Die kultigen Überdachungen an der U-Bahn-Station „Metro Centrum“ werden verschwinden. Fast 30 Jahre lang waren diese blauen „Röhren“ ein fester Bestandteil des Warschauer Stadtbildes. Die halbrunden Überdachungen an der sogenannten „Pfanne“ wurden zudem zu einem Symbol der Hauptstadt aus der Zeit des Umbruchs. Nun werden neue Eingänge an ihre Stelle treten.
Metro Centrum – provisorisch für 30 Jahre
Die Station Centrum wurde 1998 eröffnet, drei Jahre nach der Inbetriebnahme des ersten Abschnitts der Warschauer U-Bahn zwischen Kabaty und Politechnika. Der Bau der M1 begann noch zu Zeiten der Volksrepublik Polen, doch nach 1989 hatte das Projekt mit finanziellen Problemen zu kämpfen, weshalb viele Elemente schnell und möglichst kostengünstig errichtet wurden. Genau so entstanden entlang der U-Bahn-Strecke die charakteristischen Eingänge. Sie wurden aus blau lackiertem Stahl gebaut und mit halbtransparentem Polycarbonat verkleidet. Die provisorischen Überdachungen sollten eigentlich nur wenige Jahre dienen, blieben aber letztendlich fast 30 Jahre lang in Warschau stehen.
Ein Symbol Warschaus der 90er Jahre
Die blauen Eingänge schützten die Rolltreppen vor Schnee, Regen und Wind, fungierten aber bald als Objekte von viel größerer Bedeutung. Sie tauchten regelmäßig in Filmen, Musikvideos und Fernsehsendungen auf, die das Warschau der Jahrhundertwende dokumentierten. Wichtig wurde auch die sogenannte „Pfanne“ an der U-Bahn-Station Centrum. Dabei handelt es sich um einen vertieften Betonplatz neben dem U-Bahn-Ausgang und der Unterführung unter dem Daszyński-Kreisverkehr, wo täglich Tausende von Menschen vorbeikommen. Genau dort fanden Konzerte, Proteste, Happenings und Treffen der Einwohner statt. Für viele Warschau-Kenner sind die blauen „Röhren“ ebenso kultig geworden wie die Neonreklamen, die Kioske der Ruch-Kette oder die Verkaufspavillons aus der Zeit unmittelbar nach 1989.

Die Warschauer U-Bahn verändert sich
Im Laufe der Zeit ersetzt Warschau nach und nach die charakteristischen Überdachungen der ersten U-Bahn-Linie. Die Eingänge an den Stationen Ratusz Arsenał, Politechnika und Pole Mokotowskie wurden bereits modernisiert. Die größten Veränderungen fanden jedoch entlang der Świętokrzyska-Straße während des Baus der zweiten U-Bahn-Linie statt, wo die ehemaligen halbrunden Eingänge durch gläserne „Schmetterlinge“ mit farbigen Verglasungen ersetzt wurden, die den einzelnen Stationen zugeordnet sind. Heute ist die Warschauer U-Bahn eine echte architektonische Chronik der verschiedenen Entwicklungsphasen der Stadt. Man findet dort blaue Röhren aus den 90er Jahren, schlichte Pavillons, die Glasüberdachungen der M2 sowie in Gebäuden versteckte Eingänge.
U-Bahn-Station Centrum soll modernisiert werden
Die Stadt hat bereits die Genehmigung für den Bau neuer Überdachungen für die nördlichen Eingänge der Station Centrum erhalten, die zum Plac Defilad, zum Museum für Moderne Kunst und zum ehemaligen Parkplatz am PKiN hin liegen. In der ersten Phase des Projekts werden vier Konstruktionen verschwinden: drei Eingänge über den Treppen sowie die Überdachung des Aufzugs. In Kürze soll eine Ausschreibung für die Ausführung der Arbeiten veröffentlicht werden. Die neuen Eingänge werden aus Glas, Stahl und Architekturbeton gefertigt. Die dominierende Farbe soll Anthrazit sein, inspiriert von der Ästhetik der zweiten U-Bahn-Linie. Bislang wurden noch keine offiziellen Visualisierungen veröffentlicht und es wurde kein Termin für den Umbau der Eingänge auf der Seite des „Patelni“-Platzes genannt. Es ist jedoch bekannt, dass die Stadt die nächsten Phasen der Modernisierung der gesamten Umgebung des Rondo Dmowskiego und des Plac Defilad analysiert.
Quelle: eska.pl, um.warszawa.pl
Lesen Sie auch:Warschau|Öffentlicher Nahverkehr|Empfehlungen|Wissenswertes|whiteMAD auf Instagram




