Am 23. Januar 2026 findet auf der Großen Bühne des Nationalen Alten Theaters in Krakau die Premiere des Stücks „Zamknij oczy Nel. W pustyni i w puszczy – epilog” (Schließ die Augen, Nel. In der Wüste und im Dschungel – Epilog) statt, dem Theaterdebüt eines der interessantesten polnischen Filmregisseure der letzten Jahre. Piotr Domalewski, der unter anderem für „Cicha noc” (Stille Nacht) und „Ministranci” (Ministranten) ausgezeichnet wurde, zeigt gemeinsam mit dem Dramatiker Krzysztof Zygucki den Zuschauern eine bittersüße Geschichte über Krankheit, Abschied und die gemeinsame Sprache, die Angehörige angesichts eines unvermeidlichen Verlustes finden.
„Es wird eine Geschichte über das Sterben sein. Es wird eine seltsame Geschichte sein, denn das Sterben eines geliebten Menschen ist ein seltsamer Prozess”, sagt Piotr Domalewski. Und genau in diesen sensiblen, nicht offensichtlichen Raum lädt das Narodowy Stary Teatr (Nationales Altes Theater) die Zuschauer ein. Ausgangspunkt ist eine Reise, die besonders ist, weil sie sich an der Grenze zwischen Realität und Fantasie abspielt. Die Kinderlektüre wird hier zur letzten Landschaft der Welt eines sterbenden Elternteils, und das erwachsene Kind muss eine Entscheidung treffen: Soll es die Augen schließen und in diese Geschichte eintauchen, um ihn bis zum Ende zu begleiten? Die Helden des Kultromans „In der Wüste und im Urwald” von Henryk Sienkiewicz werden in einen ungewöhnlichen Prozess der Reinkarnation hineingezogen, der von Humor, Zärtlichkeit und Ironie geprägt ist. Wie einer der Charaktere des Stücks sagt, ist die vielleicht beruhigendste Vorstellung vom Himmel die, dass man nach einem langen Leben als Held eines geliebten Märchens wiedergeboren werden kann.
Einer der wichtigen Themenstränge des Stücks ist auch die kritische Reflexion über den polnischen Kolonialismus, der nicht nur in der Geschichte und Literatur, sondern auch in der kollektiven Vorstellung präsent ist. Domalewski greift auf eines der umstrittensten Bücher Sienkiewiczs zurück und fragt nach den Ursprüngen der polnischen Faszination für Heldenfiguren vom Typ Staś Tarkowski. Heilt dieses Modell des Heldentums noch immer unsere nationalen Komplexe? Wie könnte die Reise von Staś und Nel heute aussehen? In dem Stück finden sich auch Anklänge an die Aktivitäten der See- und Kolonialliga, deren ideeller Schirmherr der Autor der Trilogie war.

„Zamknij oczy Nel” (Schließ die Augen, Nel) ist ein Stück, das wärmt, auch wenn es vom Verlust handelt. Es erinnert daran, dass im Abschied auch Nähe liegen kann und dass die Vorstellungskraft manchmal der letzte Raum der Begegnung zwischen denen ist, die bleiben, und denen, die sich bereits entfernen. Das Drehbuch basiert auf Auszügen aus Grzegorz Łysias Reportage „Bzik kolonialny. II Rzeczpospolitej przypadki zamorskie” (Kolonialer Wahnsinn. Überseefälle der Zweiten Republik). Das Stück ist für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
Premiere: 23. Januar 2026, 18:00 Uhr
Ort: Große Bühne des Nationalen Alten Theaters in Krakau, ul. Jagiellońska 5.
Besetzung:
Katarzyna Krzanowska, Dorota Pomykała, Paulina Puślednik, Dorota Segda, Bolesław Brzozowski, Zbigniew Kosowski, Radosław Krzyżowski, Michał Majnicz, Grzegorz Mielczarek, Filip Perkowski, Błażej Peszek, Przemysław Przestrzelski, Jacek Romanowski
Mitwirkende:
Text und Regie – Piotr Domalewski
Dramaturgie – Krzysztof Zygucki
Bühnenbild und Kostüme – Arek Ślesiński
Choreografie – Katarzyna Sikora
Video – Natan Berkowicz
Musik – Wojtek Urbański
Lichtregie – Rafał Paradowski
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