Wird der ehemalige Kokoszki-Bahnhof in Gdańsk wiederbelebt? Es ist das Projekt eines Studenten

Die Autorin des Projekts ist Julia Margas, eine Absolventin der niederländischen Willem de Kooning Academy of Fine Arts in Rotterdam, die Raumgestaltung studiert. Ihr Bachelor-Projekt mit dem Titel „Stacja Kokoszki“ ist eine Stimme für den ehemaligen Bahnhof, der wiederbelebt werden könnte, um an die Geschichte des Kokoszki-Viertels in Danzig zu erinnern.

Das BA-Projekt von Julia Margas ist ein Versuch, den Glanz eines verlassenen Bahnhofs im Danziger Stadtteil Kokoszki wiederherzustellen. Die Autorin hat sich zum Ziel gesetzt, den historischen Geist des Ortes wiederzubeleben und den fast vergessenen Bahnhof in ein lebendiges kulturelles und soziales Zentrum zu verwandeln. Das Gebäude in der Maszynowa-Straße 15, das sich auf einem etwa fünfhundert Quadratmeter großen Grundstück befindet, sollte nach den Grundsätzen der adaptiven Wiederverwendung zu neuem Leben erweckt werden. In den Köpfen der Danziger sollen seine Mauern nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit sein, sondern auch ein Anreiz für kreative Aktivitäten in der Zukunft.

Die Geschichte des Bahnhofs und des Stadtteils

Die Ursprünge von Kokoszki reichen bis in die Zeit vor den napoleonischen Kriegen zurück, als das Gebiet auf Landkarten Kokoschken oder Burggraben genannt wurde. Die ersten Gleise wurden 1914 in der Gegend verlegt, und sieben Jahre später wurde die Strecke nach Gdynia eröffnet, wobei der damalige Ministerpräsident und der Eisenbahnminister der Einweihung beiwohnten. Dieses Stück polnischer Eisenbahngeschichte ist ein Symbol für die Zeit der intensiven Modernisierung nach dem Ersten Weltkrieg. Der Bahnhof selbst war Zeuge einer kurzen, aber tragischen Episode während des Zweiten Weltkriegs, als eines der mehr als fünfzig Stutthof-Außenlager neben ihm betrieben wurde. Die Gefangenen, die in den Danziger Werften hart arbeiten mussten, erhielten nur 350 Gramm Brot, 20 Gramm Margarine und einen halben Liter Suppe pro Tag.

Das Erbe der Ziegelei Kokoszków

Untrennbar mit der Landschaft der Region verbunden ist der so genannte Kokoszkowska-Ziegel, der einst in der örtlichen Ziegelei gebrannt wurde. Dank ihm wurden viele Gebäude errichtet, die noch heute die Fassaden zieren, darunter die Grundschule Nr. 83 und die Villa der ehemaligen Fabrikbesitzer. Diese architektonischen Zeugnisse erinnern an die industrielle Vergangenheit von Kokoszki und sind für die neuen Nutzer des Geländes eine wertvolle Referenz. Julia Margas möchte, dass die Keramikworkshops, die in dem renovierten Bahnhof stattfinden sollen, eine natürliche Fortsetzung dieser Tradition darstellen und das Erbe mit moderner Kunsterziehung verbinden.

Der ehemalige Bahnhof heute, wikimedia.org, Foto von Andrzej Otrębski, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Ein Schlüsselelement der Forschung war die Durchführung von Umfragen in der örtlichen Bevölkerung. Der Autor fand heraus, dass es an Treffpunkten und einem Gefühl der Zugehörigkeit mangelte und dass der Schienenverkehr nicht den Erwartungen der Nutzer entsprach. Diese Meinungen bildeten die Grundlage für das Funktionsprogramm, das die Schaffung von Räumen für Cafés, Werkstätten und einen Ausstellungsbereich, aber auch eine bessere Zugänglichkeit der Bahn durch attraktivere Verbindungen und einen besseren Fahrplan vorsieht.

Wiederverwendung und neue Innenräume

Die bei dem Projekt angewandte Methode der adaptiven Wiederverwendung ermöglicht es, die historische Struktur des Bahnhofs zu erhalten und gleichzeitig moderne Lösungen einzuführen. Das Hauptgebäude des Bahnhofs erhält seine Holzbalken und die Fachwerkvertäfelung zurück, während daneben ein moderner Anbau errichtet wird, der als Hauptsaal des Museums dienen soll. Das Projekt sieht die Restaurierung des ehemaligen Toilettengebäudes als Einzelhandels- und Barbereich vor, der tagsüber als Geschenkeladen fungiert und sich abends in eine stimmungsvolle Bar verwandelt.

Der Rundgang beginnt im Café, in dem sich historische Einrichtungselemente mit komfortablen Arbeits- und Gesprächsbereichen abwechseln. An der Rezeption können die Besucher dann Eintrittskarten für Ausstellungen und Keramikworkshops erwerben. Der Museumsraum selbst ist eine multifunktionale Halle mit hängenden Installationen, die tagsüber die Geschichte des Erbes von Kokoszki erzählen und nach Einbruch der Dunkelheit in einen Kinosaal übergehen. Auf diese Weise wird der Bahnhof zu einem Ort für historische Bildung, künstlerische Experimente und soziale Integration.

Partnerschaft mit einem regionalen Museumsnetz

Das Projekt von Julia Margas sieht auch die Schaffung eines touristischen Pfades vor, der das neue Museum in Kokoszki mit den Einrichtungen zum Zweiten Weltkrieg und Stutthof sowie dem neuen Besucherdienstzentrum auf der Westerplatte verbindet. Dies wird den Austausch von Exponaten und Besucherverkehr ermöglichen und die Entwicklung des Schienenpersonennahverkehrs unterstützen. Alternativ dazu wird ein Spaziergang auf den Spuren des Kokoszkowski-Ziegels in Verbindung mit Lehmwerkstätten das kulturelle Angebot von Danzig erweitern und die Identität des Bezirks stärken.

projekt: Julia Margas

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