Vilnius ist um einen neuen Ort reicher, an dem Geschichte und Moderne Hand in Hand gehen. Das ehemalige St.-Jakobs-Krankenhaus, das jahrhundertelang mit der Tätigkeit der Dominikaner und der Betreuung der Stadtbewohner verbunden war, wurde umfassend modernisiert und in einen lebendigen Bildungs- und Kulturkomplex verwandelt. Das Projekt stieß von Anfang an auf großes Interesse und gilt heute als ein Beispiel für die gelungene Anpassung historischer Architektur.
St. James‘ Hospital – das neue Aussehen
Die Revitalisierung umfasste sowohl historische Gebäude als auch öffentliche Räume. Das Viertel umfasste eine Schule, Büros, ein Hotel und Freizeiteinrichtungen. Das vom Studio DO ARCHITECTS ausgearbeitete Projekt wurde 2019 im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs ausgewählt. Ziel der Architekten war es, dass sich die zeitgenössischen Funktionen harmonisch in das historische Stadtgefüge einfügen und ein für die Bewohner zugänglicher Freiraum entsteht. Die neuen Gebäude wurden in einer zurückhaltenden Form entworfen, die sich in ihrer Größe an die Umgebung anpasst. Die Wahrung der Aussicht auf die Türme von St. Philip’s und St. James‘ Church wurde zu einem wichtigen Element. Die historischen Gebäude wurden durch neue, niedrigere Segmente miteinander verbunden, und das gesamte Viertel wurde von einer Mauer umgeben, die an das ehemalige Kloster erinnert.

Architektur und Funktionen
Der Komplex gliedert sich in vier Bereiche: die Kirche mit Vorplatz, das ehemalige Kloster mit Anbauten, der Hotelkomplex mit Innenhof und der Bildungsbereich mit öffentlichem Garten. In den Klostergebäuden wurden keine neuen Gebäude errichtet, sondern der Schwerpunkt auf die Restaurierung der historischen Substanz gelegt. Der Hotelteil umfasst zwei Gebäude mit mehr als 270 Zimmern, ein Konferenzzentrum und eine Tiefgarage. Im Erdgeschoss sind Geschäfte und Restaurants untergebracht, und entlang der Straße wurden ein Fußgänger- und Radweg sowie Bäume gepflanzt. Das Bildungsgebäude umfasst einen Saal in Form eines Amphitheaters mit Blick auf den Fluss und eine Bibliothek im ehemaligen Hoftrakt.
St. James’s Hospital – Geschichte des Standorts
Die Geschichte des Geländes reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück, als am Rande von Lukiszki eine kleine Holzkapelle stand. Die Dominikaner ersetzten sie bald durch eine Backsteinkirche und ein Kloster, in dem sie eine Schule unterhielten. Mit der Zeit wurde an dieser Stelle das erste weltliche Krankenhaus von Vilnius errichtet, das als das humanste der Stadt galt. Es verfügte über 200 Betten und versorgte nicht nur Kranke, sondern auch alte und hilfsbedürftige Menschen. In den folgenden Jahren wurde der Komplex durch weitere Flügel erweitert. Er war von einer Ziegelmauer umgeben und verfügte über einen Hafen am Fluss Neris, so dass er bald zu einem wichtigen Zentrum des Bezirks wurde. Erst in der Sowjetzeit wurde der Platz degradiert. Damals wurden der Garten und der Eingang zur Kirche durch neue Gebäude verdeckt, und der historische Komplex wurde ohne Rücksicht auf seinen Wert zahlreichen Veränderungen unterzogen.
Eines der Gebäude vor und nach der Renovierung. Foto: D. Labutis, M. Morkevičius/ELTA und Vygintas Skaraitis/sa.lt
Herausforderungen für den Naturschutz
Die Restaurierungsarbeiten erwiesen sich als äußerst anspruchsvoll. Die instabilen Fundamente mussten verstärkt werden, wobei die historischen Decken und Dekorationen erhalten bleiben mussten. Während der Arbeiten stieß man auf unerwartete Funde, wie Zeichnungen an den Wänden und Pflastersteine aus früheren Jahrhunderten. Die vor Ort anwesenden Archäologen sorgten dafür, dass jedes entdeckte Kulturgut geschützt und in das neue Gebäude integriert wurde. Eine der interessantesten Lösungen war die Restaurierung der ursprünglichen Treppe, die am Eingang des Gebäudes entdeckt wurde, sowie die Erhaltung der hölzernen Dachkonstruktion. Sie wurden mit modernen Zinkblechen gedeckt, die sich im Laufe der Zeit selbst von Ablagerungen reinigen.
Platz für die Bewohner
Heute befinden sich bereits die ersten Büros und eine Schule im St. James-Viertel, und in Kürze wird das AC Hotel Vilnius by Marriott eröffnet. Der begrünte und für Passanten zugängliche Innenhof wird zu einem neuen öffentlichen Raum im Zentrum von Vilnius. Die Revitalisierung des Geländes hat sieben Jahre gedauert und ist zu einem der größten Projekte seiner Art in der litauischen Hauptstadt geworden.
Entwurf: DO ARCHITECTS, Mitbegründerin, leitende Architektin: Gilma Teodora Gylytė
Investoren: Lords LB Asset Management, Managerin: Anastasija Pocienė
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