Was kann man im Sommer in Warschau unternehmen? Einen Blick hinter die Kulissen werfen, wo die legendären Süßigkeiten von Wedel hergestellt werden

Es gibt Geschmäcker, an die wir uns nicht nur mit dem Gaumen, sondern vor allem mit unseren Gefühlen erinnern. Der Duft von „Baryłki“, ein Stück „Torcik Wedlowski“ bei einem Familienfest und eine Schachtel „Ptasie Mleczko“, die die Großmutter zu einem besonderen Anlass mitgebracht hat. Diese kleinen Schokoladenrituale haben sich längst in unseren Alltag eingeprägt, und die Produkte von Wedel sind Teil der Geschichte geworden, die sowohl wichtige als auch ganz alltägliche Momente begleiten. Heute lohnt es sich, diese Geschichten aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. In der Schokoladenfabrik E. Wedel wird Schokolade zu einer Geschichte voller Leidenschaft. Die vom Studio WWAA gestaltete Ausstellung führt die Besucher von der Kakaobohne bis hin zu den Kultverpackungen und zeigt, wie viel unsichtbare Arbeit und Ideen hinter dem Geschmack stecken, den wir seit Jahren kennen.

Die Sommermonate, in denen viele Einwohner und Touristen in Warschau nach lohnenswerten Orten zum Entdecken suchen, sind die ideale Gelegenheit, die Ausstellung in der Schokoladenfabrik E.Wedel zu besuchen. Für das Konzept und die Gestaltung der Ausstellung ist das Warschauer Architekturbüro WWAA verantwortlich. Gemeinsam mit den Architekten des Gebäudes hat es einen Ort entworfen, der uns die Türen zu einem Schokoladenuniversum voller Aromen, Düfte und Geschichten der Menschen öffnet, die hinter der Entstehung dieser Kultprodukte stehen.

Das Ausstellungskonzept weicht deutlich vom klassischen Modell eines Firmenmuseums ab. Anstelle einer chronologischen Markengeschichte schlug WWAA eine vielschichtige, interaktive Erzählung über unsere Lieblingsspezialitäten vor. Die Erzählung umfasst den gesamten Entstehungsprozess der Schokolade: von den Kakaobohnen und den Plantagen über die Produktion, die Geschichte der Familie Wedel und die Entwicklung der Fabrik bis hin zum Verpackungsdesign. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen nicht nur die fertigen Produkte, sondern auch die Plantagenbesitzer, Technologen, Designer und Fabrikarbeiter, deren Wissen und Erfahrung für die Herstellung der Schokoladenspezialitäten unverzichtbar sind.

Zentrales Anliegen des Projekts war es, von einer Ausstellung abzurücken, die sich auf das Betrachten von Exponaten beschränkt. Anstelle von Vitrinen und statischen Präsentationen entstand ein Raum, der die Besucher durch Bewegung, Berührung, Geruch, Klang, Licht und Verkostung einbezieht. Die von WWAA entworfene Ausstellung stützt sich auf aktuelle Forschungsergebnisse zu Wahrnehmung und Bildung und nutzt das Raumerlebnis als grundlegendes Instrument der Wissensvermittlung. Die Besucher sind nicht nur passive Beobachter, sondern werden zu vollwertigen Teilnehmern der Geschichte.

Ein wesentliches Element des Konzepts ist die Verbindung des Museums mit einer aktiven Fabrik. Dank der Verglasungen können die Besucher echte Produktionslinien beobachten und nicht nur deren Nachbildungen. Der authentische technologische Prozess wird Teil der Erzählung, stärkt deren Glaubwürdigkeit und unterstreicht die Verbindung zwischen der Ausstellung und dem Ort, an dem die Schokolade hergestellt wird. Das Projekt verzichtet zudem auf einen einzigen, linearen Rundgang. Die Ausstellung wurde als offene Struktur konzipiert, die verschiedene Möglichkeiten bietet, die Inhalte zu entdecken. Die einzelnen Bereiche sind der Geschichte der Marke, der Produktionstechnologie, dem Design, der Schokoladenkultur sowie sensorischen Erlebnissen gewidmet. Die Szenografie spielt hier eine ebenso wichtige Rolle wie die präsentierten Inhalte. Jeder Teil der Ausstellung erhielt eine eigene räumliche Sprache, eine unterschiedliche Farbgebung, Beleuchtung und Materialien, die den jeweiligen Etappen der Schokoladengeschichten entsprechen. Das Projekt nutzt bewusst Mittel, die für das zeitgenössische Ausstellungsdesign charakteristisch sind, und schafft so eine interaktive Umgebung, in der Multimedia und Szenografie als ein System funktionieren.

Von Bedeutung ist auch die enge Zusammenarbeit von WWAA mit den Architekten von BiM Architekci. Die Ausstellung wurde nicht in ein fertiges Gebäude eingefügt, sondern entwickelte sich parallel zu dessen Planung. Das Museum befindet sich in umgebauten Kakaosilos, und der Rundgang führt durch die verschiedenen Stockwerke. Der industrielle Charakter der Innenräume wurde als integraler Bestandteil der Erzählung genutzt, und die Architektur des Gebäudes, deren Form an eine Schokoladentafel erinnert, verstärkt die Erzählung des gesamten Konzepts.

„Bei der Gestaltung dieser Ausstellung wollten wir zeigen, wie viel Arbeit die Herstellung einer einzigen Tafel Schokolade kostet, wie viel Zeit und zurückgelegte Kilometer dahinterstecken und vor allem – dass hinter all dem Menschen stehen. Menschen, die ihr ganzes Leben dafür opfern, dass wir, wenn wir in den Laden gehen, ohne zu zögern unsere Lieblingsschokolade kaufen können. Menschen, die jede Praline von Hand beschriften. Ein Verkoster, der jahrelang sicherstellt, dass wirklich jede Pralinenschachtel, die in unsere Hände gelangt, gleich schmeckt. „Das Team hinter dem Genuss, Schokolade zu essen, besteht nicht nur aus den Menschen von heute, sondern vor allem aus denen, die schon zu Beginn dieser Geschichte dabei waren“, sagen Natalia Paszkowska und Marcin Mostafa, die Inhaber des Ateliers WWAA.

Die von WWAA gestaltete Ausstellung reiht sich in den in den letzten Jahren zu beobachtenden Wandel in der Gestaltung von Museen ein. Sie zeigt, dass eine Ausstellung ein Ort voller Emotionen und Genuss sein kann. Sie richtet sich an alle, die die seit ihrer Kindheit bekannten Geschmacksrichtungen aus einer ganz neuen Perspektive betrachten möchten.

Schokoladenfabrik E. Wedel

Aleja Emila Wedla 5, Warschau

Quelle: Pressematerialien

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