus seiner Ruine zu befreien, erwies sich als sehr groß. Im Rahmen dieser Arbeiten wurden die Innenräume, Decken und das Dach fast vollständig entfernt, wobei vor allem die Außenwände und das historische Treppenhaus erhalten blieben. Anschließend wurde im Inneren eine neue Konstruktion errichtet. Für das Konzept zeichnet das Architekturbüro Projekt Polsko-Belgijska Pracownia Architektury verantwortlich, das auch an der Realisierung des benachbarten Hochhauses The Bridge beteiligt ist.

Grzybowska 73
Foto: WhiteMAD/Mateusz Markowski

Grzybowska 73 erstrahlt wieder in neuem Glanz

Nach dem Abbau der Gerüste sind nun die meisten Ergebnisse der mehrjährigen Arbeiten zu sehen. Die Fassade hat ihren gebrochenen Weißton zurückerhalten, die Farbe und die Proportionen der Fenster sowie der vertikalen Verglasung des Treppenhauses wurden wiederhergestellt, und im Erdgeschoss wird derzeit eine braune Verkleidung angebracht. Zudem ist auf dem Dach ein weiteres Stockwerk entstanden. Das Gebäude präsentiert sich nun wieder in einer Form, die der aus der zweiten Hälfte der 1930er Jahre nahekommt.

Grzybowska 73
wiz. Ghelamco

Unter dem Namen „The Suite“ entsteht ein intimes Objekt mit 14 Wohnungen mit einer Fläche von etwa 54 bis 72 m². Im Inneren befinden sich unter anderem eine elegante Lobby, Abstellräume, eine Tiefgarage sowie ein Ladenlokal, das sich zur Grzybowska-Straße und zum Plac Europejski hin öffnet.

Quelle:Ghelamco,miastarytm.pl,Kamień i co? Wir retten Warschauer Denkmäler

Lesen Sie auch:Mietshaus|Warschau|Architektur in Polen|Modernismus|whiteMAD auf Instagram

Grzybowska 73 früher und heute. Foto: mamik/fotopolska.eu und whiteMAD/Mateusz Markowski

Grzybowska 73 im Jahr 2012 und heute. Foto: mamik/fotopolska.eu und whiteMAD/Mateusz Markowski