Die Tradition der Herstellung von Sternen und Ornamenten aus Oblaten – eine der charakteristischsten Formen der weihnachtlichen rituellen Kunst – wurde in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Dies ist ein wichtiger Moment für die Volkskünstler aus der Region Lublin, wo diese einzigartige Tradition überlebt hat, sich weiterentwickelt hat und bis heute ein lebendiger Bestandteil der lokalen Kultur ist.
Die „Światy“, die früher auch „Wilijki“ genannt wurden, sind dreidimensionale Dekorationen aus Oblaten, einem Material mit starker Symbolik, das mit Brot, Eintracht, Glück und Segen verbunden ist. Obwohl die ältesten dokumentierten Spuren aus dem 19. Jahrhundert stammen, ist die Tradition wahrscheinlich wesentlich älter – die Vergänglichkeit der Oblaten erschwert eine genaue Bestimmung ihrer Ursprünge. Die Aufnahme in die Liste des Kulturerbes unterstreicht die Bedeutung dieser Tradition und ihren Stellenwert für die Identität der Region.
Symbolik und Form der „Światy“
Ein „Świat“ ist eine Verzierung in Form einer Kugel oder einer komplexeren Komposition aus Schichten und geometrischen Elementen. Sie entsteht aus aus dem Oblatenblatt ausgeschnittenen Teilen in verschiedenen Farben und Formen, die mit Speichel zusammengefügt werden – eine traditionelle, von Generation zu Generation weitergegebene Methode, dieses empfindliche Material zu verbinden. An Leinenfäden oder Pferdehaaren aufgehängt, bewegten sie sich bei der geringsten Luftbewegung und erzeugten so einen subtilen visuellen Effekt. Ihr Name bezieht sich auf den Erdball und symbolisiert die Herrschaft des neugeborenen Christus über die Welt.
Alte Bräuche
Die „Światy“ waren einst ein fester Bestandteil der Weihnachtsdekoration. Man hängte sie über den Tisch, an die Deckenbalken, an Hausaltäre oder in die Nähe von Heiligenbildern. Sie schmückten auch die „Podłaźniczki“ (Weihnachtssträuße) und die ersten Weihnachtsbäume. Sie wurden am Heiligabend angefertigt, und ihre Anwesenheit im Haus sollte Glück und Gottes Segen bringen. Ab der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert tauchten die Opłatki zunehmend in der Dekoration adeliger Herrenhäuser auf und mit der Zeit auch in den Stuben der Bauern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die „Światy“ fast im gesamten von Polen bewohnten Gebiet bekannt, insbesondere in Südpolen – in Podhale, im Teschener Schlesien und im Krakauer Land.

Obwohl der Brauch im 20. Jahrhundert fast verschwunden war, wurde er in der Region Lublin dank Volkskünstlern, Werkstätten und Bildungsmaßnahmen wiederbelebt. Die heutigen „Światy“ bewahren die alte Symbolik und sind zugleich ein Zeugnis des lokalen Kunsthandwerks. Es entstehen sowohl klassische kugelförmige Formen als auch komplexere geometrische Figuren, Sterne, Krippen, Kapellen oder Blumen. Jedes dieser Werke erfordert Präzision, Geduld und Geschick im Umgang mit dem zerbrechlichen Material, das seit Jahrhunderten Teil der polnischen Weihnachtsbräuche ist.
Liste des Kulturerbes
Die Aufnahme der Tradition der Herstellung von Sternen und Dekorationen aus Opłatek in die Nationale Liste des immateriellen Kulturerbes (die derzeit 129 Einträge umfasst) ist eine Bestätigung ihres Wertes und ihrer Lebendigkeit. Sie dokumentiert eine Praxis, die nicht nur dank des Engagements lokaler Gemeinschaften überdauert hat, sondern auch weiterhin Künstler und Betrachter inspiriert. Sie ist zudem eine Würdigung der von Generation zu Generation weitergegebenen Fertigkeiten, die einen wichtigen Bestandteil der polnischen Volkskultur darstellen.
Quelle: Ministerium für Kultur und Nationales Kulturerbe
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