Wenn Design zu träumen beginnt. Uchronia x Tiptoe und die Kollektion DAYDREAM

Was passiert, wenn die charakteristische Sprache des Industriedesigns auf eine ausdrucksstarke, fast schon szenografische Vorstellungskraft trifft? Im Falle der Zusammenarbeit zwischen Tiptoe und dem Pariser Studio Uchronia besteht die Antwort aus vier Farben, weichen Linien und Formen, die sich scheinbar ständig in Bewegung befinden. Die Kollektion DAYDREAM ist eine Neuinterpretation bekannter Tiptoe-Entwürfe, die diesmal als Grundlage für freie Experimente dienen.

Uchronia, gegründet von Julien Sebban, beschränkte sich nicht darauf, lediglich die Farbgebung bestehender Produkte zu ändern. Die Designer gingen tiefer – sie veränderten Konturen, Proportionen und ausgewählte Details und verliehen den Objekten so einen organischeren Charakter. Bei einigen Elementen zeigt sich eine charakteristische Wellenform, die an die Bewegung des Wassers erinnert. Dadurch wirken die schlichten, technischen Formen von Tiptoe, als wären sie für einen Moment aus der Realität herausgelöst und einem Traum unterworfen worden.

Gerade diese Spannung zwischen industrieller Präzision und Emotionalität ist das Interessanteste an DAYDREAM. Tiptoe baut seine Identität seit Jahren auf modularen, funktionalen Konstruktionen auf, während Uchronia gerne mit Farbe, Dekorativität und unerwarteten Materialkombinationen arbeitet. In der neuen Kollektion stehen diese beiden Welten nicht in Konkurrenz zueinander, sondern beginnen, sich gegenseitig zu beeinflussen.

Farbe spielt hier eine ebenso wichtige Rolle wie die Form. Uchronia hat für DAYDREAM vier exklusive Farbtöne kreiert: das intensive „Magma Orange“, das helle „Ice Cream Beige“, das tiefe „Astral Violet“ sowie „Chocolate Brown“. Jeder dieser Farbtöne wurde nicht nur als Oberflächenveredelung, sondern als Element zur Schaffung einer bestimmten Stimmung betrachtet – vom energiegeladenen Orange über ruhiges Beige und fast kosmisches Violett bis hin zu nostalgischem Schokoladenbraun.

Besonders interessant wirken die Elemente aus Holz. Ihre Oberflächen wurden in fließende, wellenförmige Formen geschnitten, ohne sich jedoch vollständig vom natürlichen Charakter des Materials zu lösen. Die Linien der neuen Tischplatten führen den Blick im Einklang mit der Maserung, wodurch das technische Objekt einen eher skulpturalen Charakter erhält. Es ist eine kleine Veränderung, die zeigt, wie viel der Eingriff in die Kontur eines Objekts bewirken kann.

Im Rahmen der Zusammenarbeit hat Uchronia unter anderem Tische, den Hocker LOU, einen Couchtisch, das Regal PLI, die Wandhalterung BRACKET sowie den Kleiderhaken JO neu gestaltet. Es geht jedoch nicht darum, völlig neue Objekte zu schaffen, sondern zu zeigen, wie ein bestehendes System für eine andere Ästhetik geöffnet werden kann. Die Funktion bleibt der Ausgangspunkt, doch die Form entwickelt eine eigene, emotionalere Sprache.

DAYDREAM wurde auch während der Paris Design Week im Grand Palais präsentiert, wo die Objekte von Tiptoe x Uchronia Teil der Installation „Le Grand Bouquet“ waren. Uchronia schuf eine monumentale, blumige Kulisse, in die die Objekte der Kollektion integriert wurden. Die Kombination von Alltagsgegenständen mit einer fast surrealistischen Kulisse verdeutlicht gut die Idee, die hinter der gesamten Kollektion steht: Design muss nicht ausschließlich praktisch sein. Es kann auch Atmosphäre schaffen, Assoziationen wecken und es ermöglichen, für einen Moment dem Alltag zu entfliehen.

DAYDREAM ist also mehr als nur eine weitere Zusammenarbeit zweier Marken. Es ist ein Experiment an der Grenze zwischen Funktion und Emotion – und ein Beweis dafür, dass selbst ein gut erkennbares, industrielles Objekt neu betrachtet werden kann, indem man lediglich seine Farbe, Kontur oder Proportionen verändert.

Fotos: Félix Dol Maillot / Tiptoe x Uchronia

Fotos aus dem Grand Palais: Jonathan Mauloubier / Tiptoe.

Siehe auch: Möbel | Paris | Ausstellung | Skulptur