Im obersten Stockwerk eines intimen Gebäudes im Krakauer Stadtteil Zwierzyniec befindet sich eine Wohnung, deren Innenräume von den Architekten des Studios One Desk entworfen wurden. Die Südlage lässt das Innere in Licht baden, und durch die Fenster eröffnet sich ein Blick auf das weite Weichseltal. Von Norden aus wird die Perspektive durch das Schloss in Przegorzaly ergänzt, das von Adolf Szyszko-Bohusz meisterhaft in den grünen Hang des Wolski-Waldes eingeschrieben wurde; zwei völlig unterschiedliche Landschaften verflechten sich hier mit der Architektur der Wohnung, so dass sie zu ihrem untrennbaren Element werden.
Die Investoren, die aus der Dreistadt umgesiedelt sind, haben dem Studio One Desk ein eher bescheidenes Programm anvertraut: einen Wohnbereich, ein Bad und ein Schlafzimmer. Die Idee war klar: offener Raum, maximales Licht und ein Gefühl der Kontinuität. Die komplizierte Geometrie des Pultdaches erschwerte jedoch die Umsetzung des Projekts: Die Vouten in jedem Raum waren mal ein Verbündeter des Projekts, mal erforderten sie ein kreatives „Zusammensetzen“ des Raums. In der Arbeit mit dieser Einschränkung zeigte sich die Reife des Konzepts: Indem die Architekten die Schrägen nicht verdeckten, behandelten sie sie als Teil der inneren Erzählung. Der Innenraum selbst ist 76 Quadratmeter groß.
Das Schlafzimmer als Zentrum der Entspannung
Wo sich vor dem Umbau zwei Zimmer befanden, entstand ein geräumiges Schlafzimmer mit einem Ankleidezimmer und einem kleinen Arbeitsbereich. Eine Wand wurde als Schrankreihe in einem hellen Blauton gestaltet. Die Möbelfronten gehen nahtlos in eine kleine Bibliothek über und werden durch ein horizontales Gesims im gleichen Farbton verbunden, wodurch optisch ein einziger, ruhiger Block entsteht. Eine Spiegeltür verbirgt den Eingang zum Ankleidezimmer, während auf der gegenüberliegenden Seite ein von Ettore Sottsass signierter Sitz aus wildem Bohème-Furnier die Verwerfungen beseitigt, die durch die Verbindung der beiden Räume entstehen. Das Schlafzimmer öffnet sich zum Flur und zum Wohnbereich mit einer breiten Doppeltür mit geriffeltem Glas, die das Gefühl der Kontinuität verstärkt und die Integration von Ausblicken auf die Weichsel und den Wolski-Wald ermöglicht.
Die Illusion von Raum
Der Schlüssel zum Gefühl der räumlichen Kontinuität liegt im Bodenbelag – ein homogener, abstrakter Teppich aus hellem Mikrozement. Die glatte, matte Oberfläche verbindet die Zonen und mildert die durch die Dachschrägen verursachten Trennungen ab. Im Foyer vergrößert eine verspiegelte Wand, die die Tür zum Bad verdeckt, optisch den Eingang und verleiht ihm eine leicht surreale Anmutung; dieser Effekt soll wie der erste Satz in einem Buch wirken und den Leser weiter hineinziehen. Außerdem wird das Raumgefühl durch das allgegenwärtige Weiß noch verstärkt.
Sorgfältig gewählte Akzente
Die Bauherren wollten eine gedämpfte, helle Farbpalette, weshalb die meisten Wände und Oberflächen sparsam behandelt wurden. Die niedrigen Küchenschränke wurden dieser Logik untergeordnet – die Edelstahlfronten und die Arbeitsplatte aus hellem Stein schwingen subtil mit der Umgebung mit und reflektieren das Licht und die Reaktionen des Raums. Die Monotonie der Tonalität wird durch einige markante Elemente durchbrochen: Das auffälligste ist der hohe Küchenblock, ein halb freistehendes Möbelstück in Schokoladenoptik mit einer charakteristischen geschwungenen kürzeren Seite. Seine Form erinnert an die Architektur von Gdynia aus den 1930er Jahren und ist ein diskreter Verweis auf die Sehnsucht der Besitzer nach der Küste. Ähnliche weiche Übergänge finden sich im Schlafzimmer, wo die Einbaumöbel als Bindeglied zwischen den Zonen fungieren.

Guten Morgen!
Der Wohnbereich öffnet sich zu einer großen, dicht mit Kübelpflanzen bepflanzten Terrasse, die die Grenze zwischen Innen- und Außengrün verwischt. Ein rotes Sofa bildet einen warmen Mittelpunkt, der durch eine maßgefertigte Kommode und die elegante Counterbalance-Wandleuchte von Luceplan, die den Esstisch beleuchtet, ergänzt wird.
Im Badezimmer wird Weiß durch Texturen und Schattierungen erzählt: Feine Vogue Ceramica-Fliesen in der Duschkabine und auf der Arbeitsplatte bilden ein subtiles Ornament, während der technische Stauraum für Waschmaschine und Trockner von einem roten Stoff umhüllt ist – der gleiche blutfarbene Ton erscheint auf Teilen der Wände und Einbauten und kontrastiert mit der Front des Unterschranks aus rötlichem Chevron.
Ein Platz für die Kunst
In einer Wohnung ohne Schnörkel und übermäßige Dekoration ist Platz für zeitgenössische Kunst. Über dem Bett hängt ein Gemälde von Karolina Wasiluk, gegenüber ein Werk von Michał Sroka, während das Wohnzimmer mit einem phänomenalen Gemälde von Aleksandra Toborowicz geschmückt ist. Diese Werke füllen den hellen Hintergrund mit emotionalen Akzenten, geben dem Interieur einen persönlichen Rhythmus und vervollständigen die von der Architektur begonnene Geschichte. Bravo!
entwurf: One Desk
fotos: Studio Ressourcen
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