Das Stadtbild des Warschauer Stadtteils Praga könnte in den kommenden Jahren eine bedeutende Wandlung erfahren. Die von der Stadt vorbereiteten Bebauungsvorschriften für das Gebiet des Prager Hafens ebnen den Weg für den Bau von Hochhäusern in der Nähe der U-Bahn-Station „Stadion Narodowy“. Dies könnte der Moment sein, in dem der Stadtteil aufhört, eine Randlage des Stadtzentrums zu sein, und eine wesentlich größere Rolle spielt. Das Architekturbüro APA Wojciechowski hat ein Konzept erstellt, das Hochhäuser in Praga an möglichen Standorten zeigt.
Wolkenkratzer in Praga? Die Chance besteht
Warschau hat sich über Jahre hinweg multipol entwickelt, wobei sich die wichtigsten Geschäftsfunktionen auf der linken Seite der Weichsel konzentrierten. Nun verlagert sich die städtische Entwicklungsachse immer deutlicher nach Praga. Dazu tragen neue Verkehrsinvestitionen sowie Veränderungen im öffentlichen Raum bei. Die Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Weichsel, der Umbau der Okrzei-Straße sowie die Vorbereitungen für die Modernisierung des Ostbahnhofs und des Bahnhofs Warszawa Stadion sorgen dafür, dass der rechte Weichseluferbereich der Stadt deutlich besser erreichbar wird. Die Umgebung der Kreuzung Sokola und Zamoyskiego ist eindeutig ein wichtiger Punkt auf der Karte des Stadtteils. Genau dort kreuzen sich U-Bahn, Eisenbahn und wichtige Straßen. Die Gebiete des Praski-Hafens ziehen daher ganz natürlich Überlegungen zu einer intensiveren Bebauung an. Nach den derzeit in der Planung befindlichen Vorgaben könnten die neuen Gebäude eine Höhe von 90 bis 140 Metern erreichen.
Eine Idee, die älter ist als der Palast der Kultur und Wissenschaft
Die Diskussion über Hochhäuser in Praga dauert schon viel länger, als man vermuten würde. Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg wiesen Stadtplaner auf den Prager Hafen als potenziellen Standort für künftige Hochhäuser hin. Interessanterweise wurde, bevor die Entscheidung für den Bau des Palasts der Kultur und Wissenschaft an der Marszałkowska-Straße fiel, auch dessen Lage auf der rechten Seite der Weichsel in Betracht gezogen. Auf diese Idee wurde später mehrfach zurückgekommen. In der Folge wurden weitere Konzepte unter anderem vom Büro Ricardo Bofilla, von JEMS Architekci und zuletzt von APA Wojciechowski Architekci erarbeitet. Ihre Vision entstand im Einklang mit den Vorgaben des zur Konsultation vorliegenden Gesamtplans für Warschau, der eine Hochhausbebauung im Bereich des Prager Hafens zulässt. Architekten weisen seit Jahren darauf hin, dass die Umgebung des Nationalstadions zu einer natürlichen Erweiterung des innerstädtischen Geschäftsviertels werden könnte. Es ist äußerst wichtig, die richtigen Proportionen im Verhältnis zum historischen Panorama Warschaus und zur Bebauung der Altstadt von Praga zu wahren.

Büros auf der rechten Seite der Weichsel
Bislang konzentrierten sich moderne Büros vor allem auf die Stadtteile Wola, Śródmieście und Mokotów. Das rechte Weichselufer von Warschau blieb in dieser Hinsicht weit zurück. Heute ist der Anteil der Büros auf dieser Seite der Stadt gering und beträgt nur etwa 4,5 % des gesamten Bestands der Hauptstadt. Neue Investitionen würden die Chance bieten, diese extrem ungleiche Verteilung schrittweise zu ändern. Ein Gegenmittel könnte hier der Praski-Hafen sein. Seine Umgebung bietet eine in Warschau selten anzutreffende Kombination von Vorteilen: schnelle öffentliche Verkehrsmittel, die Nähe zu Grünflächen und direkten Kontakt zum Wasser. Ein solcher Standort könnte für Unternehmen attraktiv sein, die ein abwechslungsreicheres Arbeitsumfeld suchen als die typischen Betonwüsten der Bürohochhäuser.
Hochhäuser in Praga und Port Praski
Die Veränderungen sind bereits heute sichtbar. Im Port Praski sind in den letzten Jahren 10 Wohngebäude mit fast 900 Wohnungen entstanden. Im Erdgeschoss befinden sich Restaurants, Geschäfte, Cafés, Dienstleistungsbetriebe und medizinische Einrichtungen. Die Gegend gewinnt allmählich an urbanem Rhythmus und zieht neue Bewohner sowie Besucher an. Ein wichtiger Schritt für die weitere Entwicklung des Viertels soll die Wohnsiedlung „Doki“ sein, die auf dem Gelände der ehemaligen Hafenbecken entsteht. Das Projekt sieht eine Promenade, einen Yachthafen und eine zum Wasser hin offene Bebauung vor. In diesem Teil von Praga zeichnet sich immer deutlicher eine Stadtplanung ab, die auf eine intensive Nutzung setzt, aber gleichzeitig auf die Qualität des öffentlichen Raums ausgerichtet ist. Auch die Arbeiten am AC Hotel by Marriott, das in dem restaurierten Mietshaus von Karol Minter aus dem 19. Jahrhundert entsteht, sind im Gange. Alles deutet also darauf hin, dass das rechte Weichselufer gerade in eine neue Phase seiner Geschichte eintritt.
Quelle:APA Wojciechowski Architekci
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