In der Posener Parfümerie, direkt am Wilson-Park, entstand ein Interieur, das den Begriff des zeitgenössischen Minimalismus neu definiert. Das Projekt von Aga Bogacka Studio ist ein Beispiel für einen Raum, in dem die Reduktion der Form mit der Liebe zum Material, zum Licht und zu den Proportionen einhergeht. Diese 120 m² große Wohnung, entworfen für einen jungen Single aus der IT-Branche, wird zu einem privaten Rückzugsort – aufgeräumt, logisch und ruhig.
Minimalismus in der „sanften“ Version
Die Architektin beschreibt die Ausrichtung des Entwurfs als bewussten, zeitgenössischen Minimalismus, frei von Kälte und Sterilität. Das Interieur basiert auf Einfachheit, bietet aber deutlich mehr. Entscheidend sind Texturen, Licht und Proportionen, nicht die Dekorativität. Im privaten Bereich finden sich japanische Inspirationen – verschiebbare Shoji-Paneele ermöglichen es, die Funktion des Raumes zu verändern und einen fließenden Übergang zwischen den Räumen zu schaffen. Ein Ansatz, bei dem die Materialien für sich selbst sprechen und das Projekt „mit Stille arbeitet“, wie es die Architektin beschreibt.
Der Standort beeinflusst das Design
Die Wohnung befindet sich im Stadtteil Łazarz, innerhalb des Projekts „Perfumiarni“ – einer Investition, die moderne Architektur mit dem industriell-historischen Kontext des Ortes verbindet. Der größte Vorteil ist die unmittelbare Nachbarschaft zum Wilson-Park. Große Fensterfronten öffnen den Innenraum zum Grün, und im Winter verstärkt das vom Schnee reflektierte Licht den Eindruck von Leichtigkeit und dem Schweben über den Baumkronen. Diese Beziehung zur Umgebung wurde zu einer der Grundlagen des Entwurfs.
Funktionale Aufteilung
Der Raum wurde in zwei Bereiche unterteilt – einen Wohn- und einen Privatbereich –, die durch einen langen Flur verbunden sind, der dank Eichenpaneelen und verdeckten Türen architektonischen Charakter erhält. An seinem Ende befindet sich ein Spiegel, der den Raum optisch vergrößert und das Licht verteilt.
Der Mittelpunkt der Wohnung ist die Küche. Sie ist kein bloßer Anhang des Raumes, sondern bildet den kompositorischen Kern. Um sie herum wurde der Wohnbereich mit Esszimmer und Wohnzimmer angeordnet. Im privaten Bereich geht das Schlafzimmer in das Badezimmer über – dank Schiebetüren können beide Räume einen einzigen, zusammenhängenden Entspannungsbereich bilden, der an ein privates Spa erinnert.

Obwohl der Grundriss des Bauträgers nicht grundlegend umgestaltet wurde, erforderte das Projekt eine Neudefinition der Funktionen und die Einführung maßgefertigter Einbauten, die den Raum ordnen und alltägliche Einrichtungsgegenstände verbergen.
Das Material als Hauptdarsteller
Die größte Herausforderung bestand darin, Minimalismus mit Gemütlichkeit zu verbinden. Jedes Element musste seine Daseinsberechtigung haben, gleichzeitig durfte der Innenraum jedoch nicht karg wirken. Deshalb dominieren Erdfarben: Beigetöne, warme Brauntöne, gebrochenes Weiß, Naturholz und Stein. Eine wichtige Rolle spielen burgunderrote Akzente, die Tiefe verleihen, sowie die ausdrucksstarke Maserung des Calacatta Viola-Marmors – insbesondere in der monolithischen Kücheninsel, die als skulpturales Zentrum der Wohnung fungiert.
Inspiration war die Authentizität der Materialien und ihre natürlichen Eigenschaften. Die Architektin spricht von „Demut gegenüber dem Material“ – davon, es als Dekoration für sich selbst wirken zu lassen.
Ausdrucksstarke Möbel
Die Einrichtung basiert größtenteils auf eigens entworfenen Möbeln, die individuell gestaltet und auf Bestellung gefertigt wurden, unter anderem vom Atelier Underwood. Im Wohnbereich zieht ein Eichentisch von The Good Living & Co. die Blicke auf sich, kombiniert mit skulpturalen Stühlen und Leuchten von Davide Groppi.
Im Entwurf finden sich auch Designikonen wieder: der Sessel Lama von Zanotta, der Beistelltisch Thot von Ligne Roset, der Leyasol Lounge Chair von Freifrau, der Poke Table von Henge, ein Glastisch von &Tradition sowie der modulare USM Haller TV-Schrank. Abgerundet wird das Ganze durch ein Sofa von Tamo Meble.
Eine wichtige Rolle spielt die Kunst – Skulpturen von Dorota Starosta, Gemälde von Klaudia Malczyk und Keramik von Metis Concept. Sie bringen ein organisches, menschliches Element in den geordneten Raum.
Entwurf: Agnieszka Bogacka Studio
Projektteam: Agnieszka Bogacka, Klaudia Dopierała, Mikołaj Dyląg
Fotos: Sandra Borowska Lightview Studio
Setdesign: Agnieszka Bogacka und Klaudia Dopierała
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